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Veröffentlicht: 16.03.2017, 13:15 Uhr

Berliner Sanierungsfall Lindenoper

Sieben Jahre wird die Staatsoper unter den Linden nun schon saniert, in diesem Herbst soll sie mit viel Verspätung wiedereröffnet werden. Ob das wohl hinhaut?

von
© dpa So sah die Staatsoper noch im September aus. Immerhin: Untenrum ist alles trocken.

Schneller als der Erzengel Gabriel, nämlich zehn Tage vor Mariä Verkündigung, überbringt Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) der Stadt und dem Erdkreis frohe Kunde: Das historische Haus der Staatsoper Unter den Linden soll – nach sieben Jahren Sanierungszeit – „in diesem Herbst“ wiedereröffnet werden. Wir alle vernehmen den englischen Gruß gern und fragen uns gleichwohl: „Wie soll das zugehen?“

Jan Brachmann Folgen:

Wo doch der Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses erst vor neun Monaten einen dicken Bericht vorgelegt hatte, aus dem klarwurde, dass sich alle Verantwortlichen für die Bauverzögerung (drei Jahre waren ursprünglich geplant) und für die Baukostensteigerung (von 239 auf 400 Millionen Euro) gewissermaßen auf englisch empfohlen und die Verantwortung systematisch vertuscht haben. Wie kann also, gänzlich ohne Verantwortung, der Bau plötzlich fertig werden, wo er doch lange, viel zu lange – und der Intendant Jürgen Flimm ward schon ganz traurig darob – nicht fertig werden wollte?

Da steht der Oper was ins Haus

Nun, in neun Monaten wächst so mancherlei. Und wie Katrin Dietl, die Pressesprecherin der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, dieser Zeitung mitteilt, sei das Wasser raus aus dem Keller. Auch die unterirdischen Bauwerke, Kostentreiber sondergleichen, seien fertiggestellt. Obendrein wurde die historische Decke im großen Publikumssaal bereits angehoben, der Saal selbst aber sei noch im Bau. Bis zum Spätsommer sollen die „regulären Bauarbeiten“ abgeschlossen sein. Spielbetrieb und Baubetrieb zu überlagern sei nicht geplant. Intendanzgebäude und Probenzentrum sind ohnehin schon seit Spätherbst 2016 nutzbar. Nur akustische Messungen, ob die Nachhallzeiten im großen Saal denn den Wünschen des Generalmusikdirektors Daniel Barenboim und dem HiFi-verwöhnten Ohr des heutigen Publikums genügen, lassen sich erst nach Bauschluss vornehmen.

Da steht der Oper also noch was ins Haus. Ensemble, Gewerke und Leitung aber sind bereit zum Umzug. Es könnte, wenn wirklich nichts mehr dazwischenkommt, in den Theaterferien losgehen: endlich heim aus dem Schillertheater, zurück ans Forum Fridericianum Unter den Linden.

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Welches Stück dann am 3. Oktober gespielt werden wird, ist noch geheim. Die klassischen Wiedereröffnungsopern, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Ost wie West die Auferstehung aus Ruinen bekräftigten, sind nun schon über die Bühne gegangen: Richard Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ im Jahr 2015, Ludwig van Beethovens „Fidelio“ im Jahr 2016. „Der Turm zu Babel“ von Anton Rubinstein wäre eine Anmaßung und außerdem eine Verharmlosung des biblischen Ereignisses durch unzulässigen Vergleich. „Die Gezeichneten“ von Franz Schreker klängen arg nach Selbstmitleid. Wenn es dann nicht auf die obligatorische „Zauberflöte“ hinauslaufen sollte, wäre ein Stück ganz angemessen, das uns wieder werden ließe wie die Kinder: Paul Hindemiths „Wir bauen eine Stadt“.

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