11.11.2004 · Berlins Kultursenator Thomas Flierl hat Fehler bei der Suche nach dem Generaldirektor für die Opernstiftung eingeräumt, hält aber an seinem Kandidaten Schindhelm fest. Der Opposition reicht das nicht aus.
Berlins Kultursenator Thomas Flierl (PDS) hat Fehler bei der Suche nach dem Generaldirektor für die Opernstiftung eingeräumt, hält aber am Stasi-belasteten Basler Intendanten Michael Schindhelm als Kandidaten fest.
Auch nach dem Eklat um die Besetzung des Postens will die Stiftung Schindhelm als einzig verbliebenen Bewerber zum Gespräch einladen. Dies habe der Stiftungsrat am Donnerstag beschlossen, teilte Flierl als Vorsitzender mit. Vor dem Abgeordnetenhaus bedauerte Flierl die Affäre um den mittlerweile aus dem Auswahlverfahren ausgestiegenen Geschäftsführer der Frankfurter Bühnen, Bernd Fülle. Es sei falsch gewesen, daß er Informationen aus einem Gespräch zwischen Fülle und einem Zeitungsredakteur erhalten habe. „Das war ein Fehler, der die Grenze zwischen der Politik und Fachjournalisten unzulässig verwischte. Ich bedauere dies.“ Das habe er auch dem Stiftungsrat erklärt.
„Beratung ist normal“
Der Senator wies aber einen „Spiegel“-Bericht zurück, wonach er in Stasi-Manier einen Journalisten mit einer Befragung Fülles beauftragt habe. Er habe zu keinem Zeitpunkt jemanden von außerhalb gebeten, Informationen einzuholen. Die Initiative zu dem Gespräch sei nicht von ihm ausgegangen. „Es ist aber normal und legitim, daß sich der Senator mit Teilen der Öffentlichkeit, zu denen auch Politiker, Künstler und Journalisten gehören, berät. Das muß auch in Zukunft möglich sein“, sagte Flierl. Der Stiftungsrat wolle an dem Prozedere festhalten, beide Kandidaten einzuladen. Nach Fülles Absage solle das Gespräch mit Schindhelm wie geplant stattfinden.
Opposition unzufrieden
Die Opposition zum rot-roten Senat wies Flierls Erklärung zurück und forderte weitere Aufklärung insbesondere zu Schindhelms Rolle als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) bei der DDR-Staatssicherheit. Dazu müsse sich Flierl äußern, verlangten CDU, FDP und Grüne. Der PDS-Politiker hatte Details zur Kandidatensuche mit dem Hinweis auf Vertraulichkeit verweigert. Auch zu einer möglichen Stasi-Überprüfung der Kandidaten wollte er sich öffentlich nicht äußern. Eine anschließende Sitzung unter Ausschluß der Öffentlichkeit blieb zunächst ohne Ergebnisse.
Die kulturpolitische Sprecherin der Grünen, Alice Ströver, warf Flierl vor, er habe die Antwort auf Fragen zu der Auswahlprozedur verweigert. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Martin Lindner sagte, Flierl versuche „mit Stasi-Methoden einen ehemaligen Stasi-Mitarbeiter an Konkurrenten vorbei zu schleusen“. Der PDS-Politiker müsse endlich den Senat verlassen. Seit dem 1. Januar 2004 werden unter dem Dach der Opernstiftung Bereiche wie Marketing, Personal und Werkstätten der Staatsoper Unter den Linden, der Komischen Oper und der Deutschen Oper geführt.