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Berlin Helmut Newton: Eine Kamera im Grab

02.06.2004 ·  Es war eine Erinnerungsfeier, keine Trauerfeier: In Berlin ist der Starfotograf Helmut Newton beerdigt worden, nur wenige Meter entfernt vom Grab Marlene Dietrichs. Zahlreiche Ehrengäste gaben ihm das letzte Geleit.

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Es war ein Abschied in Würde und mit Lebensfreude: Bundeskanzler Gerhard Schröder und James-Bond-Darsteller Roger Moore waren gekommen, um Helmut Newton unter den Klängen des Mackie-Messer-Songs aus der „Dreigroschenoper“ und Vivaldis „Jahreszeiten“ in Berlin am Mittwoch die letzte Ehre zu erweisen. Die Witwe legte ihrem Mann als letzten Gruß einen Fotoapparat mit ins Urnengrab, als eine prominente Trauergemeinde aus dem In- und Ausland Abschied von dem im Januar gestorbenen Starfotografen nahm.

Der 83jährige erhielt ein Ehrengrab nur wenige Meter von Marlene Dietrichs letzter Ruhestätte, nur einige Häuserblocks von dem Haus entfernt, in dem der Fotograf unter dem Namen Helmut Neustädter geboren wurde. „Freunde, das ist ein schöner Tag!“ rief June Newton, die an diesem Donnerstag Geburtstag hat, bei der anschließenden „Erinnerungsfeier“ im Berliner Rathaus und drückte damit vor allem ihre Freude über die bevorstehende Eröffnung der Dauerausstellung mit der weltberühmten Fotosammlung aus. „Sie könnte kein besseres Zuhause haben. Mein Mann hatte sehr großes Heimweh nach Berlin, er wollte wieder zurück.“

Berlin weint

Newton hatte bis zuletzt an den Vorbereitungen mitgewirkt und wollte in diesem Sommer sehr oft in seiner Vaterstadt sein. „Berlin weint um einen großen Sohn“, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) auf der „Erinnerungsfeier“ - Newton wollte keine Trauerfeier - im Berliner Rathaus. Noch einmal waren Newtons berühmte Fotografien auf einer Leinwand zu sehen. Dazu erklangen Lieder wie „Ich hab' so Heimweh nach dem Kurfürstendamm, ich hab' so Heimweh nach meinem Berlin“ und „Gern' hab' ich die Frauen geküßt“.

Newton habe jener Stadt seine weltberühmten Fotos überlassen, „die ihn als 18jährigen einst davongejagt hatte“, sagte Wowereit. Als er im vergangenen Oktober wieder in Berlin war, um seine Fotosammlung an die Stadt als Dauerleihgabe zu geben, habe er die Herzen der Berliner im Sturm erobert, nicht zuletzt auch mit seiner für ihn typisch schnoddrigen Bemerkung: „Wenn wir abgekratzt sind, kommt alles nach Berlin.“ Die Stadt könne Menschen noch in Aufregung versetzen, sei Newtons Meinung gewesen. „Wir verneigen uns vor einem großen Berliner, einem grandiosen Fotografen und einem wunderbaren Menschen. Wir werden ihn nicht vergessen.“

Nomade und Flaneur

Newtons Weg habe von Berlin nach Berlin geführt, „dazwischen liegt ein bewegtes Leben als Nomade und Flaneur“, sagte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, als künftiger Hausherr der Fotosammlung Newton im ehemaligen Kunstgewerbemuseum am Bahnhof Zoo. „Er blieb immer ein verschmitzter Berliner Junge, auch als er schon weltbekannt war“, sagte Model Nadja Auermann im Gespräch mit Journalisten über Newton, mit dem sie gerne zusammen gearbeitet habe. „Er war ein großer Menschendarsteller.“

Zu den Ehrengästen gehörten auch der Schauspieler Rupert Everett, ein Freund der Familie Newton, der Filmregisseur Volker Schlöndorff und der Kunstsammler Heinz Berggruen, der ebenfalls seine Kunstsammlung an seine Vaterstadt Berlin gegeben hat.

Quelle: FAZ.NET, mit Material von dpa
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