23.09.2004 · Zwischenfall schon am ersten Tag der umstrittenen Flick-Ausstellung: Eine Besucherin beschädigte am Mittwoch abend zwei der Kunstwerke. Nun sollen die Sicherheitsvorkehrungen überprüft werden.
Bei einer Attacke auf die umstrittene Flick-Collection in Berlin sind zwei Kunstwerke schwer beschädigt worden. Eine 35jährige Frau trat am Mittwoch abend auf eine Skulptur ein und fügte außerdem einer weiteren Schaden zu, wie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz am Donnerstag in Berlin mitteilte. Die beiden Werke des Künstlers Gordon Matta Clark könnten allerdings restauriert werden, sagte Stiftungspräsident Klaus-Dieter Lehmann vor Journalisten.
Es handele sich zwar nicht um eine geplante politische Aktion. Allerdings sei die Tat offenbar von der „Emotionalität der Debatte“ über die Sammlung von Friedrich Christian Flick begünstigt worden, die wegen der NS-Vergangenheit der Familie umstritten ist.
Das Wachpersonal überfordert
Den Angaben der Stiftung zufolge kam die 35jährige am Mittwoch abend in die Ausstellung, zerrte an den beiden Kunstwerken und rief dann, sie könne Flick nunmehr vergeben. Lehmann räumte ein, daß das anwesende Aufsichtspersonal nicht sofort einschritt, als die Frau begann, sich auffällig zu verhalten. Die beiden Aufseher seien von dem „aggressiven Auftritt überfordert“ gewesen und hätten deshalb nach einem „Supervisor“ gesucht. So habe die Frau Zeit für ihre Störaktion gewonnen.
Augenzeugenberichten zufolge hopste die gut durchtrainierte Frau regelrecht auf dem Fußboden herum und vollführte sogar einen Handstand. Die Polizei nahm die 35jährige vorübergehen fest. Sie ist in der Vergangenheit mehrfach wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung aufgefallen.
Sicherheitsmaßnahmen überprüft
Bei den beiden beschädigten Skulturen handelt es sich um die Werke „office baroque“ und „graffiti truck“, die zum Teil aus auf dem Boden liegenden Elementen bestehen. Lehmann kündigte an, nach dem Vorfall die Sicherheitsmaßnahmen in den Ausstellungsräumen zu überprüfen. Es sei aber bereits jetzt sehr viel Sicherheitspersonal im Einsatz.
Die Flick-Sammlung besteht aus insgesamt 2500 Exponaten, darunter Werken bedeutender zeitgenössischer Künstler wie Nam June Paik, Cindy Sherman, Francis Picabia oder Bruce Naumann.
Die Schau war ungeachtet der heftigen Kritik am Dienstagabend mit einer Rede von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) eröffnet worden. Friedrich Christian Flick wird auch zum Vorwurf gemacht, daß er bisher nicht in den Zwangsarbeiterfonds der deutschen Wirtschaft eingezahlt hat. Sein Großvater Friedrich Flick war wichtiger Rüstungsunternehmer während der NS-Zeit und hatte Tausende von Zwangsarbeitern beschäftigt.