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Belgien Ist Belgien noch zu retten?

10.08.2008 ·  Der belgische König sucht nach einer Lösung gegen den Zerfall seiner Nation. Die Wallonen suchen immer mehr den Anschluss nach Frankreich. Doch es plagt sie die Sorge, dann nur ein unbedeutendes französisches Département zu sein.

Von Jürg Atlwegg, Genf
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Ohne große Überzeugung hatte die Brüsseler Zeitung „Le Soir“ auf den „letzten D-Day des politischen Sommers“ gehofft. Die vom belgischen König ernannten drei Weisen haben ihre Vorschläge zur Beilegung der Krise vorgestellt, aber auch kein Wundermittel gegen den drohenden Zerfall des Landes gefunden. Die Hälfte der Wallonen befürworte den Anschluss an Frankreich, verkündete der Pariser „Figaro“. Und legte mehrmals nach. Sechzig Prozent der Franzosen seien für die Aufnahme der französischsprachigen Belgier.

De Gaulle hatte einst mit seinem „Vive le Québec libre“ gewaltige diplomatische Spannungen ausgelöst. Für die französische Regierung, die gerade die EU-Präsidentschaft ausübt, sind die belgischen Anschlussgelüste zumindest offiziell kein Thema. Die Nationalisten indes freuen sich. Der antieuropäische „Souveränist“ Philippe de Villiers hat bereits angedeutet, wie die Vergrößerung der „Grande Nation“ verfassungsgerecht durchgezogen werden könnte. Frankreich bekäme in Europa mehr Gewicht – und vor allem: Der Zerfall Belgiens wäre ein schwerer Schlag für den Föderalismus. „Belgische Zustände“ sind Ausdruck seines Scheiterns.

Ein unbedeutendes französisches Département?

Allerdings wissen die Wallonen sehr genau, wie das zentralistische Frankreich mit seinen sprachlichen Minderheiten umging. Und sie ärgern sich über die Arroganz des kulturellen Mutterlands, das ihre Künstler und Schriftsteller – Georges Simenon, Jacques Brel, Hergé – systematisch annektiert. Bis zum Aufkommen der Blondinen waren die Belgier die Witzfiguren der Franzosen. Als französisches Departement wäre ihre Bedeutung gering. „Für den Fall, dass Flandern seine Unabhängigkeit erklärt“, haben sich aber tatsächlich fünfzig Prozent der Wallonen für einen Anschluss an Frankreich ausgesprochen.

So viele waren es noch nie. Bart de Wever, der Chef der flämischen Nationalisten, hat die frankophonen Belgier in Flandern gerade wieder als „Einwanderer“ bezeichnet, die sich gefälligst „anpassen“ sollen. Viel schlimmer wäre es in Frankreich wohl nicht. Auch ein Zusammengehen mit Luxemburg wird diskutiert. Was geschieht im Fall der Teilung mit Brüssel? Wird es zur freien Euro-Stadt? Der König hat nach den enttäuschenden Vorschlägen das Mandat der Weisen verlängert. „Sturmwarnung im September“ titelt jetzt „Le Soir“. Noch ein D-Day? Vielleicht ist Belgien ja doch noch zu retten.

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