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Belasteter Begriff Betreut

 ·  Es geht um Geld, es geht um Betreuung und das Thema ist historisch vorbelastet. In diesem Streit wird klar: Kinder lassen sich nicht betreuen, sie lassen sich allenfalls lieben.

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Seltsames Wort, das da gerade im Streitschwange ist: „Betreuungsgeld“. Lässt man im Wort das „-geld“ weg, das sowieso niemand hat, bleibt „Betreuung“ übrig. Dann wird das seltsame Wort noch seltsamer. Gegen „Betreuung“ nämlich haben ja selbst die seltsamen Gegner des „Betreuungsgeldes“ nichts. Sie wollen, dass die Kinder, die sie sowieso nicht haben, selbstverständlich „betreut“ werden müssen: in staatlich reglementierten und subventionierten Einrichtungen, „Betreuungsstätten“, die seltsamerweise den Namen „Kita“ tragen (klingt wie nach skandinavischem Katzenfutter).

Betreuungsausschuss

Die seltsamen Befürworter des „Betreuungsgeldes“ aber wollen, dass es denen nachgeschmissen werde, die ihre Kinder zu Hause „betreuen“ und bisher gar nicht wussten, dass sie dafür Geld zu verlangen hätten. Aufmerksam geworden durch eine „Sportstammtisch“-Kolumne in der oberhessischen „Wetterauer Zeitung“, die auf das harmlos tuende, aber das Subjekt Ausschaltende und Wegsperrende im Wort „Betreuung“ aufmerksam macht (à la Boateng „betreut“ Balotelli), schlägt man auch mal im „Wörterbuch des Unmenschen“ nach. Und findet, dass das, was Dolf Sternberger, Gerhard Storz und Martin Süskind selig 1957 am Sprachgebrauch-System der Nazis an Unmenschenphrasen entlarvten, sich mühelos in Nach-Nazi-Zeiten rettete. Nicht nur das auch bei demokratischen Politikern äußerst beliebte „Durchführen“, vom „Querschießen“, von „Kulturschaffenden“, von „Schulung“ und „Generalintendant“ ganz zu schweigen, sondern als womöglich schlimmste: die „Betreuung“. Sie wurde durch die Nazis zum „Terror, für die der Jemand - der Betreute - (auch noch) Dank schuldet“. So „betreuten die NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) Mutter und Kind, der Reichsnährstand die Bauern, die Arbeitsfront die Arbeiter, die Wirtschaftsgruppen, Wirtschaftsämter, Rüstungsinspektionen und andere Behörden, alle zusammengefasst im sogenannten ,Betreuungsausschuss’, betreuten die industriellen Betriebe“. Und: „Ja wahrhaftig: Die Geheime Staatspolizei betreute die Juden.“

Abgesehen davon, dass in den „Kitas“ Kinder einer staatlich bevormundeten „Betreuung zugeführt“ werden, damit ihre zeitweise Unterbringung „durchgeführt“ werden kann - Kinder, wenn man sie als solche achtet und ehrt, lassen sich nicht „betreuen“. Weder zu Hause noch in Anstalten, die nach skandinavischem Katzenfutter klingen. Für kein Geld der Welt. Kinder lassen sich allenfalls lieben. Und das ist auch keine Hausaufgabe. Das ist eine Lebensaufgabe.

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Jahrgang 1950, Redakteur im Feuilleton.

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