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Montag, 13. Februar 2012
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Bela B. Arzt im Einsatz

30.08.2006 ·  Bela B., bei den „Ärzten“ der Weggefährte Farin Urlaubs, verdingte sich als Schauspieler, Synchronsprecher und als Gast bei Fernsehshows. Nun präsentiert der Musiker seine erste Solo-CD. Ist es Pop, Punk oder Rock?

Von Thomas Thiel
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Was aus aktuellem Anlaß zu sagen wäre von ihm, Dirk Felsenheimer, der sich den Namen des Dracula-Darstellers Bela Lugosi zum Vorbild nahm und sich Bela B. nannte, das Nachnamenskürzel im übrigen in Anlehnung an Barney Geröllheimer, Fred Feuersteins treuen Weggefährten? So ungefähr dieses: Er nimmt nach langer, dreijähriger Anlaufphase seine erste Solo-CD auf, „Bingo“, mit der er aktuell auf Tour ist.

Er erklärt gewisse Dinge für ausgestanden - die Erwartung, Punk zu sein - und gewisse Dinge für abgestanden - den Vorwurf des Punkkommerzes überhaupt kommentieren zu müssen. Er macht sich allein auf den Weg in die Öffentlichkeit ohne seinen Begleiter Farin Urlaub, mit dem er jahrelang eine gutgehende Gemeinschaftspraxis geführt hatte und aus dessen Schatten zu lösen ihm nicht leichtgefallen ist.

Stilideal: Verweigerung

Zwei Köpfe stießen der Legende nach an einem Abend im Jahr 1980 in der Spandauer Diskothek Ballhaus aneinander. Es waren die von Jan Vetter und Dirk Felsenheimer, die sich fortan Farin Urlaub und Bela B. nannten, zunächst die Punkband „Soylent Grün“ ins Leben riefen und zwei Jahre später „Die Ärzte“. Der Begriff Punk diente damals noch als Ordnungselement, wenngleich die „Ärzte“ schnell in den Ruf gerieten, es mit dessen Ritualen nicht ganz so ernst zu nehmen. Doch war die Verweigerungshaltung der späten siebziger Jahre, die junge Leute an die Ausgänge von Hauptbahnhöfen setzte und ihrem aggressiv-ungehobelten Gesang drei Gitarrenakkorde unterschob, eine Zeitlang Stilideal für Bela B., dem einst als Kaufhausangestelltem wegen seines Äußeren gekündigt worden war.

Die Ärzte trennten sich (im Jahr 1988), sie vereinigten sich wieder (1993), zuletzt standen wieder Soloprojekte an. Urlaub zog sich zurück und produzierte drei erfolgreiche Soloalben, Bela B. verdingte sich crossmedial. Man sah ihn als KZ-Häftling in dem Kinofilm „Edelweißpiraten“, man hörte ihn als Synchronstimme der dänischen Trickfilmfigur Terkel und als Hörbuchsprecher in der Rolle des Mephisto. Nebenbei trat er in diversen Fernsehshows auf.

Musikalischer Themenmischmasch

Der Punk gehört inzwischen zu Belas älteren Klamotten. Die Lebensspur führte ihn hin zum intellektuell versierten Pop-Boulevard. Dieser Wille zur Zugehörigkeit blieb nicht ohne Folgen: Wenn seinem insgesamt unauffälligen Album eine auffällige Note abzugewinnen ist, dann eine gefühlsbetonte. Nicht die ironisch gebrochene Romantik der Ärzte, die ein Sentiment anbahnt und sich dann zum ironischen Rückzug entschließt, sondern das ehrlich Gemeinte, sich Öffnende, nahezu Liedermacherische.

Bela B. wird beim Bekenntnis zur wahren Empfindung jedoch schnell auch wieder mulmig, und mit etwas einfach gestrickter Dialektik tritt er den Rückzug aus dem schüchtern betretenen Neuland an: Wenn er darüber räsoniert, daß der Fernseher besser an- als ausbliebe und die Gitarre besser weit unten als weit oben hängt, bedient er die gut abgehangenen Topoi des Pop. Oder des Rock oder gar des Punk? Es ist nicht auszumachen.

Quelle: F.A.Z., 30.08.2006, Nr. 201 / Seite 42
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