26.07.2007 · Wie würde sich Katharina Wagner bei ihrem Regiedebüt in Bayreuth wohl aus der Affäre ziehen? Mit den „Meistersingern von Nürnberg“ löste sich die Urenkelin Richard Wagners von der altfränkischen Festwiesenromantik ihres Vaters Wolfgang und unterstrich den Anspruch auf dessen Nachfolge.
Von Wolfgang SandnerMan war gespannt: Wie würde sich Katharina Wagner, die Urenkelin Richard Wagners, bei ihrem Debüt in Bayreuth wohl aus der Inszenierungsaffäre ziehen. Ausgerechnet „Die Meistersinger von Nürnberg“ hatte sie sich für ihren ersten Auftritt an traditionsreicher Wahlfahrtstätte ausgesucht, ein Werk, das wegen seiner altertümelnden Thematik und den jubelnden Massenchören als repräsentative Parteitagsoper im Nationalsozialismus herhalten musste.
Zudem war die „Komische Oper in drei Aufzügen“ auf dem Grünen Hügel zuletzt ausgerechnet von Wolfgang Wagner, ihrem so lange schon in Bayreuth regierenden und noch immer nicht so recht abdankungswilligen Vater inszeniert worden, dessen frühlingsgrüne Festwiesenapotheose und altfränkische Butzenscheibenromantik in ihrer Harmlosigkeit kaum mehr zu übertreffen war. So wurde die Inszenierung Katharina Wagners im Vorfeld der Premiere auch zur Nagelprobe für die Bewerbung als Nachfolgerin ihres Vaters auf dem Bayreuth-Thron hochgestemmt.
Wer hat die Vorreiterrolle in der Wagner-Interpretation?
Ungerechterweise. Denn ein guter Regisseur muss nicht unbedingt ein großes Haus und traditionsreiche Festspiele leiten können. Umgekehrt muss ein fähiger Chef eines Kunstinstituts mit internationaler Ausstrahlung nicht unbedingt ein genialer Regisseur sein. Aber selbst wenn Katharina Wagner mit dieser Inszenierung gescheitert wäre, hätte man nicht endgültig den Stab über sie als Regisseurin brechen können. Denn noch immer gilt die neunundzwanzig Jahre alte Künstlerin mit ihren wenigen Inszenierungen, etwa in jüngerer Zeit einem „Holländer“ in Würzburg und einem „Lohengrin“ in Budapest, als Neuling.
Immerhin kann man aber sagen, dass es Wolfgang Wagner mit der Übertragung dieser Inszenierung auf seine jüngste Tochter wieder gelungen ist, Bayreuth ins Gespräch und zum Ereignis des Sommers zu machen. Katharina Wagner aber hat mit ihrer Inszenierung keineswegs enttäuscht und so manchem vorlauten Kritiker eine Pappnase gedreht. Ihre „Meistersinger“ haben die jüngste, eher harmlose Aufführungstradition dieses Werkes in Bayreuth durchbrochen und so manches, für den Grünen Hügel geltende Tabu gebrochen. In ihrer Rezension in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ beantwortet unsere Kritikerin Eleonore Büning auch die Frage, ob damit erreicht wurde, was sich Katharina Wagner vorgenommen hat: endlich wieder die Vorreiterrolle Bayreuths in der Wagner-Interpretation herzustellen.
Au revoir Lebkuchenromantik
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 27.07.2007, 16:38 Uhr