25.07.2006 · Harry Kupfers Wagner-Bilderwelt kommt uns so bekannt vor, weil es unsere eigene ist: eine zerborstene Welt, in der wir nur mit Restrisiko leben. Buh-Rufe gab es naturgemäß, von jenen, die wieder sozialkritischen Verrat witterten.
Auch große Künstler können am „Ring“ scheitern: so geschehen 1983, als Peter Hall und Georg Solti (bei seinem späten Bayreuth-Einstand) einer Schimäre nachjagten, einem „Ring“ nämlich, „wie er in der Partitur steht“. Als sei Wagners Musik je allein aus den Noten und dem Libretto heraus zu verstehen gewesen. Harry Kupfer war bei seiner Auseinandersetzung mit der Tetralogie 1988 weniger naiv. Er bildet einen menschlichen Rahmen für die aus den Fugen geratene Götterwelt. Seine Bilderwelt kommt uns so bekannt vor, weil es unsere eigene ist: eine zerborstene Welt, in der wir nur mit Restrisiko leben. Buh-Rufe gab es naturgemäß, von jenen, die wieder sozialkritischen Verrat witterten.