16.08.2010 · Auf dem Straubinger Gäubodenfest läuft ein Test: Hält das neue Nichtraucherschutzgesetz oder gibt es Obstruktion? Während die Zeichen auf Entwarnung deuten, gärt die Stimmung gegen den Obrigkeitsstaat.
Von Hannes HintermeierChristian Stückl, Intendant des Münchner Volkstheaters und Spielleiter der Oberammergauer Passionsspiele, hat mit der „Bairischen Sprachwurzel“ soeben eine Auszeichnung für gelebten Dialekt erhalten. Bei einem Vorstellungsgespräch in den Münchner Kammerspielen soll er die Frage des künstlerischen Direktors, ob er sich den Schauspielern auf Hochdeutsch verständlich machen könne, geantwortet haben: „I moan scho!“ Er hat recht behalten und sich nicht ins Bockshorn jagen lassen. Recht behalten hat auch der Sprecher des Aktionsbündnisses zum Nichtraucherschutz, Sebastian Frankenberger. Aber ins Bockshorn hat er sich trotzdem jagen lassen, unlängst im niederbayerischen Waldkirchen.
Dort war der bekennende Abstinenzler mit einem Fernsehteam des Bayerischen Rundfunks ins Bierzelt einmarschiert. Als Rufe laut wurden – Schmeißt ihn raus, den Deppen! –, empfahl ihm der Festwirt, ein leidenschaftlicher Raucher, das Zelt zu verlassen. Aus Sicherheitsgründen. Was Frankenberger mit der Begründung tat, er sei schließlich gekommen, um zu deeskalieren. Ein feierliches Wort, aber nicht gut bairisch aussprechbar, und noch schwerer umsetzbar: Das Raucher-Thema hat Bayern nach wie vor im Griff. Auch wenn beim Gäubodenfest in Straubing, dem zweitgrößten Volkfest des Landes nach dem Oktoberfest, die Wirte Entwarnung gegeben haben.
Die Volksseele ist derzeit in Überkoch-Laune
Nur zwei Raucher, meldete „Bayern 5 aktuell“ gestern, hätten vom Gang aus dem Zelt „hinausgeraucht“, weswegen prompt ein Gast vom Wirt die Durchsetzung des Nichtraucherschutzgesetzes gefordert habe. Worauf der trocken entgegnet habe: Schau hinaus, du siehst ja, wie es schüttet! (übersetzte Fassung). Das wird sich also einspielen, die Generalprobe fürs Münchner Weltbierfest scheint geglückt, der Widerstand wirkt eher hinhaltend als offensiv, so wie weiland im angeblich anarchischen Italien.
Aber man täusche sich nicht. Wer derzeit an den freistaatlichen Stammtischen die Lage erkundet, erhält ein überraschend klares Bild: Eine Rückkehr zum Status quo ante wird es nicht geben, nicht nur in der Raucherfrage. Der Volksentscheid als politisches Instrument hat seine dunklen Seiten offenbart. Wenn so eine Minderheit einmal die Mehrheit ist, dann gnade uns Gott – befand schon der große Staatsdenker Gerhard Polt. Und eine Mehrheit für irgendetwas, die bekommt man heutzutage schnell, weil man nur die Frage vertrackt genug stellen muss. Auf die Zukunft der CSU will derzeit niemand ohne Not einen Pfifferling geben. Und ein Reherl schon gar nicht.