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Bayerischer Bier-Streit : Wenn das der Kini noch erlebt hätte

Dass in den Kellern von Schloss Neuschwanstein Bier gebraut wird, glaube kein Mensch, hat jetzt ein Gericht festgestellt. Bild: ddp

„Neuschwansteiner“ hat sich ein bayerisches Bier für vierzig Euro pro Liter vollmundig genannt. Das hat ein Gericht noch durchgewunken. Die sagenhafte „Méthode Royale“ aber hat es kassiert.

          In München steht ein Hofbräuhaus, in dem kein Bier mehr gebraut wird. Und stört das die Touristen? Noch nicht einmal die Münchner. In Neuschwanstein steht kein Hofbräuhaus, und eine Brauerei gibt es dort auch nicht, aber ein Bier gibt es, das sich „Das Neuschwansteiner“ nennt. Stört das die Touristen? Eher die Einheimischen, und noch mehr die Zentrale für die Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs, die sich darüber erregte, dass das Bier im benachbarten Schwangau gebraut wird. Aber Schwangau hat auf einem Etikett niemals den Klang wie die weltbekannte Attraktion Neuschwanstein, und deswegen sollen jene Kosmopoliten, die 29,90 Euro für die unübliche 0,75-Liter-Flasche ausgeben, auch Premiumtrinkgefühle haben.

          Zum Vergleich: Die Wiesn-Mass, das Maß aller Dinge im jährlich wiederkehrenden Preisgipfelsturm, kostete im letzten Durchgang 10,70 Euro. Vergönnte man sich eine Mass Neuschwansteiner, wären knapp vierzig Euro fällig. Bier und Ehrlichkeit, das waren einmal Bewohner einer Welt, aber man muss wohl einwenden, dass mancher Bräu es mit der Deckungsleichheit von Braustätte und Herkunftsbezeichnung nicht ganz genau genommen hat. Heute sucht der Kunde, digitalglobal wie er ist, das Authentische umso heftiger, je weniger er seiner habhaft werden kann. Er sehnt sich nach der Vorstellung, dass sein Helles im Klosterkeller gebraut wurde, über dem er gerade in der Gaststube dimpfelt.

          Das Etikett muss verschwinden

          Oder eben im Schlosskeller des Märchenkönigs. But the times have changed, der Bräu heißt heute World of Neuschwansteiner Holding GmbH & Co. KG. Und diese Holding musste nun erstens wegen der Ortsbierfrage vor den Kadi und zweitens, weil sie ihr Luxusprodukt mit der Etikette „Méthode Royale“ bewirbt. Das bayerische Oberlandesgericht, das den Fall jetzt verhandelte, hatte nichts gegen den Namen: Kein Verbraucher werde getäuscht, da niemand an die Existenz einer Brauerei im Schloss glaube. Wirklich nicht?

          „Sadly enough the king couldn’t enjoy his castle“, erklären dort die Führer ihrem Weltpublikum. Und was, wenn sie hinzufügten: „but on rare occasions King Ludwig liked to have a beer with Parzival and Lohengrin in here“? Was dem Gericht nicht einleuchtete, war die champagnerbeschwörende „Méthode Royale“, eine vorgeblich „einzigartige Veredelungsmethode“. Die Flaschen enthielten ganz normales Märzenbier, das im Supermarkt, so der Richter, für einen Euro zu kaufen sei. Das Etikett muss verschwinden, der zugrunde liegende neureiche Etikettenschwindel mag weitergehen. Dem wahren Neuschwansteiner wäre diese Inszenierung mehrere Nummern zu klein gewesen.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

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