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Sonntag, 12. Februar 2012
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Batman im Kino Der zornige Ritter

28.07.2008 ·  Mit seinem amerikanischen Einspielergebnis von 158 Millionen Dollar übertraf der neue Batman-Film alle Startrekorde. In wenigen Wochen kommt er in die deutschen Kinos. In „The Dark Knight“ ist Batman kein Saubermann mehr, sondern ein gebrochener und gefährlicher Held.

Von Andreas Platthaus
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Nur wenige Wochen noch, dann kommt „The Dark Knight“ in die deutschen Kinos, jener Superhelden-Film, der mit einem amerikanischen Einspielergebnis von 158 Millionen Dollar am vorigen Wochenende den bisherigen Startrekord von „Spider-Man 3“ aus dem vergangenen Jahr noch übertraf. Das ist insofern bemerkenswert, als der Film des Regisseurs Christopher Nolan gerade nicht das wirkliche Markenzeichen, den Namen des Helden, im Titel trägt. „Spider-Man“ eins bis drei, das verkündet eine simple Botschaft: Geht ins Kino, und ihr seht den gehemmten Peter Parker, wie er sich selbst als Spinnenmann therapiert. So viel weiß jeder Amerikaner über die Figur. „The Dark Knight“, der dunkle Ritter, ist dagegen nur einer der Beinamen von Batman. Und zwar der, der auf seine unerfreulichsten Seiten verweist.

Als Bezeichnung ist „Dark Knight“ fast so alt wie die Figur selbst. Bob Kane, ein damals dreiundzwanzigjähriger Comic-Zeichner ohne größere Reputation, erfand sie 1939, als der Verlag, in dem bereits „Superman“ mit phänomenalem Erfolg erschien, einerseits neue Heldenpersönlichkeiten suchte, andererseits den zahlreichen Plagiaten etwas entgegensetzen wollte. Kanes Batman aber war ein Geniestreich: die Antithese zu Superman. Hat dieser übermenschliche Kräfte, weil er ein Außerirdischer ist, so sind bei Batman alle Fertigkeiten mühsam antrainiert und eher artistisch als wundersam.

Nicht mal ein Bürger ist er

Der Mann vom Planeten Krypton ist eine Lichtgestalt, am liebsten zeigen ihn seine Zeichner am strahlend blauen Firmament; Batman ist ein Held der Nacht, in deren Dunkelheit er mit seinem schwarzen Kostüm verschwinden kann. Und ist Superman im gutbürgerlichen Leben der gehemmt wirkende Reporter Clark Kent, so führt der Mann, der im Fledermauskostüm steckt, überhaupt kein gutbürgerliches Leben, denn es handelt sich um einen dekadenten neureichen Multimillionär namens Bruce Wayne, der auch alles andere als gehemmt, nämlich ein schamloser Playboy ist.

Das allerdings wurde er erst im Laufe der Jahre, und vor den sexuell libertären achtziger Jahren, als auch der erste Batman-Film ins Kino kam, war der Frauenverbrauch Batmans noch moderat. Im Gegenteil wurde die Figur in den moralisch rigiden Fünfzigern, als die gesamte amerikanische Comic-Produktion unter dem Generalverdacht der Jugendverderbnis stand, als Propagierung homosexueller Lebensweisen verteufelt. Denn an Batmans Seite befindet sich seit 1940 sein jugendlicher Assistent Robin the Boy-Wonder, und dass ein erwachsener Mann und ein Knabe ohne Frau im Haus gemeinsam leben, das regte die schmutzigen Phantasien der Tugendwächter mächtig an. Der Verlag wies seine Autoren und Zeichner an, alles zu vermeiden, was diesen Verdacht weiter schüren könnte. In der zweiten Hälfte der achtziger Jahre erschienen zwei legendäre Comic-Zyklen, beide geschrieben von dem damals noch am Beginn seiner Karriere stehenden Frank Miller, der heute ein Superstar ist. In „Year One“, den Miller von David Mazzucchelli zeichnen ließ, erzählte er 1987 die Anfangszeit des Helden neu und brachte dabei psychologische Faktoren ein, die ein völlig neues Bild von Bruce Wayne boten.

Renaissance der Superhelden

Ein Jahr zuvor jedoch kam schon „The Return of the Dark Knight“ heraus, der einflussreichste Comic eines ganzen Jahrzehnts. Er etablierte nicht nur ein neues teures Heftformat, was den darbenden Verlagen eine frische Einnahmequelle bescherte, er löste auch eine Renaissance des ganzen Superhelden-Genres aus. Miller zeigte Bruce Wayne als gealterten verbitterten Mann, der als Batman einen privaten Rachefeldzug gegen die Auswüchse eines medial korrumpierten und moralisch verluderten Amerika führt. Der einstmals als Jugendbedrohung eingeschätzte Comic-Held wurde plötzlich zum konservativen Reaktionär, an dessen Seite pikanterweise ein weiblicher Robin agierte, der mit elegantem Kurzhaarschnitt und Designerbrille wie ein androgynes Musterbild der lesbischen Subkultur daherkam. Miller kehrte einfach alle Werte um. Und alle machten es ihm nach.

Von da an waren die Superhelden in der Postmoderne angelangt, und Batman wurde zu ihrem Aushängeschild, denn der kommerzielle Erfolg von Millers Comics sprengte alle Maßstäbe. Mit Tim Burtons erstem Batman-Film von 1989 erschlossen sich die großen Verlage dann den Film als zusätzliche Einnahmequelle. Fünfmal bereits ist seitdem Batman Titelheld von immer aufwendiger produzierten Filmen geworden, und jetzt ist die Figur im Kino so gut eingeführt, dass nun eben dem durch Millers Geschichte ohnehin berühmt gewordenen Synonym „The Dark Knight“ gar nichts mehr hinzugefügt werden muss.

Ohne Vorgeschichte

Zwei gegenüber früheren Batman-Verfilmungen bemerkenswerte Modifikationen hat Christopher Nolan, der auch schon den fünften Film „Batman Begins“ (2005) verantwortete, vorgenommen. Die eine betrifft die Geschichte, die andere die Figur. „Batman Begins“ war eine freie Adaption von „Year One“ (und so hätte der Film auch eine Zeitlang heißen sollen, aber dazu schien dem Studio das kommerzielle Risiko am Ende noch zu groß), man ging also beim fünften Anlauf erstmals an den Beginn der Heldensaga, während Tim Burton 1989 einfach mitten ins Geschehen getreten war und in der Folge alles ausgenutzt wurde, was die Comic-Welt von Gotham City, der Stadt, in der Batman lebt, in mehr als einem halben Jahrhundert hervorgebracht hatte.

Nolan nahm den Faden neu auf. Er erzählt chronologisch, so schließt „The Dark Knight“ an „Batman Begins“ an - nicht als unmittelbare Fortsetzung, sondern als neue Stufe in der Entwicklung des Geschehens. Nun tritt der Joker erstmals auf, und Nolan interessierte sich nicht einen Moment dafür, dass dieser Superschurke schon in Burtons erstem Film vorkam. Sonst hätte man ja auch wieder Jack Nicholson als Schauspieler verpflichten müssen, dagegen war Heath Ledger eine billige Alternative. Er spielt den Joker als so bitteren Mann, wie Nicholson es auch nie gekonnt hätte.

Die dunkle Seite des Helden

Mit Harvey Dent steht in „The Dark Knight“ auch schon der nächste große Batman-Antipode parat: Two-Face, dessen Geschichte gleichfalls schon auf der Leinwand zu sehen war, 1995 in „Batman Forever“. Nolan aber begreift seine Filme als neuen Zyklus - eine mutige Entscheidung angesichts des Erfolgs der vier älteren. Aber es ist eine neue Generation, die heute ins Kino geht, und die strenge Chronologie macht, wie das Vorbild „Spider-Man“ bewiesen hat, weitere Filme zu sicheren Kassenknüllern.

Die zweite Modifikation betrifft Batman selbst. Vor Nolan war diese Figur ein Dressman, der nur zwischen Frack als Bruce Wayne und Plastikpanzer als nächtlicher Held wählen konnte. Die eigentlichen Schau- und Schauspielwerte lieferten die Superschurken. Christian Bale als Hauptdarsteller hat ihm einen Tiefgang verliehen, den seine Vorgänger Michael Keaton, Val Kilmer und George Clooney gar nicht anstrebten - allerdings um den Preis, dass tatsächlich die dunkle Seite Batmans stärker in den Vordergrund getreten ist. Dieser Bruce Wayne ist ein gebrochener Held, der deshalb alle seine Gegner auch brechen will.

Auf Bale hat das wohl unerfreulich abgestrahlt. Vergangenen Sonntag soll er in London vor der Europapremiere von „The Dark Knight“ seine Mutter und seine Schwester geschlagen haben. Das hätte Bruce Wayne - zugegebenerweise Waise und Einzelkind - niemals getan und auch niemals gebilligt.

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