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Basketball nicht das ganze Leben : Nachspielfeld

  • -Aktualisiert am

Johannes Herber spielte 74 Mal für die deutsche Nationalmannschaft Bild: ddp images/dapd/Gerit Borth

Der hat „Swagger“, sagen Profibasketballer, wenn einer wie unbesiegbar auf dem Platz steht. Lässt sich diese Aura nach der Karriere ins Leben retten? Von der Angst vorm Aufhören und wie man sie überwindet.

          Alternde Profisportler, die sich verzweifelt an ihre Karrieren klammern, werden oft verspottet. Man unterstellt ihnen den narzisstischen Wunsch nach fortwährender Bewunderung oder das Unvermögen, sich im „wahren“ Leben zurechtzufinden. Auch ich habe diese Sportler stets belächelt. Denn ich war fest davon überzeugt, dass mich dieses Schicksal nicht ereilen würde. Schließlich war ich immer anders gewesen als das Gros meiner Mitspieler. Ich hatte studiert, interessierte mich für Politik und Kultur, unterhielt viele Freundschaften außerhalb des Profisports.

          Ich legte Wert darauf, nicht bloß als Basketballspieler wahrgenommen zu werden. Ging es um meine Zukunft, pflegten die Menschen zu sagen, dass sie sich darum „gar keine Sorgen“ machen würden. Nein, der Abschied vom Sport würde mir nicht schwerfallen. Doch als mich kürzlich eine chronische Verletzung vor die Entscheidung stellte, meine Profikarriere im Alter von 29 Jahren zu beenden, erkannte ich, wie sehr ich mich geirrt hatte. Eine Karriere in den Spielsportarten wie Fußball, Handball oder eben Basketball beginnt nicht mit Disziplin und strengem Drill.

          Der kurze Weg vom So-tun-als-ob zum Tun

          Sie beginnt mit der spielerischen Nachahmung von Vorbildern, mit einem So-tun-als-ob. Als Halbwüchsiger konnte ich stundenlang darin versinken, Spielszenen aus dem Fernsehen nachzustellen und die Bewegungen meiner Idole Michael Jordan und Penny Hardaway zu imitieren. Diese Mimikry beschränkte sich nicht auf Dribblings oder Würfe, sie erstreckte sich bis hin zu den kleinsten Gesten - die Art und Weise, wie Jordan die Zunge herausstreckte oder Hardaway die Sohlen seiner Sneakers säuberte. So wuchs ich heran und mein Spiel mit mir. Was mit einem kleinen Plastikkorb an der Tür meines Kinderzimmers begonnen hatte, führte über die großen Arenen des amerikanischen College-Basketballs bis hin zu Welt- und Europameisterschaften, an denen ich als deutscher Nationalspieler teilnahm. Ich war der Profi geworden, den ich immer versucht hatte darzustellen. Schleichend war das So-tun-als-ob zum Tun geraten.

          Obwohl Basketball nun tatsächlich zu meinem Beruf geworden war, hatte sich mein Lebensrhythmus kaum verändert. Ich kannte den Alltag aus Trainingseinheiten, Videoanalyse und Physiotherapie, war vertraut mit der Spannung, die im Laufe der Woche wuchs und samstags kurz vor dem Sprungball ihren Höhepunkt erreichte. Dazu die Busfahrten, auf denen jeder von uns auf dem immergleichen Platz saß, die Nächte in sterilen Hotels, in denen es stets Hühnchen und Nudeln zum Abendessen gab. Möglichst ungewürzt und ohne Soße, damit auch die Amerikaner ein paar Bissen nahmen, bevor sie Stoffservietten über ihre Teller warfen und den nächsten McDonald’s aufsuchten.

          Verknüpft mit der Hiphop-Kultur

          Dass ich dafür nun also Geld bekam, schien dem ludischen Charakter dieser Welt nichts anzuhaben. Noch immer glich sie einem geschlossenen Raum, in dem die üblichen Konsequenzen des „wahren“ Lebens - der „real world“, wie meine amerikanischen Mitspieler es nannten - abgemildert waren. In dieser Sphäre galten andere Gesetze. Damit meine ich weniger die expliziten Regeln des Spiels als jene impliziten Normen und Rituale, die den Umgang der Spieler miteinander, auf dem und abseits des Feldes, formen.

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