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Auszeichnung Literatur-Nobelpreis bringt Ruhm und Ehre - und lässt Kassen klingeln

09.10.2001 ·  Die Verleihung des Literatur-Nobelpreises wird jedes Jahr auch von den Verlagen mit Spannung erwartet. Der Preisträger beschert seinem Verleger klingelnde Kassen.

Von Nicola Prietze
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Der Literaturnobelpreis gereicht nicht nur dem jeweiligen Preisträger zu Ehre, Ruhm und Geld. Auch sein Verlag profitiert von der Zuerkennung. Neben dem Renommee, einen oder gar mehrere Nobelpreisträger zu haben, lässt der Preis erst die Druckmaschinen rotieren und dann die Verlagskasse klingeln.

Allerdings in unterschiedlichem Ausmaß: Je bekannter ein Autor schon vor der Zuerkennung des Literaturnobelpreises war, desto mehr Erfolg ist ihm auch hinterher vergönnt. „Der Literaturnobelpreis erhöht in jedem Fall die Aufmerksamkeit und erschließt neue Leserkreise“, sagt der Sprecher des Frankfurter S. Fischer Verlags, Martin Spieles.

Durchbruch nicht garantiert

Es gibt allerdings Autoren, die trotz des Preises nicht sehr bekannt werden.“ Die Bücher von Nadine Gordimer etwa, Nobelpreisträgerin von 1991, hätten sich auch schon vorher gut verkauft und nach der Zuerkennung erst recht. Den in Frankreich lebenden Chinesen Gao Xingjian dagegen, Preisträger im vergangenen Jahr, kannte kaum jemand. Unmittelbar nach der Bekanntgabe gab es so gut wie nichts von Gao auf Deutsch. Nur einige wenige Kleinverlage hatten Gao-Ausgaben im Angebot, die jedoch schnell vergriffen waren. Sein Roman „Der Berg der Seele“ soll im November bei Fischer erscheinen. „Ohne den Preis hätten wir das Buch vielleicht nicht gemacht“, räumt Spieles ein. Fischer hat bisher einen Band mit Gao-Erzählungen („Auf dem Meer“) verlegt, der sich immerhin rund 8.500 Mal verkauft hat. Ob Gao mit dem Roman der Durchbruch auf dem deutschen Buchmarkt gelingt, wird sich zeigen.

Nobelpreis steigert die Verkaufszahlen

Unter dem Dach des Frankfurter Suhrkamp Verlags sind gleich elf Nobelpreisträger versammelt. Nach Erfahrung von Verkaufsleiter Ulrich Sonnenberg lassen sich „mit dem Signum Nobelpreis im Rücken“ sowohl früher erschienene Titel als auch die nach dem Preis veröffentlichten Werke langfristig besser verkaufen, Romanautoren wie Octavio Paz (1990) noch besser als Lyriker. Aber auch eine sonst weniger gut verkäufliche polnische Lyrikerin wie Wislawa Szymborska (1996) sei „mit diesem Preis schlichtweg durchgesetzt worden.“ Gingen vorher einige tausend Exemplare über den Buchladentisch, waren es danach „deutlich über 50.000“ Stück.

Buchhändler auf der Lauer

Die Buchhändler liegen daher immer schon auf der Lauer, wenn die schwedische Akademie den Preisträger - oft während der Frankfurter Buchmesse - verkündet. Sie ordern sofort beim Verlag Nachschub, denn die Vorräte der Großhändler sind meist im Nu vergriffen.

Als Grass 1999 den begehrten Preis erhielt, verkaufte der Göttinger Steidl Verlag innerhalb von zweineinhalb Stunden 36.000 Exemplare von „Mein Jahrhundert“, am Morgen danach wieder 70.000 - und so ging es weiter. „Die Großhändler wollten alles, was wir am Lager hatten“, berichtete Gerhard Steidl. Er kam kaum noch mit dem Drucken nach.

Auch für Hanser (München) haben sich die Literaturpreise von Derek Walcott (1992) und Seamus Heaney (1995) gelohnt. Die Erfahrung ist aber auch dort, dass „Lyrik meist einen nicht so lang anhaltenden Erfolg hat“.

Der Rotbuch Verlag in Hamburg hat sofort nach der Nachricht vom Nobelpreis für Dario Fo 1997 die alten Bücher neu aufgelegt, „die alten Auflagen waren nach ein paar Tagen vergriffen“, erzählt Lektor Olaf Irlenkäuser. Toni Morrison (1993) und Jose Saramago (1998) bescherten auch dem Rowohlt Verlag eine „ganz beträchtliche“ Auflagenerhöhung und erhebliche Mehreinnahmen.

Vom Ansturm überrollt

Als Thomas Mann 1929 den Literaturnobelpreis zuerkannt bekam, wurde der S. Fischer Verlag vom Ansturm völlig überrollt. Innerhalb eines Monats druckte Gottfried Bermann Fischer 450.000 Exemplare der „Buddenbrooks“, insgesamt wurden es fast 1,2 Millionen Bände. „Ich weiß nicht mehr, wie viele Druckereien gleichzeitig druckten und wie viele Bindereien (...) nur noch die Buddenbrooks banden“, heißt esin der Verlagschronik. Das hätte Fischer fast an den Rand des Ruins gebracht: Um die Produktion vorfinanzieren zu können, musste er sogar einen Kredit aufnehmen - zum ersten und einzigen Mal.

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