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Auszeichnung Friedenspreis für Schriftsteller Orhan Pamuk

22.06.2005 ·  Orhan Pamuk erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Der türkische Schriftsteller, so die Begründung, habe ein Werk geschaffen, „in dem Europa und die muslimische Türkei zusammenfinden“.

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Der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk erhält dieses Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Das teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Mittwoch in Frankfurt mit.

Die renommierte Auszeichnung wird am 23. Oktober zum Abschluß der Frankfurter Buchmesse verliehen. Das Preisgeld wurde dieses Jahr von 15.000 auf 25.000 Euro aufgestockt.

„Mit Orhan Pamuk wird ein Schriftsteller geehrt, der wie kein anderer Dichter unserer Zeit den historischen Spuren des Westens im Osten und des Ostens im Westen nachgeht“, begründete der Stiftungsrat seine Wahl. Er sei einem Begriff von Kultur verpflichtet, „der ganz auf Wissen und Respekt vor dem anderen gründet“. Pamuk habe ein Werk geschaffen, „in dem Europa und die muslimische Türkei zusammenfinden“.

Anfeindungen von Nationalisten

Der in Istanbul lebende Autor wuchs in einer gutbürgerlichen Familie auf und studierte Architektur sowie Journalismus. Er gilt heute als einer der bedeutendsten Prosaschriftsteller der jüngeren türkischen Generation. Seine Werke wurden bislang in 34 Sprachen übersetzt und in mehr als 100 Ländern veröffentlicht. Auf deutsch sind unter anderem seine Bücher „Die weiße Festung“, „Das schwarze Buch“, „Das neue Leben“ und „Rot ist mein Name“ erschienen.

Von der Kritik hochgelobt wurde zuletzt sein Roman „Schnee“. Die „New York Times“ feierte das Werk als bestes ausländisches Buch 2004. In seinen Romanen verbinde Pamuk „orientalische Erzähltraditionen mit den Stilelementen der westlichen Moderne“, so die Jury. Er entwickele Bilder und Begriffe, die die Gesellschaft in einem nicht eng verstandenen Europa gebrauchen werde.

Einzigartiges Gedächtnis

So eigenwillig das einzigartige Gedächtnis des Autors in die große osmanische Vergangenheit zurückreiche, so unerschrocken greife er die brennende Gegenwart auf, trete für Menschen- und Minderheitenrechte ein und beziehe immer wieder Stellung zu den politischen Problemen seines Landes, heißt es in der Begründung weiter. Seit Pamuk behauptet hat, in der Türkei seien 30.000 Kurden und eine Million Armenier umgebracht worden, sieht er sich Anfeindungen nationalistisch gesinnter Türken ausgesetzt.

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels gehört zu den bedeutendsten Auszeichnungen in Deutschland. Seit 1950 werden mit dem Preis Persönlichkeiten aus dem In- oder Ausland geehrt, die auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen. Im vergangenen Jahr wurde der ungarische Schriftsteller Péter Esterházy ausgezeichnet, 2003 die amerikanische Intellektuelle Susan Sontag.

Mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels hat der in Frankfurt ansässige Börsenverein seit 1950 mehr als 50 Schriftsteller, Philosophen, Wissenschaftler und Politiker ausgezeichnet. Unter den Geehrten waren unter anderem Albert Schweitzer (1951), Hermann Hesse (1955), Carl Friedrich von Weizsäcker (1963), Astrid Lindgren (1978), Yehudi Menuhin (1979) und Vaclav Havel (1989). Nachfolgend die Liste der Preisträger der vergangenen zehn Jahre:

1995 - Annemarie Schimmel, deutsche Orientalistin
1996 - Mario Vargas Llosa, peruanischer Schriftsteller
1997 - Yasar Kemal, türkischer Schriftsteller
1998 - Martin Walser, deutscher Schriftsteller
1999 - Fritz Stern, amerikanischer Historiker
2000 - Assia Djebar, algerische Schriftstellerin und Historikerin
2001 - Jürgen Habermas, deutscher Soziologe und Philosoph
2002 - Chinua Achebe, nigerianischer Schriftsteller
2003 - Susan Sontag, amerikanische Schriftstellerin
2004 - Péter Esterházy, ungarischer Schriftsteller
2005 - Orhan Pamuk, türkischer Schriftsteller

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa/AFP
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