http://www.faz.net/-gqz-72bmk

Auswirkungen von Lärm : Warum tun wir uns das an?

Lärm ist in erster Linie eine physikalische Größe Bild: Kat Menschik

Lärm macht krank. Aber wir tun nicht nur nichts dagegen, wir lassen es zu, dass es überall immer lauter wird. Da hilft nur eines: Wir brauchen ein Lärmbewusstsein.

          Eines Tages wird der Mensch den Lärm ebenso unerbittlich bekämpfen müssen wie die Cholera und die Pest - das hat einst Robert Koch gesagt. Wenn man sich in diesem Land umsieht, dann muss man sagen: Wir sind schon mittendrin in dieser Schlacht. Die Hauptschlachtfelder sind Frankfurt am Main, München, Berlin und das Mittelrheintal. Ein Sieger des Kampfes ist noch lange nicht ausgemacht; im Moment scheint es, als habe der Lärm die Nase vorne. Denn er polarisiert und solidarisiert zugleich, er sticht dort zu, wo es der mobilen Gesellschaft am meisten weh tut, und zeigt unzählig viele Facetten.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Lärm ist nicht gleich Lärm, sondern in erster Linie eine physikalische Größe, eine Schwingung, die sich in einem elastischen Medium ausbreitet. Zum Lärm werden diese Schallwellen erst durch eine subjektive Bewertung. Diese macht Schall zu unerwünschtem Schall, zu einem störenden Geräusch, und das kann fast alles sein - Kindergeschrei, Gartengeräte, Rollkoffer, Vogelgezwitscher, Kirchenglocken, Autoverkehr, Musik oder Flugzeuge. Entscheidend für den Belästigungsgrad ist nicht nur die Lautstärke, sondern auch, wo der Lärm auftritt, wie lange er anhält, wer ihn auslöst und ob man eine Möglichkeit hat, sich vor ihm zu schützen. Nach der Lärmbilanz 2010 des Umweltbundesamtes fühlen sich 55 Prozent der Bevölkerung in Deutschland vom Straßenverkehrslärm gestört, 29 Prozent vom Fluglärm, und 22 Prozent nehmen Schienenverkehr als Belästigung wahr. Dazu kommen Industrie-, Freizeit- und Nachbarschaftslärm. Ruhige Orte gibt es immer weniger in unserer Gesellschaft. Ob am Arbeitsplatz, unterwegs oder in der Wohnung aufgrund von elektrischen Geräten, Mitmenschen und Verkehr - wir sind ständig einem Geräuschpegel ausgesetzt, Tendenz steigend. Warum tun wir uns das an?

          Lärm macht krank

          René Weinandy vom Umweltbundesamt bestätigt, dass „Lärm als Umweltgift noch immer unterbewertet ist“. Nach Angaben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit zeigen erste Ergebnisse der Lärmkartierung von 2007, dass in großen Ballungsräumen und in der Umgebung großer Verkehrswege etwa 2,1 Millionen Bürger durch nächtlichen Straßenverkehrslärm und etwa 1,4 Millionen Anwohner durch Schienenverkehr potentiell gesundheitsgefährdenden Lärmpegeln ausgesetzt sind. Nicht nur, dass es keine bundesweiten und damit vergleichbaren Messungen der Schallpegel unterschiedlichster Schallquellen auf einen Ort gab, sondern auch, dass das Fluglärmgesetz von 1971 erst 2007 novelliert und den veränderten Verkehrsbedingungen angepasst wurde, zeigt, dass die Politik sich für Lärm lange Zeit überhaupt nicht interessiert hat.

          Weitere Themen

          Proteste gegen Stellenabbau bei Siemens Video-Seite öffnen

          Tausende Betroffene : Proteste gegen Stellenabbau bei Siemens

          SPD-Chef Martin Schulz hat nach Bekanntwerden der Siemens-Pläne versprochen, sich für die Angestellten einzusetzen. Am Donnerstagvormittag wandte er sich vor über 2000 Demonstranten in Berlin direkt an den Vorstandsvorsitzenden.

          Schaumschläger oder Visionär? Video-Seite öffnen

          Elon Musk : Schaumschläger oder Visionär?

          Der Tesla-Chef Elon Musk baut nicht nur Elektroautos. Er will den Mars kolonialisieren und das menschliche Gehirn verdrahten. Ein Spruch jagt den nächsten. Nehmen wir ihn doch einmal beim Wort!

          Topmeldungen

          SPD bewegt sich : Große Koalition für Schulz kein Tabu mehr

          Nun soll die SPD-Basis das letzte Wort über eine mögliche dritte große Koalition mit der Union haben. Dies kündigte SPD-Parteichef Martin Schulz an. Auch die Tolerierung einer von Merkel geführten Minderheitsregierung käme als Option in Frage.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.