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Auswanderungswelle Die russische Tragödie

 ·  Sie haben zwei Pässe und damit eine Fluchtmöglichkeit: Viele besser ausgebildete Russen sitzen auf gepackten Koffern. Die Aussicht auf eine Wiederkehr Putins hat ihnen den Glauben an die Zukunft geraubt.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (18)

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Ron van Instetten

@Tom DicknHarry (KFMB) Auslandsberichterstattung dient Erhaltung von Vorurteilen

Nein, ich fürchte, es gibt diese Möglichkeit nicht. Jedenfalls nicht für Auslandskorrespondenten, die von ihrer harten Arbeit auch leben wollen. Denn dafür müssen sie sich nach dem richten, was die Leser/Zuschauer/Zuhörer in der Heimat lesen/sehen/hören wollen. Und das ist nun mal die Bestätigung ihrer Vorurteile. Anscheinend würde ein differenzierter, nicht einseitig negativer Russland-Bericht den deutschen Mediennutzer viel zu sehr verwirren. So scheinen es jedenfalls die Chefs unserer Verlage und sonstigen Medienanstalten zu sehen. Oder haben Sie schon jemals einen positiven Bericht über Afrika, Asien (abgesehen von einigen kapitalistischen Wirtschaftswunderstaaten) oder Lateinamerika gelesen? Ich nicht.
Ich wäre, ebenso wie Sie, an einer vielfältigen, differenzierten Auslands- und insbesondere Russland-Berichterstattung durchaus interessiert. Man hätte ja zum Beispiel mal darauf hinweisen können, dass in Russland z.B. die Todesstrafe nicht mehr vollstreckt wird oder sich die materielle Lage in den letzten zehn Jahren - trotz aller Probleme - immerhin deutlich verbessert hat. Aber viele scheinen an der Ausräumung ihrer Vorurteile nicht interessiert zu sein. Freundschaften vergehen, Feindbilder bleiben bestehen.

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Anton Paschke

1 Euro = 40 Rubel

War vorige Woche in St.Petersburg. Bin bescheiden, manche sagen geizig. Habe es aber nicht fertig gebracht fuer weniger als 300 Rubel mittagessen zu gehen. Im Hotel habe ich 500 Robel/Nacht bezahlt, ohne Fruehstueck. Habe Stelleninserate gelesen: 12 000 Rubel/Monat fuer durchaus qualifizierte Arbeit. Das ist etwa brasilianischer Mindestlohn (fuer Hilfsarbeiter).

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Gerhard Dünnhaupt

@ S.Heimer: "Die Weite des Landes..."

... dient als Entschuldigung für alle russischen Ärgernisse einschließlich miserabler Geburtenziffern und vieler Auswanderer. Mit nur 3 Einwohnern pro Quadratkilometer hat Kanada noch größere Weite und dennoch hohe Geburtenziffern, Lebensstandard, Sozialleistungen und Gesundheitsdienst für jeden genau wie in Deutschland, aber es bedarf strikter Kontrollen, um den Einwandererstrom zu dämmen. An "Weite" liegt's also nicht.

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Volker Spielmann

Auswanderung war aber schon immer etwas für Weichlinge und Memmen

Allenfalls mag es ja gestattet sein wie Äneas bei Vergil aus den Trümmern die Überreste seines Volkes an neue Gestade zu führen, aber dieses jämmerliche Auswandern ist dann doch reichlich albern; und war dies schon immer, sofern man nicht in einen Pflanzstaat seines Vaterlandes übersiedelt, wobei sich selbst für England hier der Ertrag gering ausnimmt; zumal heute sämtliche Staaten des europäischen Kulturkreises mit den selben Übeln zu kämpfen haben: Der erneute Angriff Mohammedanismus in Form von morgenländischer Einwanderung, dem Aufstieg Chinas zur alles beherrschenden Vormacht in der Welt, die verderbliche Vorherrschaft der VS von A und der über sie herrschenden Wirtschaftsmächte, hinzu kommen Rohstoffmangel und Menschenüberschuss; daher hat man überall mit dem selben Unheil zu kämpfen und sollte hier auf die Warnung Schillers hören und zuhause bleiben:
„O lerne fühlen, welches Stamms du bist! Wirf nicht für eiteln Glanz und Flitterschein Die echte Perle deines Wertes hin (…) Die angebornen Bande knüpfe fest, Ans Vaterland, ans teure, schließ dich an, Das halte fest mit deinem ganzen Herzen. Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft, Dort in der fremden Welt stehst du allein, Ein schwankes Rohr, das jeder Sturm zerknickt.“

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Mike Freeman

Nach Israel und USA

das stimmt @Herr Ehrmann, ich arbeite selber in einer Firma wo alle Programmierer russisch-juedischer Abstammung sind. Allerdings wuerde ich behaupten, dass die meisten in die USA sind und nicht nach Israel. Als die UdSSR nach dem Fall der Mauer Versorgungsengpaesse hatte, haben die USA einen Deal in die Wege geleitet: Es wurde der UdSSR billiger Weizen angeboten , dafuer mussten sie die Juden (die aus unverbesserlichem Antisemitismus teilweise diskriminiert wurden) ausreisen lassen. Diese haben dann hier in den USA Fluechtlingsstatus erhalten. Viele wohnen in Brooklyn, Brighton Beach, oder in Philadelphia.

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Hannes Ehrmann

Hab fuer einige Zeit im Ausland ein

...technisches Fach studiert und kenne den "Typ" der russischen Leuten, der im Artikel genannt wird.
Wohne im Moment in einem skandinavischen Land und diesen Leuten wuerde ich persoenlich den roten Teppisch ausrollen um sie hierhin zu locken. Das sind naemlich alles hochgebildete, meisten technisch unglaublich versierte Personen, die eine Bereicherung fuer jedes Land darstellen, dazu auch unglaublich affin mit unserer Kultur.
Beweis: Israel hat in den 90'er Jahren extrem von eben solchen Leuten, die, mit juedischem Hintergrund, dorthin emigriert sind.

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Kacha Macharadse

@ Julia Hertzfeldt (newsru)

Die Autorin könnte gemeint haben, dass die hohen Geburtenraten im Nordkaukasus und die Einwanderung aus Zentralasien die Verluste ausgeglichen hätten.

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Valja Butterbrot

Reichspropagandaministerium läßt grüßen

Offensichtlich erfüllt vom heftigen Mitgefühl mit dem großen Leiden der Russen, hat die FAZ-Reportering (die "aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion über Kultur im weitesten Sinn berichtet") dem deutschen Leser nun DIE russische Tragödie erklärt. In einer bunten Ansammlung von kaum zusammenhängenden Äußerungen, Postulaten, dubiosen Zitaten ist ein Text entstanden, der sich zu irgendwelchen "Diagnosen" für die "des Glaubens in die Zukunft beraubte", "(auch) qualitativ degradierte" russische Bevölkerung anmaßt und die des Russen Tragödie darin bestehen läßt, dass Europa Russland nie akzeptieren wird... Na ja, Hauptsache: Putin ist schlecht. Und jeder andere wird schlecht sein. Solange Rußland nicht auf den Knien steht.
Ich kenne etliche Russen, die nach Jahren des Lebens in Deutschland nach Russland zurückkehren - weg aus dem verlogenen, heuchlerischen Sumpf, der Welt der Arroganz.

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Kacha Macharadse

@ Sven Gralla (kirsch-banane)

Es war wahrscheinlich Auslandspass gemeint. Da einige Länder, bspw. Türkei, das Visumspflicht mit Russland abgeschafft haben, können die Besitzer des Auslandspasses dann ausreisen, wenn sie eine entsprechende Entscheidung treffen. Freilich kommt eine solche Möglichkeit eher für wohlhabende Menschen in Frage, denn auch im Ausland wird nichts geschenkt.

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Daniel Grün

@Sven Gralla

Nana, nicht zu tief graben. aus Russland haut natürlich eine bestimmte Klientel ab die sich eh nicht wirklich als Russen sieht sondern gerne International agiert und dahin geht wo Ihre wahre Heimat ist oder dahin wo es was ab zu schöpfen gibt. Putin hat sich internationale Feinde geschaffen als er den Nationalen ausverkauf gestopt hat. Danach wa Russland auch nicht mehr der neue Freund des "Westens"(Kapital) sondern wieder ein Land wo man irgendwie intervenieren muss um eine "Demokratie" zu schaffen. Der "Vorteil" der demokratie ist das alles verscherbelt werden kann was dem Volk gehört und die neuen Besitzer das Land ausqutschen bis aufs Blut.

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Karl Ziersch
Karl Ziersch (KFMB) - 12.07.2011 13:08 Uhr

Was immer wir aus Russland auch hören,

es ist immer schlecht oder mit einem negativen Grundton. Ich kann mich an keinen Zeitungsartikel erinnern, in dem Russland in einem größeren Bild dargestellt wurde. Immer wieder kommen diese Bruchstücke über das scheinbar "zurückgebliebene" Russland.
Gibt es überhaupt die Möglichkeit, diese grundnegative Haltung nicht zu teilen?

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Mike Freeman

2 Paesse

Nicht ganz klar was mit diesem zweiten Pass gemeint ist. Es gibt in Russland einen Pass fuers Inland, quasi ein Ausweis, schaut aber aus wie ein Reisepass, und dann gibt es eben noch den eigentlichen Reisepass um ins Ausland zu reisen. Freilich ist dies noch keine Einreise- geschweige denn Aufenthaltsgenehmigung fuer Westeuropa ....

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Sabine Heimer
Sabine Heimer (SabHeim) - 12.07.2011 12:31 Uhr

russische Tragödien

Für mich, von außen, ist die russische Tragödie, dass das Land flächenmäßig zu groß ist. Auch wenn ich die USA sonst in keiner Weise für ein Vorbild halte: eine Zersplitterung in viele halb-autonome kleine Bundesstaaten hätte Russland gut getan. Die Bevölkerung hätte mehr Rechte, die Macht wäre dezentralisiert.
Die zweite russische Tragödie ist für mich der Ressourcen-Reichtum des Landes. Mir ist kein Bodenschatz-reiches Land bekannt, in dem die Einkommensschere nicht dramatisch weit geöffnet ist (einschließlich USA). Wenig machtbesessene Fanatiker (einschließlich Putin) reißen dann immer alles an sich. Denn: Bodenschätze = Drecksarbeit für viele und Reichtum für wenige, die nichts dafür tun müssen - außer skrupellos und bösartig zu sein (und werden dafür noch frech von Ihresgleichen gelobt/ entschuldigt, siehe Schröder/ Fischer).
Ich sehe von außen auch keine Lösung für das Land, es wird vermutlich eher eine Angleichung Europas an Russland geben, als anders herum. Die Eurokraten mit ihren Zentralisierungsfantasien arbeiten jedenfalls daran. Wollen wir hoffen, dass vorher der Euro floppt und ihnen das Geld ausgeht.

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Thomas Berger
Thomas Berger (tberger) - 12.07.2011 12:24 Uhr

Stimmt schon

Meine Frau ist promovierte Kinderärztin. In Russland hätte sie vielleicht 500 Euro im Monat verdient; Ärzte kommen dort nur über die Runden, indem sie Krankschreibungen für 5-10 Euro verkaufen. Die einzige und schon fast sprichwörtliche Zukunftsaussicht für die meisten Russen ist, Mobiltelefone zu verkaufen. Inwieweit das aber ohne Putin besser ginge, erscheint mir fraglich.
Übrigens: "Dadurch [nämlich durch die Zuwanderung aus dem Kaukasus] wird die Bevölkerung auch qualitativ degradiert." Autsch - darf ich das so wörtlich mal im Zusammenhang mit der demographischen Frage in Deutschland zitieren?

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Irina Savelyeva
Julia Hertzfeldt (newsru) - 12.07.2011 11:37 Uhr

Eine Geographiefrage

"Die Volkszählung vom vergangenen Jahr ergab zwar, dass das Land in den vergangenen acht Jahren nur gut zwei Millionen oder anderthalb Prozent seiner Einwohner verloren hat - weniger als befürchtet, weil Einwanderer aus Zentralasien und dem Nordkaukasus die Verluste ausgeglichen hatten."
Vielleicht nicht aus dem Nord-, sondern aus dem Südkaukasus? Der Nordkaukasus gehört sowieso zu Russland.

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Sven Gralla

Zweit-Pass

Jetzt hätte der Autor nur noch erklären müssen, woher soviele Russen einen zweiten Pass haben. Gibt es den im Supermarkt?

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Michael Meier
Michael Meier (never1) - 12.07.2011 10:12 Uhr

Besser Russen als Kleinasiaten...

... ein wesentlicher Teil von denen schafft es, in Lohn und Brot zu kommen. Woher allerdings so viele heiratswillige russische Frauen in D kommen, das mag wohl besser mancher BEamte in den Konsularabteilungen wissen.

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Gabor von Zoltan

Hauptsache Schröder hält zu ihm.

Wenigstens der hält dem armen Putin die Stange.
Dem muss ja schon Angst und Bange werden; ganz alleine mit seinem Bürokratenapparat, der Armee, dem Geheimdienst, den "Naschi" und all den Einwanderern aus dem Kaukasus, die er grad noch das Klo runterspülen wollte.
Na, liebe Politiker des Westens? Hat es nun geholfen, von Anfang an bloss weg zu gucken, als es mit Rechtsstaatlichkeit und Zivilgesellschaft den Bach runter ging? Müssen wir uns nicht schon mit genug Chaos herumschlagen, das uns Moskau hinterlassen hat? - Afghanistan z.B. hätte ohne die Invasion 79 noch bis heute ein blühendes Land bleiben können. Man wagt die Russen noch nicht einmal an eine moralische Verpflichtung zum Wiederaufräumen zu mahnen!
Ein Land voll märchenhaftem Reichtum - den Bodenschätzen - wird schulterzuckend einer vollkommen ruchlosen Clique überlassen und kein Schwein hat´s gekümmert. Im Gegenteil: Die Rohstoffe müssen sogar noch als Grund herhalten, DASS es ihnen schlecht geht! Weil Öl und Gas immer gleich zu Korruption führen müssten; da könne man gar nichts machen.
Nur gut, dass Norwegen das noch nicht mitgekriegt hat.
Auf jenes Niveau hin könnten sich die Russen eigentlich entwickeln. Wenn sie denn wollten. Vertrauter ist ihnen aber die Knute.

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Jahrgang 1958, Feuilletonkorrespondentin in Moskau.

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