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Auswärtige Kultur Goethe bleibt in Kopenhagen, aber wie?

19.04.2006 ·  Noch vor zwei Wochen sicherte Außenminister Steinmeier in Kopenhagen zu, das Goethe-Institut dort werde ebenso wie „die Qualität der Arbeit“ erhalten bleiben. Wie aber soll das gehen bei einer Halbierung der Räumlichkeiten und der Mittel?

Von Robert von Lucius, Stockholm
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Ist dies nur ein undurchdachtes Vorgehen oder ein besonders raffinierter Plan? Goethe-Institute, zunächst in Kopenhagen, bald im ganzen Europa werden zerrieben dank gemeinsamen Einsatzes von Haushaltspolitikern, die das Budget des Bundes ohne Rücksicht auf die politischen Kosten ausgleichen wollen, Bürokraten, denen Einfühlungsvermögen in das Denken unserer Nachbarn ebenso fehlt wie langfristiges Denken, und Theoretikern, die vermeintliche globale Zusammenhänge und Friedensmissionen in fernen Ländern brennender interessieren als das Naheliegende und Bewährte. Gespräche in Berlin und München in den nächsten acht Wochen entscheiden darüber, welche Rolle die deutsche auswärtige Kulturpolitik allgemein und die Goethe-Institute konkret in Europa noch werden spielen können.

Sicher ist, daß das Institut in Kopenhagen um die Hälfte schrumpft. Es besteht zwar weiter und erhält im Herbst einen neuen Leiter, verliert aber die Versammlungsräume und die Bibliothek, wird also nahezu nur noch ein „Büro-Institut“ sein. Ungewiß ist, ob das ein Einzelfall bleibt oder, und darauf deutet vieles, ein Abzug in Raten und ein Menetekel für die deutsche Kulturpolitik zunächst in Westeuropa und mittelfristig auch im Osten.

Kurzsichtiges Vorgehen

Ein Auftritt von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier vor dem Bundestagsunterausschuß für auswärtige Kulturpolitik Mitte Mai soll mehr Klarheit bringen. Noch vor zwei Wochen sicherte er in Kopenhagen zu, das Goethe-Institut dort werde ebenso wie „die Qualität der Arbeit“ erhalten bleiben. Damit ist es Steinmeier offenkundig ernst, wie sein Gespräch mit den Vertretern der deutschen Minderheit in Dänemark zeigte; er war in den wenigen Monaten seiner Amtszeit öfter in Nordeuropa als sein Vorgänger in sieben Jahren - und gut vorbereitet. Wie aber soll seine Zusage zu erfüllen sein bei einer Halbierung der Räumlichkeiten und der Mittel?

Das kurzsichtige Vorgehen in der auswärtigen Kulturpolitik wird sichtbar nicht nur in Kopenhagen. Europäische Nachbarn füllen die sprach- und kulturpolitische Lücke gerade in kleineren Ländern, die über Jahrzehnte hinweg auf deutsche Kultur ausgerichtet waren. Sichtbar wurde das zunächst in ehemals deutschen afrikanischen Kolonien wie Tansania und Namibia, wo die Franzosen zur gleichen Zeit, da das Goethe-Institut abbaute, kraftvoll aufstockten. Eine ebenso expansive Sprach- und Kulturförderung betreiben die Spanier, parallel mit dem deutschen Rückzug.

Nächstes Ziel der Sparpolitik könnten deutsche Auslandsschulen sein. Die Deutsche Schule Helsinki ist die älteste Privatschule Finnlands. Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber, der sie am morgigen Freitag besucht, wird dort hören, daß unter ihren Altschülern nicht nur Politiker sind und der derzeitige finnische Botschafter in Berlin, sondern auch viele Ingenieure und Geschäftsführer großer Firmen. Nicht zuletzt ihre Sprachkunde bewegt sie, Maschinen beim größten Handelspartner Deutschland zu kaufen. Es geht also auch um die deutsche Wirtschaft: Zumindest das sollte den Geldkürzern zu denken geben.

Quelle: F.A.Z., 20.04.2006, Nr. 92 / Seite 33
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