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Ausstellung : Wunsch und Wirklichkeit, "Szenenwechsel" in Frankfurt

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Rosemarie Trockel „Es gibt kein unglücklicheres Wesen...”, 1991, zu Gast in Frankfurt Bild: Emanuel Hoffmann-Stiftung, Basel

Seit zehn Jahren lockt Jean-Christophe Amman zweimal im Jahr das Kunstpublikum zu „Szenenwechsel“ nach Frankfurt. Melancholisch kündigt sich Abschied an.

          Auf das gegenwartsbezogene Denken kommt es Jean-Christophe Ammann in der Kunst an. Welcher Generation die Künstler angehören ist für ihn weniger wichtig.

          So äußerte sich der zum Ende 2001 scheidende Direktor des Frankfurter Museums für Moderne Kunst jedenfalls vor zehn Jahren, als er das inzwischen berühmte „Tortenstück“ eröffnete. Gegründet von Peter Iden, gebaut von Hans Hollein und bestückt mit einem angekauften Konvolut Pop-Art-Kunst aus der Sammlung Karl Ströher, übernahm der Schweizer Ammann bereits 1987 die Verantwortung für das neue Museum. Seit zehn Jahren zeigt nun regelmäßig und mit konsequenter Haltung, zweimal jährlich seine „Szenenwechsel“. An diesem letzten Märzwochenende wurde der 19. Streich vorgestellt.

          Sinnlichkeit bis Politisch

          Und wieder wird die deutliche Handschrift Ammans deutlich: viel Sinnliches mit erotischen Einschlag, Politisches und Überraschend aktuelles aus längst vergangenen Pop-Art-Zeiten ist zu sehen. So packten die Museumsleute nach langer Zeit einmal wieder den „1.Werksatz“ von Franz Erhard Walter aus. Er gehört zum „Urbestand“ der Sammlung Ströher und lag lange im Depot. Walter hat zwischen 1963 und 1969 52 Objekte unterschiedlicher Größe aus Stoff gefertigt, die vom Publikum benutzt werden können und immer noch Spaß machen. Der spitz zulaufende Ausstellungsraum, den Walter allein besetzt, wirkt aber vor allem deshalb so erfrischend, weil an den Wänden 40 Jahre alte typografische Sudien zu sehen sind, die heutige Werbestrategien in die historische Ecke verweisen.

          Auch bei diesem „Szenenwechsel“ kommt Amman ohne Videogeflimmer aus. In der Eingangshalle hängen Bildcollagen von John Baldessari. Der Kalifornier hat Filmausschnitte mit Gemäldestücken Goyas kombiniert. Erworben werden konnte eine zweite Werkgruppe von Katja Ullmann: Auf einem Podest liegen „Wollskulpturen“ die bunten Ostereiern mit Samtbezug gleichen. Ullmann stellt sie nach dem Prinzip der Wollmützen-Bommel her und formt sie mit der Schere. Reicht für Gänsehaut. Deplaziert wirken dagegen einige afghanische Bildteppiche, auf denen sich der andauernde Bürgerkrieg in Panzermotiven niederschlägt. Kunsthandwerk, das in dem Handel kommt und wie merkwürdiges Kriegsouvenir wirkt.

          Aseptisch bis verrottet

          Der Amerikaner Robert Gober, der auf der Biennale von Venedig in diesem Jahr die Vereinigten Staaten vertreten wird, hat einige Leihgaben beigesteuert um einen Raum zu bestücken, in dem er mit dem Belgier Luc Tuymans in einen überzeugenden Dialog gerät. Beide Künstler verstehen es auf ihre Weise das Aseptische unserer auf äußere Selbstreinigung fixierten Gesellschaft subtil auszudrücken. Luc Tuymans Bild „Shower“ konnte mit Hilfe mehrerer Sponsoren erworben werden.

          In einem kleinen Ausstellungskämmerchen sind Zeichnungen von Ilya Kabakov zu sehen, die der russische Künstler dem Museum geschenkt hat. An anderer Stelle sieht man hoch oben in einem Zimmereck Fotografien von Günther Förg „Architektur aus Moskau“. Es sind mahnende Bilder verwahrloster Bauhausarchitektur in der russischen Hauptstadt. Ebenfalls eine großzügiges Geschenk des Künstlers.

          Erotisch bis Ironisch

          Mit rokokohafter Leichtigkeit scheint Michael Kalmbach sich in seinen Aquarellen in Engelchen verliebt zu haben. Bei genauem Hinschauen sieht man, dass der Künstler von Spritzern auf dem Papier ausgeht, um sinnlich-erotische Schweinereien zu entwickeln, die aber eigentlich nur an den eigentlichen Auftrag der Eroten erinnern.

          Der Starauftritt gelingt Andreas Gursky. Der Düsseldorfer Fotograf hat eine Reihe monumentaler Fotografien ausgeliehen, mit denen nun ein ganzer Raum bestückt wurde. Leider sind die Preise für Gurskys Bilder explodiert, bevor das Museum sie erwerben konnte. Ein Wunschraum also, wie jener gleich nebenan, in dem zwei Ensembles von Rosemarie Trockel neu vorgestellt werden: Eine blonde Robbe, die kopfüber wie ein geschlachtetes Vieh von der Decke hängt als Leihgabe aus Basel. Und eine Vitrine mit Schöpflöffeln in Form von Venusmuscheln. Beides deutliche Hinweise auf die „eigentlichen“ Aufgaben der Frau als Hausfrau und erotisches Mutterwesen.

          Dieser 19. Szenenwechsel ist gediegen, fast konservativ. Positiv gewendet macht er deutlich, dass es immer noch Künstler gibt, die über viele Jahre hin ernsthaft an geschlossenen Werkideen arbeiten und sich nicht den Moden einer flüchtigen Gegenwart zu ergeben.

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