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Mode aus dem 14. Jahrhundert : Der Stoff, aus dem die Bilder sind

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Bei den Vorläufern von Prada und Co: Eine Ausstellung in Florenz widmet sich dem Netzwerk von Luxusmode, Textilproduktion und Malerei im vierzehnten Jahrhundert.

          Der Florentiner Notar will partout nicht. Seine Tochter Agnola bettelt um eine golddurchwirkte Robe, doch er steht in staatlichen Diensten, und sein Auftrag ist die Bekämpfung luxuriöser Kleidung, weil sie die Sitten verdirbt. Während seine Mitbürger sich in modischer Extravaganz ergehen, kommt der schwarze Tod über Florenz, ein anschwellender Regen aus weißen Strichen nimmt die Sicht auf die Stadt, ihre Bewohner, ihre Stoffe.

          Die Striche stammen von dem Mädchen, das die Schilderung mit immer wilderem Traktieren ihres Malblocks begleitet. Simultan gehen sie über Florenz nieder, so zahlreich, dass schließlich nur noch weiße Fläche übrig bleibt, dazu hört man eine Stimme, die ein Manuskript des vierzehnten Jahrhunderts vorliest.

          All dies ist in diesen Tagen in einer Videoinstallation in der Galleria dell’Accademia zu sehen, deren animierte Protagonisten ausnahmslos Gemälden des toskanischen Spätmittelalters entnommen sind. Dass die weißen Striche am Ende des kleinen Films eine Art Stoffwerdung der Leinwand ergeben, passt gut zum Thema der Ausstellung „Stoff und Reichtum im Florenz des Trecento“.

          Die Pest half Florenz zu großem Wirtschaftswachstum

          Die Pest war für die Florentiner Textilindustrie alles andere als ein Ende. Nach 1348 war die Stadtbevölkerung zwar um die Hälfte dezimiert, aber in den Händen der Überlebenden befand sich ein enormes Kapital. So wurde die Seuche zum Geburtshelfer des größten Wirtschaftsaufschwungs, den Florenz je erlebt hat. Seine Träger: die Tuchhändler, die Seidenwirker, die Wollweber. Erst dann folgten die Bankiers. Der Goldflorin wurde zur europäischen Leitwährung dank der verlässlichen Qualität der Florentiner Tuche.

          Greifbar wird die Qualitätssicherung in den originalen Statuten der Woll- und Seidenzunft aus dem vierzehnten Jahrhundert. Wie akribisch sie befolgt wurden, zeigen die daneben ausgestellten Briefe von Francesco Datini, einem in Prato ansässigen Woll- und Tuchhändler. Seine genauen Beschreibungen von Beschaffenheit und Farben konnten an den beigelegten Stoffmustern überprüft werden.

          Vollständige Gewänder haben sich dagegen praktisch keine erhalten, Kleidung ist fast so vergänglich wie die Mode. So sind es die Maler, die uns das genaueste Bild von den Stoffen der Zeit vermitteln. Deren Wiedergabe wurde seit dem zweiten Drittel des vierzehnten Jahrhunderts zu einem prägenden Charakteristikum der Florentiner Malerei. In dieser Hinsicht mussten die Künstler ihre Phantasie nicht sonderlich anstrengen, denn sie konnten aus einer schier grenzenlosen Formenfülle schöpfen.

          Begehrt waren zunächst die geometrischen Muster, die seit dem zwölften Jahrhundert aus dem östlichen Mittelmeerraum und dem islamischen Spanien importiert wurden. Mit ihren relativ einfachen Strukturen waren sie die frühesten textilen Modelle, die in die künstlerische Darstellung von Gewändern übertragen wurden. Um 1285 hat der Maler des Kruzifixes aus San Giorgio alla Costa unter den Armen Jesu ein solches Tuch ausgespannt, aber noch fünfzig Jahre später halten die Engel in Giovanni Baronzios Taufe Christi die arabischen Stoffe wie die Auslage eines Tuchhändlers. Hier wie überall in der Ausstellung können originale Textilien mit ihren Übersetzungen ins Bild verglichen werden.

          Orientalische Stoffe wurden zu einem wichtigen Luxusartikel

          Seit der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts gelangten zunehmend orientalische Stoffe, „tartarische Tücher“ genannt, in den italienischen Handel und wurden zu einem wichtigen Luxusartikel. Wie an dem funkelnden Leichentuch des 1329 verstorbenen Cangrande della Scala vereinigten sie naturhaft vegetabile Motive des Fernen Ostens, persische Ornamentik und die Phantasiewesen der zentralasiatischen Steppenkunst. Und sie waren eine unerschöpfliche Quelle für die florentinische Textilindustrie, die sich bald auf die perfekte Nachahmung verstand.

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