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Ausstellung in New York : Ein lukratives Miau

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An Katzenbildern und Katzenvideos führt im Netz kein Weg vorbei. Im New Yorker Museum of the Moving Image erklärt eine Ausstellung, warum das so ist.

          Wenn gar nichts mehr geht, gehen immer noch Katzen. Das ist die Faustregel von Internetportalen wie Buzzfeed, Reddit und Tumblr, die durch Katzenvideos jeden Tag Millionen von Klicks, Dollar und gute Laune generieren. Dabei ist das Phänomen gar nicht mal so neu: Bereits vor der Erfindung des Internets waren die süßen, kuscheligen Vierbeiner ein Erfolgsgarant, etwa auf Kalendern, Zeitschriften und Büchern.

          Daran erinnert der Illustrator Wieslaw Smetek und erklärt im Gespräch mit dieser Zeitung, dass sein erfolgreichstes Cover für den „Stern“ ein Bild von einer fetten Katze war, die er 1994 auf der Titelseite des Magazins als vogelfressende Bestie zeigte. Die dazugehörige Reportage „Killer auf Samtpfoten“ beschrieb zwar die Gefahren durch Katzen für deutsche Vogelarten, doch war der Inhalt für die „Stern“-Leser kein Grund, dem Titelmotiv zu widerstehen: Das Heft verkaufte sich wie verrückt. Schon in den neunziger Jahren haben Medienmacher verstanden, dass Katzenmotive (ähnlich wie provokative Hitler- oder laszive Frauenbilder) den Verkauf journalistischer Erzeugnisse befördern. Aber wie kommt der Effekt zustande? Smetek ist ratlos: „Aus irgendeinem Grund fühlen sich viele Menschen durch Katzen angezogen. Keine Ahnung, warum.“

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          Das Phänomen Katzenvideo

          Katzenvideos nerven die einen, begeistern die anderen und machen gewöhnliche Katzen zu Stars. Grund genug für das „Museum of the Moving Image“ in New York, das Thema in einer eigenen Schau zu behandeln: Die Ausstellung „How Cats took over the Internet“ zeigt nicht nur die Geschichte des Katzenvideos und die prominentesten Katzen aus dem Netz, sondern versucht auch das Phänomen mit Verweis auf wissenschaftliche Studien zu erklären.

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          Klar ist, dass mit Youtube alles anfing: Der Mitbegründer Steve Chen hat seine Katze gefilmt, ins Internet gestellt und dabei zugeguckt, wie die Klickzahlen seines Portals durch die Decke schossen. Seitdem jagt ein Katzenphänomen das nächste: Zu Beginn des Jahrtausends waren es „Katzen, die so aussehen wie Hitler“. Dann kamen die „Grumpy Cats“ – mies dreinblickende Kater, unter deren Schnauzen Internetnutzer die verrücktesten Sprüche erstellten, um sich über unglückliche Alltagssituationen lustig zu machen. 2011 kam dann der Zenit des Hypes, als ein verstörendes, süchtig machendes Video der „Nyan Cat“ im Internet kursierte: Es zeigt eine Comic-Katze, die in Begleitung von nervtötender Musik durch die Gegend fliegt – und das 600 Minuten lang in Schleife. Ist das noch Unterhaltung oder schon Folter? Es kommt auf die Katzenliebe an.

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          Der Interneterfolg der Haustiere ist ungebrochen. 2012 wurde das erste Videofestival in Minneapolis gegründet, das Youtube-Clips von Katzen in kuriosen Situationen zeigt: wie sie mit Toastbrotscheiben auf dem Kopf durch die Welt flanieren („Catbreading“), in Wohnzimmern lustig stolpern oder gegen Fensterscheiben springen. So haben auch Reddit und Buzzfeed das Phänomen für sich entdeckt und verdienen durch jeden Katzenklick kräftig mit. In anderen Ländern, das erklärt die Schau übrigens auch, sind nicht Katzen die populärsten Klicktiere, sondern Bären (wie in Russland), Ziegen (wie in Indien) oder Vögel (wie in Iran).

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          Woher kommt nun aber der Erfolg? Warum können Katzenvideos, zumindest in Deutschland, mehr Klicks generieren als seriöser Journalismus? Der Kurator und Ausstellungsmacher Jason Eppink präsentiert einige interessante Theorien. Erste Hypothese: Die Arbeitswelt am Bildschirm erlaube heutzutage keine konzentrierte Lektüre mehr, daher sei das Katzenvideo die perfekte Alternative für die Ablenkung zwischendurch. Zweite Hypothese: Reale Katzen machten Menschen erwiesenermaßen glücklich. Sie meckern nicht, schmusen gern, lassen sich streicheln und verbreiten gute Laune. Das Katzenvideo simuliert diesen Effekt und weiß den Betrachter von der bitteren Realität abzulenken. Kurzum: Katzen sind unterhaltsamer und leichter zugänglich als eine Reportage über den IS oder den NSA-Skandal. Und die dritte, gewagteste Hypothese: Anders als Hundebesitzer, die sich regelmäßig bei Spaziergängen treffen und sich über ihr Hobby austauschen können, sind Katzenfreunde auf die digitale Welt angewiesen, um zu kommunizieren. Im Internet bringen die als Stubenhocker verschrienen Katzenfreunde ihre Liebe ungebremst zum Ausdruck.

          In New York hingegen könnte dieser Rückzug ins Digitale bald Vergangenheit sein: In diesem Monat hat das erste offizielle Katzencafé in der Lower East Side eröffnet. Im „Koneko Cat Cafe“ sind sowohl Katzen als auch Menschen herzlich willkommen und können hier arbeiten, spielen, Kaffee trinken und mit anderen ins Gespräch kommen. Doch keine Angst: Dass damit die allmähliche Abschaffung des Katzenvideos droht, scheint ausgeschlossen.

          Die Ausstellung How Cats took over the Internet ist bis zum 31. Januar 2016 zu sehen.

          Quelle: F.A.Z.

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