31.05.2001 · Dennis Hopper ist ein Star, der Grenzerfahrungen liebte. Der auch mit dem Tod spielte. Wien zeigt seine künstlerischen Arbeiten.
Von Sabine B. VogelMit 18 Jahren erhielt Dennis Hopper seine erste kleine Filmrolle in einer amerikanischen Serie. Seither spielte er in mehr als 100 Filmen. Aber Hopper ist nicht nur Schauspieler. Angeregt von James Dean, den er in seinem zweiten Film in "Rebel without a cause" kennenlernte, begann er bereits Ende der 50er-Jahre zu fotografieren. Seine Werke sind in der eben eröffneten Retrospektive im „Museum für Angewandte Kunst“ in Wien zu sehen.
1969 dreht Hopper mit "Easy Rider" seinen ersten eigenen Film, der noch heute für das Lebensgefühl einer Generation steht, für Exzessivität, einer Sehnsucht nach Freiheit, verbunden mit Drogenerfahrungen und ausgesprochener Unangepasstheit - ein Image, das Hopper nicht nur als Schauspieler und Regisseur, sondern auch in seinen Kunstwerken und in seinem Leben inszenierte. Das brachte ihm gleichermaßen Anerkennung und Ablehnung ein.
Explosiv
Ein unglaublich beeindruckendes Bild dieser Grenzüberschreitungen vermittelt das zentrale Werk "After Life on Canvas" von 1983. Es besteht aus zwei Fotografien und einer Filmprojektion: Hopper sitzt inmitten eines Kreises aus Dynamit, das explodiert. Rauch steigt auf. Das Publikum grölt. Hopper überlebt.
Aber Hoppers Exzessivität lebt nicht nur aus dem Spiel mit dem Tod. Es ist ein komplexes Universum, das sich erstmals in seiner vollen Breite sowohl thematisch wie formal in der Wiener Ausstellung auftut. Anders als in Hoppers Retrospektive in Amsterdam finden hier in Wien die Filme und Kunstwerke zusammen und lassen spannende Verbindungen aufscheinen.
In Wien laufen täglich seine drei Filme "Easy Rider", "Last Movie" (1971) und "Out of the Blue" (1982) - Filme, die Drogenerfahrungen im Hollywoodformat publik machten, die aber vor allem experimentelle, künstlerische Überlegungen mit einer eigentümlichen Faszination von Gewalt und existentiellen Abgründen verbinden.
Gerissen
In "Last Movie" setzte Hopper diese Bilder derartig überwältigend in Szene, dass der Film nie in einen offiziellen Vertrieb kam und daher fast unbekannt blieb. Diese Kombination findet sich auch in seinen künstlerischen Werken, in den brutal gerissenen und überkritzelten "Torn Poster" aus den 60er-Jahren, in der Kombination einer so bearbeiteten Frauenzeichnung, die mit leeren Kleenex-Packungen kombiniert eine deutlich sexuelle Aufladung erhält ("After The Fall", 1961-64) oder in der Kombination von unscharfen Momentaufnahmen aus seinem Film "Colours", die Hopper mit Graffiti-ähnlicher Malerei verbindet.
"Colours" entstand übrigens nach seiner radikalen Entziehungskur in den 80er-Jahren und zeigt seinen Weg von nach innen gerichteten Grenzerfahrungen auf gesellschaftliche Rassen- und Bandenkonflikte.
Die Ausstellung beginnt mit einer Filmkulisse, die deutlich daran erinnert, dass Hopper nie im Mikrokosmos der Avantgardekunst lebte, sondern in der kommerziellen Welt Hollywoods - und genau dort für ein Millionenpublikum seine nachhaltigen Grenzgänge beschritt, die jetzt endlich, in seinem 65. Lebensjahr, Eingang in die Museen gefunden haben.