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Ausstellung : Bernsteinzimmer entsteht in Essen neu: virtuell

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Das „virtuelle Bernsteinzimmer” Bild: rwe/artemedia

Einst galt das Bernsteinzimmer als achtes Weltwunder. Dann verschwand es spurlos. Nun kann man es in Essen virtuell besichtigen.

          Eine dreidimensionale Computer-Rekonstruktion des legendären Bernsteinzimmers, dessen bis heute verschollenes Original von der deutschen Wehrmacht 1941 bei St. Petersburg geraubt worden war, ist ab diesem Samstag in Essen zu sehen.

          „Das vielleicht berühmteste Zimmer der Welt ist damit erstmals seit seinem Verschwinden wieder vollständig erlebbar“, erklärte am Freitag ein Sprecher der Essener Ruhrgas AG. Die Gasgesellschaft sponsert derzeit mit rund sieben Millionen Mark die exakte Wiederherstellung des Bernsteinzimmers, das 2003 im Katharinenschloss von Zarskoje Selo vollendet sein soll.

          Virtuelles Bernsteinzimmer

          Ein begehbares Computermodell aus vielen Millionen elektronischen Daten, das auf vier Leinwände projiziert wird, bildet im Essener Ausstellungszentrum Cube die kostbaren Bernsteinvertäfelungen exakt und scheinbar plastisch nach. Es wurde von einem Spezialunternehmen für 3-D-Visualisierungen in Potsdam-Babelsberg geschaffen.

          Ein besonderes Problem sei dabei die Vielfarbigkeit der zwischen Honiggelb und Dunkelbraun schimmernden ungezählten Bernsteinplättchen gewesen, sagte der Sprecher. Per Joystick kann der Besucher bis zum 15. September drei Mal täglich sogar durch den „historischen“ Raum schweben und dabei gleichsam aus der Perspektive einer Fliege das mit Möbeln, Konsolen und einer kleinen Standuhr in den Zustand von 1760 ersetzte Kabinett begutachten.

          Allein die Computer-Rekonstruktion einer einzigen der zahlreichen Putten, die sich jeweils aus 16 000 kleinsten Oberflächen elektronisch zusammensetzt, habe von dem Potsdamer Unternehmen zwei Wochen Arbeit erfordert. Insgesamt brauchten die 10 Spezialisten nach Angaben einer Firmensprecherin rund vier Monate zur Herstellung eines ersten Gitterwerks als Modellierung, das dann 120 verschiedene Oberflächen erhielt. Grundlage waren gezeichnete Wandansichten und über 200 Farbfotografien des historischen Originals, die den Krieg überdauert haben.

          Achtes Weltwunder

          Das Bernsteinzimmer war 1716 vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) dem russischen Zaren Peter I. geschenkt worden. Als „Achtes Weltwunder“ war es über 200 Jahre lang Zierde der Zarenschlösser nahe Petersburg. Russische Experten hatten vor Jahrzehnten den Nachbau des Kulturdenkmals aus Ostsee-Bernstein begonnen, aber aus Geldmangel die Rekonstruktion beinahe einstellen müssen.

          Mittlerweile ist das barocke Kabinett, nach dessen Original selbst Geheimdienste erfolglos gesucht haben, zu etwa zwei Dritteln neu erstanden.

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