Home
http://www.faz.net/-gqz-7b4k2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Ausgrabungen in Lumbini Die Wurzeln des Buddha

Neue Grabungen am Geburtsort des Religionsstifters: In Lumbini sind Archäologen auf die Spuren eines Tempels aus der Zeit unmittelbar nach Buddhas Leben gestoßen.

© Rose-Maria Gropp Im Jahr 623 vor Christus wurde der spätere Buddha geboren. Diese nepalische Statue des Prinzen in Meditationshaltung stammt aus dem 12. Jahrhundert.

In der Stadt Lumbini im Tiefland Nepals, direkt an der Grenze zu Indien, wurde von Maya Devi jener Siddhartha Gaudama geboren, der später Buddha, der Religionsstifter, sein wird. Sein Geburtsjahr ist 623 vor Christus. Nach seiner Mutter heißt der große weiße, festungsartige Bau in Lumbini, über dem die alles sehenden Augen Buddhas in die vier Himmelsrichtungen blicken. Im Innern des Maya-Devi-Tempels, der heute die historischen Mauern und Überreste früherer heiliger Anlagen schützt, bezeichnet eine Steinplatte den genauen Ort, an dem Buddha zur Welt gekommen sein soll. Neben dem Tempel ragt eine Säule, die der indische Herrscher Ashoka im Jahr 249 vor Christus errichten ließ. Eine Inschrift auf der Ashoka-Säule bezeugt, das eben dort der Geburtsort Buddhas liegt.

25100928 © Rose-Maria Gropp Vergrößern Die Säule errichtete der indische Herrscher Ashoka 249 vor Christus in Lumbini, um Buddhas Geburtsort zu markieren.

Rose-Maria Gropp Folgen:

Bisher galten jene Tempel aus dem dritten vorchristlichen Jahrhundert, die dem Ashoka zugeschrieben wurden, als die ältesten Zeugnisse des sich in Südasien ausbreitenden Buddhismus. Nun führen weitere Ausgrabungen im Maya-Devi-Tempel zu aufregenden Ergebnissen: Sie bringen zum ersten Mal überhaupt Reste eines aus Ziegelsteinen gemauerten Tempels ans Licht, der aus der Zeit vor Ashoka (304 bis 232 vor Christus) stammt - und der seinerseits auf einem noch älteren Heiligtum aus Holz gebaut ist.

Im Rahmen eines Projekts der Unesco - Lumbini gehört seit 1997 zum Weltkulturerbe - arbeiten nepalische und internationale Experten unter der Leitung des Archäologen Robin Coningham von der Durham University in Großbritannien bei diesen Ausgrabungen. Ihre Funde bedeuten, dass Lumbinis Geschichte weit vor den Besuch des Herrschers Ashoka zurückdatiert. Möglicherweise stammen die jetzt gefundenen Spuren der früheren Tempel sogar aus der Zeit relativ direkt nach Buddhas Leben.

25101149 © UNESCO Vergrößern Grabungsarbeiten im Maya-Devi-Tempel in Lumbini

Gemäß buddhistischem Glauben hat Maya Devi ihren Sohn jungfräulich an eben dem Ort, der heute Lumbini heißt, geboren - im Stehen und sich festhaltend an den Zweigen eines Baums. Der „Marker Stone“, der den Platz der Entbindung anzeigt, ist heute im Maya-Devi-Tempel von einer dicken Glasplatte abgedeckt; das Fotografieren ist streng verboten. Die Ziegelmauer oberhalb dieser mystischen Stelle haben die buddhistischen Gläubigen und Pilger, manchmal in mehreren Schichten, mit Blattgold bedeckt. So verzieren sie auch die verehrten Statuen des Buddha, allenthalben in den Tempeln. Das flirrende Glitzern erschafft an dieser Stelle eine geradezu magische Anmutung in dem ansonsten wenig atmosphärischen Tempel-Überbau.

Was nun den Baum angeht, dessen Zweige Maya Devi bei der Entbindung gestützt haben sollen: Tatsächlich sind bei den Grabungsarbeiten in Lumbini auch uralte Wurzeln eines Baums gefunden worden; sie werden derzeit an der Durham University noch näher untersucht. In ein paar Monaten sollen dies Ergebnisse vorliegen.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Syrien Islamischer Staat sprengt antiken Tempel in Palmyra

Im syrischen Palmyra stehen antike Schätze der Menschheitsgeschichte. Tempel, Mausoleen, Skulpturen von unschätzbarem Wert. Die Terrormiliz Islamischer Staat will das Weltkulturerbe zerstören. Mehr

24.08.2015, 05:25 Uhr | Gesellschaft
Zombies Die Hölle auf Erden: Zombie-Tempel in Thailand

Normalerweise sind buddhistische Tempel feierliche Orte - doch im "Höllen-Tempel" Wat Phai Rong Wua in Thailand regieren Zombies, Untote und Henker. Sie sollen den Gläubigen ein Bild von der Hölle vermitteln, in die die Sünder auch im Buddhismus kommen. Mehr

14.07.2015, 10:54 Uhr | Gesellschaft
Islamischer Staat IS sprengt weiteren Tempel in Palmyra

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat offenbar den wichtigen Baaltempel in Palmyra gesprengt. Er gehört zum größten Komplex des Unesco-Weltkulturerbes. Mehr

31.08.2015, 04:02 Uhr | Politik
Weltfrauentag Christus-Statue setzt strahlendes Zeichen

Zum Internationalen Frauentag ist die Christus-Statue in Rio de Janeiro lila beleuchtet worden. Die Vereinten Nationen, die den Tag weltweit unterstützen, hatten in diesem Jahr das Thema bestimmt mit Frauen mehr Macht geben - Damit der Menschheit mehr Macht geben. Mehr

09.03.2015, 13:55 Uhr | Gesellschaft
Ausgrabung in Schweden Mit den Einwanderern kam die Frischmilch

Schwedische Forscher stellen fest - der Viehmanager der Jungsteinzeit kam aus dem Süden von Schweden. Dies bestätigen Ausgrabungen, die vor Beginn des Citytunnel-Projekts von Malmö gemacht wurden. Mehr Von Diemut Klärner

23.08.2015, 13:21 Uhr | Wissen

Veröffentlicht: 09.07.2013, 15:42 Uhr

Glosse

Neunzig Millionen für „Sonstiges“

Von Andreas Kilb

Es war eine Gelegenheit, bei der die Hauptstadt mal wieder richtig Hauptstadt sein durfte: Bei der Eröffnung des Wettbewerbs für ein Museum der Moderne in Berlin sorgt die Kostenaufstellung für Lacher. Mehr 10 34