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Sicherheit im Netz : Direkter Draht ins abhörende Ausland

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Welchen Weg nimmt eigentlich eine E-Mail? Breitbandkabel in einem Rechenzentrum der DE-CIX in Frankfurt am Main Bild: dpa

Die Geheimdienste lesen unsere Mails immer mit, und wir können es gar nicht verhindern: Die geschäftliche Praxis der Netzverbindungen und die Arroganz großer Internetanbieter machen Datensicherheit derzeit noch unmöglich.

          Das Internet, also die „Interconnected Networks“, werden oft und gern als dezentrale Netze beschrieben. In der Praxis besteht es aus der Zusammenschaltung der Netzsegmente, die Internetprovider und Telekom-Unternehmen betreiben. Typischerweise geschieht diese Zusammenschaltung an regionalen und nationalen Austauschpunkten, den Internet Exchanges. In Europa sind die größten dieser Knoten in Frankfurt am Main, London und Amsterdam.

          Die Anbieter mieten auf eigene Kosten Leitungen zu diesen großen Knoten, die dann über leistungsfähige Vermittlungscomputer - sogenannte Switches - verbunden werden. Die Daten fließen über einen solchen Switch zwischen den Netzen der Anbieter, zum Beispiel vom Unternehmen 1&1 zu Kabel Deutschland. Um ihre teuren Leitungen kostensparend auszulasten, versuchen die Internetanbieter, möglichst kurze Wege zu nehmen. In Deutschland geschieht dies oft über den größten Knotenpunkt - DE-CIX in Frankfurt - oder einen der verschiedenen in den letzten Jahren neu entstandenen Knoten in anderen Großstädten.

          Die Telekom verweigert sich

          Unter Anbietern, die eine ähnliche Größenordnung haben, fallen bei einer Netzverbindung am Internet Exchange keine zusätzlichen Kosten an: Die Daten fließen zwischen den Telekommunikationsunternehmen hin und her, und das Geld wird von den Kunden kassiert, die für ihre DSL-Leitung oder das Kabel-Internet zu Hause oder in Firmen bezahlen. Dieses System, „Peering“ genannt, ist seit Jahrzehnten bewährt, es ist kostensparend und effizient.

          Es gibt allerdings einen Konzern, der dabei in Deutschland nicht mitmacht: die Deutsche Telekom. Ausgerechnet der Ex-Monopolist, der in den letzten Tagen mit hochtrabenden Plänen über ein „nationales Routing“ und eine „Schengen-Cloud“ hervortrat, verlangt viel Geld dafür, dass andere Internet-Anbieter sich mit ihm verbinden.

          Umwege bergen Risiken

          Das Argument dafür, am allgemeinen Peering nicht teilzunehmen, sondern stattdessen Transitgebühren zu erheben, ist die schiere Größe: Die Telekom besitzt kraft ihres früheren Monopolstatus die meisten Kunden, die zum Beispiel Youtube-Videos schauen wollen. Sich mit der Telekom direkt zu verbinden, können sich daher nur sehr große Internetanbieter leisten. Alle anderen sind gezwungen, indirekte Pfade zu wählen, zum Beispiel über einen der kundenstarken britischen oder amerikanischen Provider, die groß genug sind, um sich die Kosten einer Telekom-Anbindung leisten zu können, oder zum exklusiven, aber winzigen Club der sogenannten „Tier 1“-Anbieter gehören, welche die Telekom als adäquate Peeringpartner ansieht.

          Und so kommt es nicht von ungefähr, dass eine E-Mail von einem deutschen Telekom-Kunden zu einem deutschen Nicht-Telekom-Kunden, selbst wenn er in derselben Stadt lebt, auch mal über Großbritannien geleitet wird, wo der gesamte Internetverkehr vom GCHQ im Tempora-System gespeichert und gefilzt wird, oder gar über die Vereinigten Staaten, wo die NSA in den Leitungen sitzt. Das Ganze funktioniert in etwa so, wie früher die „Sparvorwahlen“, bei denen innerdeutsche Ferngespräche über die Vereinigten Staaten geleitet wurden, weil es billiger war, zwei Telefonleitungen nach Amerika zu schalten, als dasselbe Gespräch über die Telekom zu führen. Nur dass die Kunden heute die Kosten der Fernverbindungen nicht mehr auf der Rechnung sehen und ihnen die Preisfindung daher unbekannt sein dürfte, Einfluss darauf nehmen können sie ohnehin nicht direkt.

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