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Neue Sammeltaxis : Die digitale Bedrohung des öffentlichen Nahverkehrs

  • -Aktualisiert am

Eine Flotte selbstfahrender Uber-Autos in Pittsburgh Bild: Picture-Alliance

Private Dienstleistungsunternehmen wie Uber drängen mit selbstfahrenden Sammeltaxis auf die Straßen. Welche Folgen hat das für die Städte? Untersuchungen geben erste Hinweise.

          Für uns ist klar, was eine Haltestelle ist: Man begibt sich dorthin und wartet so lange, bis gemäß dem Fahrplan ein Bus oder eine Straßenbahn vorfährt, die einen an eine andere Haltestelle befördert. Wir in Deutschland sind an einen einigermaßen funktionierenden öffentlichen Personennahverkehr gewöhnt und nutzen ihn in vergleichsweise großem Umfang. Anders in den Vereinigten Staaten. Seit einigen Wochen versucht dort das Dienstleistungsunternehmen „Uber“ mit dem Service „Express Pool“ ein eigenes Beförderungssystem zu etablieren. In acht großen Städten können sich Passagiere – vermittelt über eine entsprechende Smartphone-App – an einem Ort zusammenfinden, um sich gemeinsam in eine Richtung fahren zu lassen. Am Ende der Fahrt steigen sie wieder gemeinsam aus und laufen von der Haltestelle zu ihrem Ziel – ein Konzept, das in anderen Weltgegenden als Sammeltaxi bekannt ist.

          Ohne Zweifel ist Ubers „Express Pool“ oder auch Lyfts „Shuttle“ eine Konkurrenz zum Personennahverkehr, allerdings wohl auch nur aufgrund der technischen Echtzeit-Komponente. Zwar sind die Autos bisher für nur drei Passagiere vorgesehen, aber Fahrzeuge für sechs Mitfahrer seien bei Uber bereits in Planung. Dieses als „Microtransit“ bezeichnete Modell mit größeren Fahrzeugen, das auf dynamischen, durch App-Befehle und Echtzeitanalysen generierten Routen beruht, gilt als die nächste Stufe des mobilen Mitfahrens. Ob dafür noch viele „menschliche“ Fahrer eingeplant sind, steht auf einem anderen Blatt. Das seit dem Jahr 2009 bestehende Unternehmen entwickelt seit drei Jahren selbstfahrende Autos und hat sich reichlich Forscher mitsamt einem ganzen Institut von der Carnegie Mellon University zusammengekauft. Denn die Konkurrenz schläft nicht und steckt schon die Claims ab.

          Die Firma Tesla des Multimilliardärs Elon Musk verbietet etwa seinen Kunden seit 2016, mit dem Fahrassistenzsystem bei Uber oder Lyft anzuheuern – schließlich arbeitet man selbst an einem eigenen Car-Sharing-System. Man könne zwar privat mitnehmen, wen man wolle. „Kommerzielles Car-Sharing und Personentransport gegen Entgelt“ seien aber nicht zulässig – mit Ausnahme des eigenen Tesla-Netzwerks, versteht sich.

          Der Kampf geht in der Luft weiter

          Dass manche Autohersteller den Mitfahrvermittlern Steine in den Weg legen, dürfte Uber noch mehr motiviert haben, selbst autonome Fahrzeuge zu erforschen. Und die Wagen, die uns eines Tages selbständig durch den Verkehr lotsen sollen, sind keine Zukunftsmusik mehr. Seit letztem Jahr erprobt der private Fahrdienstvermittler in den Vereinigten Staaten solche autonomen Fahrten. Und vor einigen Wochen wurde verkündet, dass mehr als zwanzigtausend selbstfahrende Volvos bestellt worden seien. Lyft kooperiert unterdessen mit dem Autohersteller GM, um seinerseits mehrere tausend selbstfahrende Chevys noch in diesem Jahr auf die Straße zu bringen. Und es wird auch in die Lüfte gehen: In der vergangenen Woche gab Uber bekannt, dass man die Kunden in fünf bis zehn Jahren auch zu ihren Zielen fliegen wolle. Der neue Service solle den schlichten Namen „Air“ bekommen.

          In der an Ubers „Express Pool“ beteiligten Stadt Boston haben sich Forscher im Auftrag der Verkehrsbehörde darangemacht, zu ergründen, wie diese neuen Beförderungstechniken die Menschenbewegungen verändern. Wenig überraschend rührt die Attraktivität für die Passagiere daher, dass sie schneller ans Ziel kommen. Das gilt sogar dann, wenn die Mitfahrer bereits eine Fahrkarte für den konkurrierenden Personennahverkehr besitzen und zusätzlich für den Uber-Service zahlen.

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