Home
http://www.faz.net/-gqz-757qe
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Aus dem Maschinenraum Wenn jeder Weg ein Weg zum Profit ist

Der nächste Titanenkampf der Internetfirmen steht bevor: Es geht um den Zukunftsmarkt für mobile Lebensassistenten. Dafür ist digitales Kartenmaterial die wichtigste Voraussetzung.

© AFP Vergrößern Die Vermessung der Welt: Ein Google Street View-Mitarbeiter durchquert den Grand Canyon

Ein sonst kaum beachteter Bereich der modernen Technik geriet in den letzten Wochen wiederholt in das Licht der Öffentlichkeit: mobile Landkarten nebst Navigation. Vor zehn Jahren eher noch ein Seitenaspekt von mobilen Geräten, ist die Fähigkeit zur Orientierung in der Welt mittlerweile zu einer wesentlichen Funktion von Smartphones geworden. An der Qualität und Funktionalität der Kartenanwendung entscheidet sich für viele Nutzer, welches Gerät sie kaufen, auf welches System für Freizeit und Beruf sie setzen und letztlich sogar, wie sie sich in der jeweiligen Umgebung orientieren.

Die Anzahl der Firmen, die in diesem Markt mitspielen, ist überschaubar. Es gibt die Datenlieferanten des Kartenmaterials: Die wichtigsten sind TeleAtlas und Navteq. Im Jahr 2007 erkannte Nokia - damals noch der Platzhirsch im Mobilbereich - die Bedeutung der Kartendaten und kaufte Navteq für eine hohe Summe auf. Kurz darauf sicherte sich TomTom, bis dato der Marktführer bei Fahrzeug-Navigationsgeräten für den nachträglichen Einbau, in einer Art Notkauf die Datenbasis von TeleAtlas.

Jeder Ort ein potentieller Werbekunde

Denn die präzise digitale Erfassung der physischen Welt ist ausgesprochen teuer. Die resultierende Datenbasis wird zu entsprechenden Konditionen vermietet und verkauft. Nicht nur Luftaufnahmen und Satellitenbilder werden verwendet, Katasterdaten integriert und Fehlerberichte von Nutzern von Navigationssystemen ausgewertet. Die Straßennetze der größten Absatzmärkte werden auch regelmäßig von Messfahrzeugen befahren.

Eine breitere Öffentlichkeit hat erst mit dem Auftauchen der auffälligen Google-Autos und der nachfolgenden Diskussion um die Datenverwendung davon erfahren, üblich war die umfangreiche Erfassung der Realität jedoch schon länger. Google hatte bei der Aufkauf-Rallye um die Kartendaten-Firmen den Kürzeren gezogen und beschlossen, mit eigenen Kameras und Laserscannern auf den Fahrzeugen eine Dimension weiter zu gehen. Aus den Daten von Google Streetview ließ sich eine Informationsbasis über Geschäfte, Restaurants und sonstige Einrichtungen aufbauen, die in dieser Vollständigkeit so zuvor nicht existierte. Und jeder dieser Orte ist natürlich ein potentieller Werbekunde.

Bestimmt die Zahlungsbereitschaft bald Suchantworten?

Diese stetig aktualisierte Datenbasis ist Grundlage für den aufkommenden nächsten Titanenkampf der Internetfirmen. Es geht dabei nicht in erster Linie um Navigation und Karten - denn ohne diese Basis kann keine Firma mehr konkurrieren. Es geht vielmehr um den Zukunftsmarkt für mobile Lebensassistenten, die nächste Verheißung am Horizont der Werbebranche.

Der erste Hype um lokationsbasierte Dienste verpuffte schnell, nur neurotische Rabattjäger wollten ernsthaft - abhängig von ihrer geographischen Position - mit allerlei Rabatt-Coupons per SMS belästigt werden. Der nächste Versuch wird nun subtiler, einschmeichelnder, angepasster, unauffälliger.

Google startet mit «Indoor-Maps» in Deutschland © dpa Vergrößern Alle Wege führen ins Einkaufzentrum: Anfang Dezember startete Google den neuen Kartendienst „Indoor-Maps“

Mobile Suche ist schon heute zum großen Teil die Suche nach Orten, Öffnungszeiten, Kontaktinformationen und Routen. Aus diesen Suchanfragen lässt sich die Intention des Suchenden oft direkt und unmittelbar ableiten. Und natürlich ließe sich in diesem Moment auch problemlos die Suchantwort entsprechend der Zahlungsbereitschaft der jeweiligen Werbeinteressenten am Wegesrand manipulieren. Je mehr wir von unseren Mobilgeräten abhängig sind, desto lukrativer wird es, die Suchantworten kontrollieren zu können: Wer sich als Geschäftstreibender attraktiver und vollständiger in der Suchantwort präsentieren kann, gewinnt.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kommunikationstechnik Toyota Große Leistung mit kleiner Anzeige

Toyota verwendet nun die Premium-Verkehrsdaten von Tomtom. Für die Beifahrer gibt es einen W-Lan-Hotspot. Wir haben einen RAV 4 mit Touch 2 Go Plus ausprobiert. Mehr Von Michael Spehr

27.03.2015, 10:24 Uhr | Technik-Motor
Google Art Project Museum 2.0

Die digitale Revolution macht auch vor dem Kulturbetrieb nicht Halt. Mit interaktiven Touren versuchen Museen junges Publikum zu erreichen. Das Rijksmuseum in Amsterdam zählt zu den Vorreitern. Mehr

02.12.2014, 14:53 Uhr | Feuilleton
Wenige deutsche Startups Kaum Unternehmergeist

Die deutsche Startup-Szene ist im internationalen Vergleich immer noch im Hintergrund. Woran es hakt, erklärt Startup-Experte Tobias Kollmann, der Berater der Bundesregierung in Sachen Digitale Wirtschaft. Mehr Von Florian Müller

18.03.2015, 20:19 Uhr | Wirtschaft
ARD-Reportage Die geheime Macht von Google

Vier Milliarden User googeln sich täglich weltweit durch das Internet. Längst ist Google zum Navigator durch den Alltag geworden. Allein in Europa laufen 90 Prozent der Suchanfragen über Google. Google sortiert uns die Welt, sucht für uns und findet. Google dominiert das Internet - eine ungeheure Macht. Ist die Suchmaschine tatsächlich so objektiv und verbraucherfreundlich, wie sie scheint? Oder verfolgt Google Absichten, die die Interessen der Verbraucher in Wahrheit verletzen? Die geheime Macht von google - Einblicke in einen Milliarden-Konzern, der wie kein anderer unseren Alltag unter Kontrolle hat. Mehr

02.12.2014, 08:39 Uhr | Aktuell
Technologie Apple auf dem Weg zur Billionen-Firma

Apple ist mit Abstand das wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt. Doch sind es bald eine Billion Dollar, wie ein optimistischer Analyst postuliert? Mehr Von Martin Hock

24.03.2015, 14:02 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 21.12.2012, 16:31 Uhr

Trauerflor

Von Michael Hanfeld

Die Ursachen des Absturzes von Flug 4U 9525 werden erst in ein paar Tagen geklärt sein. Dennoch wird in den Fernsehsendern am Tag des Unglücks wild spekuliert. Respekt vor Opfern und Hinterbliebenen zeigt das nicht. Mehr 46 118