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Aus dem Maschinenraum Wenn jeder Weg ein Weg zum Profit ist

Der nächste Titanenkampf der Internetfirmen steht bevor: Es geht um den Zukunftsmarkt für mobile Lebensassistenten. Dafür ist digitales Kartenmaterial die wichtigste Voraussetzung.

© AFP Die Vermessung der Welt: Ein Google Street View-Mitarbeiter durchquert den Grand Canyon

Ein sonst kaum beachteter Bereich der modernen Technik geriet in den letzten Wochen wiederholt in das Licht der Öffentlichkeit: mobile Landkarten nebst Navigation. Vor zehn Jahren eher noch ein Seitenaspekt von mobilen Geräten, ist die Fähigkeit zur Orientierung in der Welt mittlerweile zu einer wesentlichen Funktion von Smartphones geworden. An der Qualität und Funktionalität der Kartenanwendung entscheidet sich für viele Nutzer, welches Gerät sie kaufen, auf welches System für Freizeit und Beruf sie setzen und letztlich sogar, wie sie sich in der jeweiligen Umgebung orientieren.

Die Anzahl der Firmen, die in diesem Markt mitspielen, ist überschaubar. Es gibt die Datenlieferanten des Kartenmaterials: Die wichtigsten sind TeleAtlas und Navteq. Im Jahr 2007 erkannte Nokia - damals noch der Platzhirsch im Mobilbereich - die Bedeutung der Kartendaten und kaufte Navteq für eine hohe Summe auf. Kurz darauf sicherte sich TomTom, bis dato der Marktführer bei Fahrzeug-Navigationsgeräten für den nachträglichen Einbau, in einer Art Notkauf die Datenbasis von TeleAtlas.

Jeder Ort ein potentieller Werbekunde

Denn die präzise digitale Erfassung der physischen Welt ist ausgesprochen teuer. Die resultierende Datenbasis wird zu entsprechenden Konditionen vermietet und verkauft. Nicht nur Luftaufnahmen und Satellitenbilder werden verwendet, Katasterdaten integriert und Fehlerberichte von Nutzern von Navigationssystemen ausgewertet. Die Straßennetze der größten Absatzmärkte werden auch regelmäßig von Messfahrzeugen befahren.

Eine breitere Öffentlichkeit hat erst mit dem Auftauchen der auffälligen Google-Autos und der nachfolgenden Diskussion um die Datenverwendung davon erfahren, üblich war die umfangreiche Erfassung der Realität jedoch schon länger. Google hatte bei der Aufkauf-Rallye um die Kartendaten-Firmen den Kürzeren gezogen und beschlossen, mit eigenen Kameras und Laserscannern auf den Fahrzeugen eine Dimension weiter zu gehen. Aus den Daten von Google Streetview ließ sich eine Informationsbasis über Geschäfte, Restaurants und sonstige Einrichtungen aufbauen, die in dieser Vollständigkeit so zuvor nicht existierte. Und jeder dieser Orte ist natürlich ein potentieller Werbekunde.

Bestimmt die Zahlungsbereitschaft bald Suchantworten?

Diese stetig aktualisierte Datenbasis ist Grundlage für den aufkommenden nächsten Titanenkampf der Internetfirmen. Es geht dabei nicht in erster Linie um Navigation und Karten - denn ohne diese Basis kann keine Firma mehr konkurrieren. Es geht vielmehr um den Zukunftsmarkt für mobile Lebensassistenten, die nächste Verheißung am Horizont der Werbebranche.

Der erste Hype um lokationsbasierte Dienste verpuffte schnell, nur neurotische Rabattjäger wollten ernsthaft - abhängig von ihrer geographischen Position - mit allerlei Rabatt-Coupons per SMS belästigt werden. Der nächste Versuch wird nun subtiler, einschmeichelnder, angepasster, unauffälliger.

Google startet mit «Indoor-Maps» in Deutschland © dpa Vergrößern Alle Wege führen ins Einkaufzentrum: Anfang Dezember startete Google den neuen Kartendienst „Indoor-Maps“

Mobile Suche ist schon heute zum großen Teil die Suche nach Orten, Öffnungszeiten, Kontaktinformationen und Routen. Aus diesen Suchanfragen lässt sich die Intention des Suchenden oft direkt und unmittelbar ableiten. Und natürlich ließe sich in diesem Moment auch problemlos die Suchantwort entsprechend der Zahlungsbereitschaft der jeweiligen Werbeinteressenten am Wegesrand manipulieren. Je mehr wir von unseren Mobilgeräten abhängig sind, desto lukrativer wird es, die Suchantworten kontrollieren zu können: Wer sich als Geschäftstreibender attraktiver und vollständiger in der Suchantwort präsentieren kann, gewinnt.

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