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Veröffentlicht: 15.09.2012, 16:19 Uhr

Aus dem Maschinenraum Nachtigall, ick hör dir schnorcheln

Was ist ETSI? Ein privater Verein mit viel Macht, den kaum jemand kennt. Dabei betrifft seine Aufgabe jeden einzelnen Bürger: Es geht um die Standardisierung der Schnittstellen der vernetzten Welt zu Überwachungszwecken.

von Constanze Kurz
© ddp Seit der Einführung von ISDN wurden Schnittstellen zum Abhören vereinheitlicht und standardisiert. Zuständig dafür: Der weitgehend unbekannte private Verein ETSI

Mussten früher noch Spulentonbandgeräte in den Telefonvermittlungsstellen zu den Drähten der zu überwachenden Anschlüsse transportiert werden, reichen heute einige standardisierte Kommandos am Computer für das Anzapfen von Datenleitungen. In modernen digitalen Kommunikationssystemen wurden die Schnittstellen zum Erfassen der darüber transportierten Informationen bereits von Anbeginn mit eingebaut. Das Vorhalten dieser standardisierten Schnittstellen, aber auch der Hard- und Software zum Mitschneiden und Abfangen von Datenverkehr und Kommunikation ist in Deutschland den Telekommunikationsunternehmen gesetzlich vorgeschrieben und in der dazugehörigen Überwachungsverordnung sowie in technischen Richtlinien und Pflichtenheften genau festgelegt.

Wie so oft im Sicherheitsbereich entwickelt die technische Verfügbarkeit von Überwachungsmethoden nicht nur ein politisches und ein faktisches Eigenleben, sondern auch eine ganz eigene Dynamik mit dem Blick fürs praktische Detail. So wurden etwa die Schnittstellen für die Überwachung in Europa darauf ausgelegt, dass fünf „berechtigte Stellen“ gleichzeitig Gespräche eines Anschlusses mitschneiden können, ohne sich gegenseitig ins Gehege zu kommen.

Geheimdienst darf „strategisch abhören“: Kleiner Kasten genügt

Und während polizeiliche Ermittler die einzelnen abzuhörenden Anschlüsse bei den Telekommunikationsunternehmen angeben, um die Ausleitung aller Gespräche für den gewünschten Zeitraum einzuleiten, ist dem Geheimdienst auch das sogenannte strategische Abhören erlaubt. Praktisch wird dazu bei den Telefonanbietern ein unauffälliger Kasten plaziert, der das Belauschen ganz ohne Zutun der Unternehmen ermöglicht.

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Natürlich reflektiert die stetig steigende Zahl von Überwachungsanordnungen auch die steigende Bedeutung der Kommunikationsnetze in unserem Leben. Für Strafverfolger und Dienste spielt jedoch ein anderer Aspekt eine wesentliche Rolle: Die Automatisierung der Erfassung, Verarbeitung und Auswertung funktioniert umso besser, je einheitlicher die Systeme ausgelegt sind und je weniger Medienbrüche es beim Zugriff auf die Überwachungsdaten gibt. Daher begann diese Vereinheitlichung und Standardisierung der Schnittstellen zum Abschnorcheln bereits zeitgleich mit der Einführung des digitalen Telefonnetzes ISDN.

Bei der internationalen Standardisierung kommt ETSI ins Spiel

Doch wer standardisiert all die universellen Schnittstellen, mit denen die moderne vernetzte Welt international überwacht wird? Es ist ein privater Verein. Dem Namen nach klingt das Europäische Institut für Telekommunikationsnormen (European Telecommunications Standards Institute, ETSI) wie ein Hort freundlicher Ingenieure, die zum Wohl aller die Köpfe zusammenstecken, um Kompatibilität und Interoperabilität herzustellen. Der Verein wurde 1988 gegründet, mit Sitz in Frankreich. Hier werden technische Standards, Richtlinien und Regelwerke erarbeitet und oftmals kostenlos zur Verfügung gestellt. ETSI ist über Europa hinausgewachsen und gilt längst als internationales Gremium, mit Mitgliedern aus über sechzig Staaten aller Kontinente.

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