10.05.2012 · Deutsche Künstler und Intellektuelle wehren sich gegen die Aufweichung des Urheberrechts. Von der anderen Seite betrachtet allerdings, zeigt sich, wie leicht der User kriminalisiert werden kann.
Von Constanze KurzRichtlinien für Lesermeinungen
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Abmahnanwälte sind Opferanwälte
Frau Kurz, ihr Artikel ist ein Schlag ins Gesicht der Geschädigten massenhafter Urheberrechtsverletzungen, und deren Anwälte zu beschuldigen ist unfair und billig. Ich habe Verständnis für Abgemahnte, die auf den Gegenanwalt schimpfen, und ich sehe auch die Probleme der Abmahnungen, wie sie aktuell praktiziert werden. Dass sich die FAZ aber der Kampagne anschliesst, die "Abmahnanwälte" wie eine Mafia zu behandeln, zeugt von völliger Unkenntnis der anwaltlichen Arbeit in diesem Bereich. Die Anwälte setzen durch Recht und Gesetz bestimmte Ansprüche ihrer Mandanten um, mir ist keiner bekannt, der diese Forderungen gekauft hätte, wie Sie behaupten. Die Mandanten wiederum sind die Geschädigten bzw. Opfer von Straftaten und sie gehen nicht gegen die Kunden vor, sondern gegen diejenigen, die sie durch "Schwarzfahren" schädigen. Und wie man weiß sind die wahren Opfer die ehrlichen Kunden, die die Leistung für die Schwarzfahrer mitzahlen und mit den Vandalismusschäden leben müssen.
Wenn ich einen Song schreibe, habe ich zu bestimmen, wer ihn hören, singen oder vervielfältigen darf. Es gibt kein Grundrecht auf Gratiskunst. Was ist an daran eigentlich so schwer zu begreifen? Der Pirat sagt: Aber es ist so praktisch, Musik illegal zu beschaffen. Wer es verhindern will, dringt in meine Privatsphäre ein. Dabei könnten sich die meisten Kulturbetrüger ihre Musik sehr wohl leisten — sie haben nur keinen Bock!
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 12.05.2012 16:13 UhrTja, und dass müssen Sie halt bedenken.
Klar können Sie sagen ich darf bestimmen und jeder der mal unter
der Dusche singen will muss löhnen - und wer dass nicht macht ist
Kulturbetrüger oder zumindest Kulturverweigerer.
Aber ist denn das zielführend? Ich dachte Sie wollen mein Geld?
Mein Geld bekommen Sie aber nicht wenn das Angebot dass Sie machen viel
zu teuer ist für den geforderten Preis. Rechtfertigt dass
Raubkopien? Nein, aber dass ist auch irrelevant, denn nur ein
verschwindend geringer Teil von Raubkopien wäre tatsächlich
für Geld als legale Kopie gekauft worden.
Wenn Sie mit Ihren Songs Geld verdienen wollen, dann müssen Sie wie
jeder andere Anbieter auch Angebote machen die von den Kunden als fair
bewertet werden - und dass heißt Sie müssen den Bedarf der
Kunden befriedigen. Das geschieht aber immer noch nicht in ausreichendem
Maße, daher wirken die Raubkopien wie Konkurrenz, wenn in Wahrheit
nur die eigene Rückständigkeit am Verdienen hindert.
Wo sind die Grenzen?
Sehr geehrter Herr Völker,
gerade Ihr Beitrag zeigt mir, wie problematisch geistiges Eigentum ist.
Wie schreiben Sie: Wenn Sie einen Song schreiben, dürfen Sie
bestimmen, wer ihn singen darf? Für mich ist das und die
Implikationen aus dem, was sie sagen, eine Horrorvorstellung.
Da höre ich im Radio einen guten und eingehenden Song von Ihnen. Er
gefällt mir. Und eh ich mich versehe, singe ich diesen Song nach.
Nur für mich. Ganz privat. Oder vielleicht noch vor Freunden.
Aber da Sie mir das ja nicht erlaubt haben, mache ich mich wohl strafbar
und muss ihnen für jedes Mal, wenn ich diesen Song gesungen habe,
Schadensersatz bezahlen.
Es gibt bereits Entwicklungen, sichtbar zu machen, was andere Menschen
denken. Wenn diese Technik - in hundert Jahren vielleicht -
zuverlässig eingesetzt werden kann, muss ich dann jedes Mal zahlen,
wenn ich nur an Ihren Song denke. Meine Privatsphäre ist Ihnen ja
egal, solange Sie mich nur verfolgen können. Ein Ohrwurm wird dann
wohl richtig teuer.
Ich bin davon überzeugt, dass Kulturschaffende, egal ob Musiker, Schriftsteller oder sonstige für ihre Leistung entlohnt werden müssen. Mehr als das: ich MÖCHTE sie entlohnen, wenn ich ihre Leistungen in Anspruch nehme, schließlich profitiere ich davon. Als jemand der bereit ist für Inhalte zu bezahlen, fühle ich mich als Kunde allerdings kriminalisiert. Ein gutes Hörbuchabonnement? Gibt es nur mit DRM geschützten Dateien, die lange nicht auf jedem Gerät abspielbar sind. Um meine Blueray-Disc abzuspielen bin ich auf bestimmte Software angewiesen, weil der Kopierschutz so restriktiv ist. Auf jede Festplatte, CD, DVD u.ä. zahle ich bei Kauf eine pauschale Gebühr, weil ich damit urheberrechtlich geschütztes Material vervielfältigen KÖNNTE (und nachdem ich diese Gebühr bezahlt habe, kann ich wegen des Kopierschutzes meinem Bruder nichtmal eine Privatkopie meiner legal erworbenen DVD geben). Ganz ehrlich? Ich fühle mich als Kunde unerwünscht, es gilt die Schuldvermutung. Ich hab es satt...
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 12.05.2012 10:36 UhrSchuld- statt Unschuldvermutung
Solange mir als ehrlichem Kunden Steine in den Weg gelegt werden, gekaufte Inhalte frei zu benutzen, fühle ich mich kriminalsiiert. Solange Die Schuld- statt der Unschuldsvermutung gilt, fühle ich mich kriminalisiert. Mir wird "Kriminalität" unterstellt, deswegen werden meine Möglichkeiten technisch beschränkt. Natürlich weiß ich, dass damit versucht wird, die Inhalte vor illegaler Verbreitung zu schützen. Wenn aber meine legal erworbene Kopie eines Kulturgutes von schlechterer - weil eingeschränkt verwendbar - Qualität ist als jede sogenannte Raubkopie, dann ist da der Wurm drin...
Wer kriminalisiert?
Der Kunde wird ja nicht von Dritter Seite "kriminalisiert". Er macht das, wenn er gegen Gesetze verstößt, ja hübsch selbst. :-)
Der Bürger wird seiner Freiheitsrechte beraubt, nur weil die Urheber ihr Recht nicht
technisch durchsetzen. Dabei ist es relativ einfach, aber eben teuer:
Kopierschutz auf die physikalischen Datenträger, Tracking-Software
auf die digitalen Inhalte aufprägen und das Problem wäre aus
der Welt. Der "technische" Kopierschutz eines gebundenen
Buches ist eben unübertroffen. Zwar kann man es kopieren, aber das
sieht man dann sofort, der schöne Schmuckeinband ist nicht
reproduzierbar. Anders bei digitalen Inhalten. Da erfolgt eine
bit-genaue Kopie und die Datei ist genauso "hübsch" wie
das Original, sogar samt "gracenote"-Abfrage mit Download
eines Cover-Bildes.
Und wegen des mangelhaften Kopierschutzes wird also die Freiheit des
Bürgers im Netz geopfert?
Das sind glasklare wirtschaftliche Interessen und die dominieren
bürgerliche Grundrechte?
Und da wundert es noch einen "Altpolitiker", dass die Piraten
Erfolg haben?
Kopierschutz ?
Der beste Kopierschutz ist doch der Reale (nicht - Digitale)
Die Musikindustrie hielt die Patente für CD .... (und die
Abspieler )
Für den Profit und besseren Absatz der Musik CD und DVD hat man
jegliche Bedenken über Bord geworfen und einen Massenmarkt mit
Brennern, Rohlingen und dem Markt Internet geschaffen....
Nun sollten Sie damit leben.....
...oder einen kleinen Markt mit Sondergeräten die Musikkristalle
auslesen schaffen -
(Bier verkaufen - und sich über die Besoffenen aufregen ?)
Die Bundesbank vertreibt Ihre Drucksachen auch nicht über die Heimlaserdrucker!
Kopierschutz und DRM sind erwiesene Irrwege
Kopierschutzmaßnahmen sind eben nicht die Lösung und haben
sich in der Vergangenheit bereits als Holzweg herausgestellt. Bis jetzt
ist noch jede dieser technischen Restriktionen "geknackt"
worden, manchmal bereits nach Tagen, teilweise nach Monaten. Im Falle
der Blu-ray-Verschlüsselung hat das zweistellige
Millionebeträge in der Entwicklung verschlungen und ein Vielfaches
an wirtschaftlichem Schaden durch die verzögerte
Markteinführung verursacht.
Im Gegensatz zur durchaus möglichen sicheren
Verschlüsselungstechnik muss der Kopierschutz dem legitimen Nutzer
immer den Zugang zu seinen erworbenen Inhalten ermöglichen, diese
"Verwundbarkeit" ist letztendlich unvermeidbar. Mag es
für den Normalnutzer auch zu kompliziert sein, es braucht eben im
Internet immer nur EINEN, der den Kopierschutz umgehen kann, um eine
Datei dann massenhaft zu verbreiten.
Eine Piratenkopie ist dann paradoxerweise nicht genauso gut, sondern
BESSER als das Original, denn ihr fehlt der nervige Kopierschutz...
Auch wenn der Schluss, dass es eine große Missgunst gegenüber
den Verwertern gibt, sicher richtig ist, werden hier doch einige
haarsträubende Thesen aufgestellt:
-"Auf die Idee, den Autobauer für die Fahrgewohnheiten seiner
Käufer haftbar zu machen, würde zwar niemand kommen."
Dieses Bild hinkt, denn es werden ja nicht Firmen wie AVM oder Belkin,
sondern die Internetprovider eingeplant, da wäre so etwas wie ein
"privater Straßenbetreiber" sicherlich die bessere Wahl!
Und dass Mautbetreiber ein gewisses Maß an Überwachung
vollziehen ist (z.B. in Frankreich) unbestreitbar.
-Selbstverständlich sind die Ausmaße des Abmahnens inzwischen
absolut übertrieben, ABER nicht die Anwälte haben das
begonnen, sondern es wird auf Verstöße gegen geltendes Recht
REAGIERT! Dass darauf nicht mit Einsicht reagiert wird ist erschreckend,
aber nicht der Fehler der Verwerter (aktuelle Lehrmeinung der
Psychologie: schnelle und harte Konsequenzen sind am effektivsten),
dieim Vorfeld jedoch mehr agiern sollten.
Ich stimme Ihnen in Teilen zu...
Leider erschwert die Zeichenbeschränkung längere Ausführungen.
1. Offensichtlich ist nicht klar worauf ich mit dem ersten Punkt
hinauswollte: Als entschiedener Gegner einer solchen
Überwachungsstruktur, erscheint mir das Bild der Autorin dennoch
als a) falsch und b) nicht haltbar.
2. Es gilt auch der Rechtsgrundsatz "Unwissenheit schützt vor
Strafe nicht". (Hiermit möchte ich gerne Ihren Vorwurf der
Grundgesetz-Ablehnung an Sie zurückreichen)
3. Entnommen aus Gluck, Mercado, Meyers: Lernen und Gedächtnis: Vom
Gehirn zum Verhalten (Spektrum), Kap. 8.: "Die Intensität der
ersten Bestrafung zählt [...] (Brown, 1969)" und "Im
Allgemeinen führen unmittelbare Konsequenzen zu den besten
Lernergebnissen" mit Hinweis auf Schlinger & Blakely, 1994.
4. Was die deutlich auszubauende Arbeit im Vorfeld angeht, sind wir
einer Meinung. Aufklärung und gute Umsetzungen (z.B. Hulu in den
USA) sind definitiv der richtige/bessere Weg, nimmt den Urhebern aber
nicht das Recht, ihre Ansprüche durchzusetzen.
Vollkommen daneben
ist Ihr Kommentar! Die Provider per Gesetz dazu zwingen zu wollen,
illegal die Nutzer der jeweiligen Datenautobahn zu überwachen,
lässt einen deutlichen Mangel an Nähe zu unserem Grundgesetz
vermuten. Es ist natürlich auch viel einfacher, Menschen, die z.T.
ohne Kenntnis der juristischen Lage, sich Lieder oder Videos aus dem Web
herunterladen, zu kriminalisieren. Und dieses Tun dann noch mit
psydowissenschaftlichen Aussagen angeblicher "aktueller
Lehrmeinung" zu garnieren, zeigt zumindest, das der Begriff
Labeling Approach es noch nicht in alle Wohnzimmer geschafft hat.
Jugendliche sollten nicht kriminalisiert werden, sondern besser
angeleitet. iTunes hat es beispielsweise geschafft, viele Musikdownloads
zu legalisieren. Mit Radio FX können viele Hundert Webradios legal
mitgeschnitten werden. Ich finde es sehr viel besser, Wege aus dem
Dilemma aufzuzeigen, als Menschen zu kriminalisieren, nur damit es ein
paar Anwälten noch besser geht.
Als ich "Von CONSTANZE KURZ" gelesen habe, wusste ich, der
Artikel wird gut.
Und ich habe mich nicht getäuscht.
Es wird schön beschrieben, dass wir Piraten nicht gegen die Urheber
vorgehen wollen. Nur gegen die weltfremde Verfolgung von Bürgern
mit horrenden Summen.
Und es ist heutzutage so leicht gegen Urheberrechte zu verstoßen.
Nichtmal Kauder ist da schadfrei geblieben.
Wir sollten ein verträgliches Maß finden und den Diskurs
endlich wieder versachlichen.
Bruno Kramm macht da für uns gerade einen Guten Job.
Hoffen wir auf das Beste.
Frau Constanze Kurz: Es ist so wie Sie schreiben
Bleibt nur die Frage: Warum ist man so zurückhaltend mit der
Schaffung von Vertriebsmodellen für die Kunst-(oder
Werte-)schaffenden? Sollte es vielleicht so sein, daß einige
Zeitgenossen sich nicht mit einem richtigen und sinnvollen Vertrieb
ihrer Schaffensgegenstände belasten möchten. Alle Argumente,
die Sie beschreiben laufen nur darauf hinaus am besten leicht zu
überhöhten Einkünften zu gelangen und das am besten auch
noch mit Hilfe des Staates. Für mich ist in einer freien
Gesellschaft jeder selbst dafür verantwortlich seine Interessen zu
vertreten und auch seine Produkte zu verkaufen. Wirkliche Freiheit
stellt dann auch sicher, daß der Preis dem Wert des Gutes
einigermaßen entspricht bzw. sich auf dem freien Markt bilden muß.
Nicht schwarz-weiß, gerne auch mal grau...
Die Quintessenz des Artikels, nämlich der faire
Interessensausgleich, liest sich nach meinem Verständnis wie die
Forderung jener Partei, der man bislang gerne eine Neigung zu radikaler
Enteignung von Urheberrechten nachsagt.
Man sollte sich zudem auch mal mit Künstlern auseinandersetzen, die
auch so ihre Probleme mit der Verwertungsindustrie zu haben scheinen. Es
gibt - auch international - sicher eine aussagekräftiges Potential
an Kreativen, die ihrerseits schon vor Jahren mit den Major Lables
gebrochen haben (spontan fällt mir "Prince" ein). Da
frage ich mich: warum denn bloß?!?
Grundrechte, Technik und Unschuldsvermutung - warum Urheber keine Chance haben
Die Urheber und ihre Verwerter melden sich hier so zu Wort, weil sie
eigentlich keine Chance haben. Das hat drei Gründe:
1. Technik: Es gibt bereits Entwicklungen für Peer-to-Peer Netze,
die nicht abhörbar sind, weil Ende-zu-Ende verschlüsselt, und
keinen Nachweis zulassen, wer was bzw. wie runterläd (Datenpakete
werden über min. 1 Zwischenstation über versch. Routen zum
Ziel geleitet) Ohne Trojaner in jedem Rechner wird Strafverfolgung unmöglich.
2. Grundrechte: Privatspäre ist ein Grundrecht. Bei einer
Güterabwägung der kommerziellen Rechte von Urhebern gegen
Grundrechte werden die kommerziellen Rechte immer zurückstehen
müssen. Der Verfolgung sind also auch rechtlich Grenzen gesetzt.
3. Unschuldsvermutung: Bürger sind unschuldig bis das Gegenteil
bewiesen ist. Am Ende müssen also die Rechteverwerter ohne den
Nutzer abhören zu können, irgendwie beweisen dass dieser
Unrecht getan hat.
Die Urheber werden sich also am Ende dem Internet beugen müssen.
Danke! Endlich mal eine Zeitung, die es zur Kenntnis nimmt
"Entgegen der unter Künstlern weitverbreiteten Ansicht ist
dies sogar in der Piratenpartei geltende Beschlusslage."
Danke, dass dies endlich einmal explizit erwähnt wird. Bis jetzt
hatte man den Eindruck, dass man es mit einer anhaltenden Merkbefreiung
der deutschen Presselandschaft zu tun hat, wenn pausenlos von einem
"Abschaffen des Urheberrechts" die Rede war.
...objektive zu sein, bleibt es aber nicht, weil er Wünsche und
Begierden als Tatsachen nimmt.
Kostprobe1:
"Kriminalisierung der Nutzer führt schon jetzt zu
tiefsitzender Antipathie":
Erstens: Die Nutzer werden nicht kriminalisiert, sondern kriminell und
dann verfolgt.
Zweitens: Es ensteht Antipathie? Und was bedeutet das? Hören wir
auf, Mörder, Räuber oder Erpresser zu verfolgen, weil die
sonst die Polizei ode rihre Opfer nicht mehr mögen?
Kostprobe2:
"es gibt einen gigantischen Bedarf nach niedrigschwellig
zugänglichen digitalen Inhalten"
Erstens: Auch wenn es den Bedarf gibt, es gibt gute Gründe dass
dieser Bedarf nur ausgesprochen zögerlich bedient wird. Und
deshalb darf man die Inhalte dann klauen?
Zweitens: Es gibt auch einen Bedarf grosse Geldsummen auf dem eigenen
Konto zu haben. Bei den meisten Menschen bleibt es allerdings zeitlebens
beim Bedarf. Banküberfälle werden von dem Bedarf nicht gerechtfertigt.
Gutes Beispiel für die Kriminalisierung von Nutzern
Sehr geehrter Lutz von Peter,
ich danke Ihnen für Ihren Beitrag. Indem Sie "Nutzer" auf
eine Stufe stellen mit Mördern, Räubern, Erpresser und
Bankräubern, bestätigen Sie die von Ihnen angegriffenen
Inhalte des Artikels von Frau Constanze Kurz voll und ganz.
Der unberechtigte Konsum von geschützten Medieninhalten ist da wohl
doch etwas anderes als Mord, Raub und Erpressung. Meinen Sie nicht?
Schließlich wird durch den unberechtigten Konsum von
geschützter Medieninhalte niemandem unmittelbar Schaden
zugefügt.
Dies insbesondere, wenn die Alternative zum unberechtigten Konsum gar
kein Konsum ist.
Die Argumention geht doch aber dahin, dass demjenigen, der sich
beispielsweise ein Film aus dem Internet gezogen hat, unterstellt wird,
dass er sich, wenn er das nicht getan hätte, ins Kino gegangen
wäre oder eine DVD gekauft hätte. Und weil er das nicht getan
hat, sondern sich den Film einfach aus dem Internet geladen hat, soll
der Filmindustrie ein Schaden entstanden sein.
Die Verwerter sind an Deeskalation nicht interessiert
Endlich mal wieder ein Text, der die ganze Sache auf eine sachliche
Ebene zurückführt! Hut ab! Was da derzeit passiert ist eine
reine Eskalationstaktik der Verwerter, um Urheber und Konsumenten
gegeinander aufzuhetzen und die Fronten zu festigen. Es ist einfach
nicht in ihrem Interesse, dass sich Urheber und Nutzer annähern.
Sobald das Urheberrecht im Internet gnadenlos durchgepeitscht wird,
können wir eine umfassende Überwachungsinfratstruktur erwarten
und ich glaube das will keiner.
Internet-Radarfalle
Sehr geehrter Joe Völker,
Ihre Analogie ist aus meiner Sicht fehlerhaft. Eine Radarfalle nimmt von
dem Benutzer einer Straße, solange dieser sich
ordnungsgemäß verhält, keinerlei Informationen aus. Nur
der Benutzer einer Straße, der zu schnell fährt, wird
geblitzt - und dadurch dann Informationen von ihm aufgenommen.
Im Internet können Sie aber nicht, ohne sich den Datenverkehr und
damit bereits persönliche Informationen der Nutzer anzuschauen,
entscheiden, ob der Nutzer sich ordnungsgemäß verhält.
Sie würden sich also auch den Datenverkehr der Nutzer anschauen,
die sich ordnungsgemäß verhalten, stellen dann fest, dass sie
sich ordnungsgemäß verhalten haben und verfolgen sie nicht
weiter. Aber die persönlichen Informationen haben Sie sich trotzdem
bereits angesehen.
Hinzu kommt, dass der Nutzer so überhaupt nicht mehr weiß, ob
und wann sein Datenverkehr angeschaut wird. Einen Blitzer am
Straßenrand kann man sehen. Im Internet sehe ich nicht, ob jemand
meinen Datenverkehr analysiert.
Wie umfassend denn?
Ich sehe keine Notwendigkeit zu einer umfassenden Überwachung des Internets. Wenn die Nutzer der Datenautobahn in so großem Stil gegen die Gesetze verstoßen, braucht es eine Internet-Radarfalle, wie auf der richtigen Autobahn. Einen stichprobenartigen Test, ähnlich wie eine Steuerprüfung. Die ist zwar auch ein Eingriff in die persönliche Freiheit, aber erfreulicherweise hat noch niemand gefordert, dass Steuerhinterziehung legalisiert wird, obwohl sie eine gewisse Verbreitung erfährt.
"Ohne Kultur lässt sich wahrscheinlich ein bisschen besser leben als ohne Freiheit!"
Wie wahr. Also, liebe Urheber, ist Euch die Freiheit Eurer Konsumenten weniger wichtig als Euer antiquiertes Urheberrecht, das ja eigentlich nur ein bisschen Botox und anti-aging Creme braucht? Werden Eure Konsumenten Euch noch mögen, wenn Ihr sie 24/7 überwachen lasst? Habt Ihr das mal bis zu Ende durchgedacht? Ach ja, und ohne Kultur leben muss nicht sein. Es wird immer genug gute Künstler geben, die Kunst schaffen, einfach weil es ihnen Spaß bringt.
"können wir eine umfassende Überwachungsinfratstruktur erwarten und ich glaube das will keiner"
Doch, anscheinend einige schon!
Den Artikel finde ich sehr zutreffend. Ich bin eigentlich fassungslos,
das viele der Schaffenden diesen Punkt mit der
Freiheitsbeschränkung im Internet nicht verstehen (oder noch
schlimmer: sie nehmen die Nebeneffekte in Kauf).
Letztendlich, wenn sich die Positionen komplett radikalisieren, kommt es
darauf an: Freiheit oder Kultur (hm, komischer Gegensatz!). Doch das
können wir zumindest sagen: ohne Kultur lässt sich
wahrscheinlich ein bisschen besser leben als ohne Freiheit.