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Aus dem Maschinenraum Astronautenblicke

Der Blick auf die Erde aus dem All war bislang das Privileg von Raumfahrern. Doch schon bald werden solche Bilder im Netz für jedermann zugänglich sein, bewegt und nahezu in Echtzeit: Chance oder neue Gefahr für die Privatsphäre?

© dpa Vergrößern Diese Aufnahme vom 18. Februar 2008 zeigt die Internationale Raumstation ISS nach dem Abkopplungsmanöver vom Space Shuttle Atlantis aus.

Ein 2011 gegründetes kanadisch-amerikanisches Unternehmen mit dem Zungenbrecher-Namen UrtheCast macht mit einem reizvollen Versprechen von sich reden: Hochauflösende Kameras sollen uns schon bald den Astronautenblick auf die Erde von der Raumstation ISS aus ermöglichen. Nahezu in Echtzeit sollen zwei Kameras Aufnahmen zu Bodenstationen funken, um sie Interessierten sofort zugänglich zu machen.

So neu ist die Aussicht aus der Höhe der Raumstation nicht mehr. Filme und unzählige Fotos ermöglichen eine klare Vorstellung davon, wie der Planet aus dem All aussieht. Wirklich spannend ist aber der Live-Aspekt der Bewegtbilder, der schon in wenigen Monaten lieferbar sein soll. Der gottgleiche Video-Blick vom Himmel soll mit einer Auflösung von mehr als einem Meter pro Pixel so scharf sein, dass man einzelne Fahrzeuge oder Menschengruppen ausmachen kann.

Eine der Kameras wird zusätzlich permanent einen etwa vierzig Kilometer breiten Streifen der Erdoberfläche aufnehmen, über dem die ISS gerade fliegt. Entwicklern von Programmen wird zudem versprochen, dass sie ohne Hindernisse mit den Original-Videodaten arbeiten können sollen.

Die neue Dimension des Blicks

Vergleichbare Live-Bewegtbilder aus dem Orbit gab es bisher nur in den schummerigen Bunkern der Geheimdienste und Militärs zu sehen und auszuwerten. Den Zivilisten waren bei Google Earth nur die zwar ähnlich hochauflösenden, aber Monate oder Jahre alten Standbilder von Satelliten zugänglich. Die neue Dimension des unmittelbaren Blicks aus dem All wird sich wohl zuerst den Nachrichtenmedien erschließen. Ereignisse wie die Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz oder plötzlich aufflammende Kampfhandlungen irgendwo auf der Welt werden künftig schon beim nächsten Überflug der ISS - also innerhalb weniger Stunden - in der Totale von oben auf die Bildschirme und als Stream ins Netz gelangen.

Es wird zukünftig daher leichter werden, aktuelle Berichterstattung mit Vorort-Aufnahmen im Fernsehen und Netz zu bebildern - zumindest, wenn nicht gerade der Himmel bedeckt ist oder zu verbergende Grausamkeiten zeitlich so gelegt werden, dass ihre Spuren von oben unsichtbar bleiben, bevor die Kameras wieder in ihrem Erdumlauf vorbeikommen. Mit zunehmender Anzahl solcher Live-Kameras im All wird das jedoch schwieriger werden.

Unsere Wahrnehmung wird sich verändern

Die Frage, wer den Zugriff auf die Bilder kontrolliert und wer bestimmt, wohin die Kameras gerichtet werden, wird entscheidend sein dafür, ob die neuen Möglichkeiten demokratisierend wirken und die Welt ein kleines Stückchen besser machen. Können durch die neue Echtzeit-Sichtbarkeit Menschenrechtsverletzungen oder Umweltzerstörungen erkannt und verhindert werden? Werden ganz neue wissenschaftliche Forschungsfragen aufgeworfen und gelöst? Werden sich neue Kunstformen entwickeln, ähnlich denen, die heute bei den statischen Bildern bei Google Maps zuweilen ins Auge fallen, wenn Schriftzüge, ikonographische Zeichen oder bildliche Darstellungen für die Sicht von oben konzipiert werden?

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Veröffentlicht: 17.02.2013, 10:37 Uhr

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Von Swantje Karich

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