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Montag, 13. Februar 2012
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Aus dem Maschinenraum (4) Sorgsam mit smarten Zählern

01.04.2010 ·  Von diesem Jahr an soll jeder neu eingebaute Stromzähler ein Smart Meter sein. Flexibel an umweltfreundliche Tarife anzupassen, vermittelt er auch ein Bild von den Lebensgewohnheiten eines Haushalts. Ist der Konflikt Datenschutz versus Umweltschutz programmiert?

Von Constanze Kurz
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Er kommt meistens einmal im Jahr, stets zur Unzeit und stapft mit ungeputzten Schuhen in die Wohnung: der Zählerableser. Nach wenigen Minuten hält er mir ein Papier mit unverständlichen Zahlen vor die Nase und bittet um eine Unterschrift. Später kommt die Rechnung und mit ihr die Hoffnung auf ein Guthaben statt einer Nachforderung.

Dieses gewohnte Ritual soll bald der Vergangenheit angehören, die Messungen des Verbrauchs von Gas, Strom, Wasser oder Fernwärme werden in Zukunft digital übertragen. Man nennt die neuen Messapparate „Smart Meter“, und sie unterscheiden sich nicht nur begrifflich von den altbekannten Zählern. Sie messen im Detail für jeden Haushalt, wie viel der zu bezahlenden Ressourcen wann verbraucht werden, und zeichnen diese Informationen in Bits und Bytes auf. Sie können außerdem den Besuch des Ablesers obsolet machen: Über Mobilfunk, Internet oder Datenübertragung im Stromnetz werden die Verbrauchswerte den jeweiligen Anbieter erreichen, der Kunde kann in Zukunft über eine Internetseite seine Daten abrufen.

Je nach Wind- und Wetterlage

Möglich gemacht hat die Einführung ein 2008 in Kraft getretenes Gesetz „Zur Öffnung des Messwesens bei Strom und Gas für den Wettbewerb“, welches vorsieht, dass ab diesem Jahr jeder neu eingebaute Zähler ein Smart Meter sein soll. Der Name des Gesetzes verspricht, dass die Kunden ihren Verbrauch an günstige neue Tarifmodelle anpassen können, die von den Versorgern ab 2011 angeboten werden sollen. Europaweit sind bereits viele Pilotversuche im Gang, in Deutschland begann ein großer Test mit zehntausend elektronischen Verbrauchszählern von Strom und Gas bereits 2008 in Bayern. Das Ganze ist zugleich ein Milliardengeschäft, denn viele Millionen Altmessgeräte werden in den nächsten Jahren ausgetauscht.

Ausgelöst wurde der Trend auch durch den immer stärker wachsenden Anteil von Wind- und Sonnenenergie, die nun einmal nur dann vorhanden sind, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint. Um diese Energie optimal nutzen zu können, wäre es hilfreich, wenn die Versorger die Tarife im Viertelstundentakt anpassen könnten. Wenn es mir als Kunde gleichgültig ist, ob die Spülmaschine sofort oder später läuft, könnte ich sie so programmieren, dass sie morgens bei billiger Windenergie anspringt.

Blick ins Private

Es wäre allerdings eine ganz neuartige Idee, dass die Versorger nur die Senkung des Verbrauchs – vulgo des zu verdienenden Geldes – im Auge hätten. Ihnen geht es in erster Linie um das sogenannte Lastmanagement und darum, Manipulationen an Zählern zu unterbinden. Die Verkäufer der Smart-Meter-Lösungen versprechen hingegen umweltfreundliche Technologien und ganz neue Möglichkeiten der Hausautomation. Endlich kann ich in Zukunft viertelstündlich erfahren, welchen Verbrauch die Lampe im Flur hat, und meine Waschmaschine aus der Ferne „managen“. Außerdem kann ich unauffällig nachsehen, ob mein Untermieter wieder ein teures Vollbad zur ungünstigsten Tarifzeit nimmt und dabei noch die Fußbodenheizung aktiviert hat. Natürlich gibt es dafür ein passendes kleines Programm für mein Mobiltelefon.

Der darüber hinausgehende propagierte Nutzen für Verbraucher und Gesellschaft: Durch Transparenz beim Verbrauch sollen wir alle zu mehr Stromsparen und energiebewussterem Verhalten bewegt werden. Die Fülle der Daten und die kontinuierliche Aufzeichnung und Weitergabe der Informationen könnte dabei einen neuen Konflikt heraufbeschwören – Datenschutz versus Umweltschutz. Aus den detaillierten Verbrauchsdaten, die in einigen Pilotversuchen sogar bis auf die einzelne Steckdose genau ermittelt werden, lässt sich ein präzises Bild von den Lebensgewohnheiten der Personen eines Haushalts erstellen. Für Einbrecher, aber auch Haustürgeschäftler, Stalker oder GEZ-Gebühreneintreiber ein wertvoller Datenpool. Auch bewässerte und künstlich beleuchtete heimische Kleinplantagen bleiben so als auffällige Verbrauchsanomalien nicht länger unbemerkt.

In der Hand des Verbrauchers

Das muss jedoch nicht sein. Smart Metering ist ein Beispiel einer Technologie, die bis 2016 bundesweit eingeführt wird und bei der heute die Chance besteht und auch umgesetzt werden sollte, Datenschutz von Anfang an mit einzuplanen, ohne den angestrebten Nutzen zu gefährden. Kernforderung hierbei ist es, die aufgezeichneten Daten innerhalb des Haushaltes zu belassen, also in der Hand des Verbrauchers. Nur ihn geht es etwas an, wann nachts geduscht oder der Fernseher im Schlafzimmer ausgeschaltet wird. Datentransfers der detaillierten persönlichen Verbrauchswerte müssen nicht über das Netz abgewickelt werden. Die Informationen für den Anbieter dürfen außerdem nicht so genau sein, dass eine Profilerstellung möglich ist. Es ist eine einfache Entscheidung beim Design der Technologie, die jedoch durch die Langfristigkeit des Infrastrukturaufbaus weitreichende Folgen hat.

Neue Technologien sind dafür bekannt, anfangs fehleranfällig zu sein. Die präzisen technischen Eigenschaften der millionenfach zu verbauenden Smart Meter, insbesondere auch die Sicherheit gegen elektronische Angriffe, werden entscheidend für den Erfolg sein. Man stelle sich vor, jemand fände eine Sicherheitslücke, mit der er die Tarifvoreinstellungen von ein paar hunderttausend Stromzählern absichtlich oder zufällig verändern oder die gesammelten detaillierten Verbrauchsdaten unbemerkt auslesen könnte. Wenn die Speicherung und Steuerung auch noch über einen zentralen Server beim Anbieter geschieht, wo stündlich oder minütlich Daten auflaufen, wird die Suche nach einer Schwachstelle und ein Einbruch in dieses System ausgesprochen lukrativ.

So ein Smart Meter ist eigentlich auch nur ein Computer, und als solcher benötigt er einen Mechanismus für Aktualisierungen. Wie die vielen elektronischen Zähler diese Software-Updates bekommen sollen, ist derzeit noch nicht ausgemacht. Wenn wir das Beispiel der Antivirus-Industrie heranziehen, die mit ihren Aktualisierungen stets um Wochen zu spät ist, die zudem oft noch die Funktionsfähigkeit des Computers beeinträchtigen, schwindet die Hoffnung, hier sichere Lösungen etablieren zu können. Aber vielleicht kann man durch Ausnutzen einer nicht behobenen Sicherheitslücke dereinst auch gut aus dem Orbit sichtbare Lichtgrüße für die ISS-Astronauten aus der Beleuchtung ganzer Stadtteile komponieren.

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