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Aufruf zum Totschlag? Naidoos Weg

Gespaltene Persönlichkeit: Auf ihrem jüngsten Album singen Xavier Naidoo und Kool Savas davon, einem Kinderschänder die Beine abzuschneiden. Neu sind solche Töne nicht.

Wenn es vorbei ist, geht es erst los: Vierzig Sekunden nach dem letzten Stück des jüngsten Albums von Xavier Naidoo und dem Rapper Kool Savas, „Gespaltene Persönlichkeit“, folgt ein Aufruf zum Totschlag. So jedenfalls sieht das die Jugendorganisation der Partei „Die Linke“ und hat Naidoo deshalb jetzt wegen Volksverhetzung und des Aufrufs zu schwerer Gewalt angezeigt. In dem „hidden track“ drohen Naidoo und Savas, einem Menschen die Arme und die Beine abzuschneiden, und phantasieren weit über die Schmerzgrenze des Zuhörers hinaus, was sie mit dem restlichen Körper anzustellen wüssten.

Es ist ihre Vorstellung davon, wie man mit Kinderschändern umgehen solle. „Ich bin nur traurig und nicht wütend“, heißt es abschließend, was die beiden nicht von der letzten Konsequenz abhält: „Trotzdem würde ich euch töten.“ Bei dem Lied, so lautet der Vorwurf, handle es sich um den Aufruf zur Selbstjustiz, der außerdem satanistische Rituale und Pädophilie mit Homosexualität gleichsetze. Gestern antwortete Naidoo. Es sei ihm unverständlich, wie man ihn so falsch verstehen könne. Er habe „großen Respekt gegenüber allen Schwulen und Lesben weltweit“, im Falle von Kindesmissbrauch jedoch komme er an seine Grenzen. Und so wolle er mit dem Lied zeigen, wie man „selbst zur Bestie wird, um sich einer menschlichen Bestie entgegen zu stellen“.

Prügel für alle

Derlei Töne überraschen zunächst angesichts eines Sängers, der mit „Dieser Weg“ den Soundtrack zum „Sommermärchen“ schrieb und dessen Gottesfurcht und quengelnden Liebesballaden lange Zeit kaum zu entkommen war. Dabei hatte Naidoo schon vor zehn Jahren auf seinem mehrfach prämierten Doppelalbum „Zwischenspiel/Alles für den Herrn“ in „Wenn ich schon Kinder hätte“ nicht „nur“ Kinderschändern Prügel angedroht, sondern allen und allem, was den Nachwuchs in unserer komplexen Welt vom rechten Weg abbringen könnte: von der Politik bis zur Börse.

Wohin Naidoos Weg dagegen führt, erklärte er damals so: zurück in eine gottgewollte Einfachheit, in der „alle Männer kämpfen müssen“ und die Frauen, die Kinder hütend, ihnen hinterhersäuseln: „Ich warte hier, bis du wiederkehrst.“ Die Staatsanwaltschaft Mannheim prüft nun die Vorwürfe gegen Naidoo. Einerlei, wie sie entscheidet, erschreckend bleibt, wie viele Fans dem Jury-Mitglied von „Voice of Germany“ auf dessen Weg zuhören. Auch „Gespaltene Persönlichkeit“ schaffte es wieder auf Platz eins der Albumcharts.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 15.11.2012, 16:39 Uhr

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Von Andreas Rossmann

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