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Auflösung der SWR-Orchester : Dreizehn schlägt’s

Harald Augter, verantwortlich für die umstrittene Fusion der beiden SWR-Orchester, hat einen Negativ-Preis gewonnen: den „Musik-Gordi“. Zu Recht.

          Auf der Musikmesse in Frankfurt wurde gestern Mittag ein neuer Musikpreis verliehen. Er heißt „Musik-Gordi“, hat die Gestalt einer zum gordischen Knoten verdrehten Blockflöte, und der erste Preisträger heißt Harald Augter. Den Namen muss man sich nicht unbedingt merken; den putzigen Preis womöglich schon. Augter nämlich wurde ausgezeichnet als Vorsitzender jener SWR-Rundfunkratssitzung, die im September 2012 ohne Not, unter Ausschaltung etlicher Expertisen und Vorspiegelung von bis heute unbewiesenen Sachzwängen eiligst den skandalösen Beschluss fasste, die beiden SWR-Orchester in Stuttgart und Freiburg/Baden-Baden seien aufzulösen, um ein neues „Superorchester“ zu erschaffen.

          Die Macht des Faktischen

          Der Schock über den kulturpolitischen Husarenstreich war groß. Niemand hatte damit gerechnet, dass das Konzert- und Musikleben in einer ganzen Region per Federstrich halbiert werden könnte. Doch inzwischen regt sich Protest. Die Orchester wehren sich, Abonnenten rufen zur Demo auf. Unterdessen prüft der Verwaltungsrechtler Friedrich Schoch, ob die Orchester in eine Stiftung überführt werden können. Schoch hält, wie er Anfang dieser Woche gegenüber der „Badischen Zeitung“ erklärte, eine Revision des Rundfunkratsbeschlusses zwar juristisch für möglich, aber „praktisch“ für „unwahrscheinlich“. Die leitenden Funktionäre des Senders pochen auf die Macht des Faktischen: Fünf nach zwölf sei es, zu spät, beschlossen, verkündet.

          Doch die Uhren laufen weiter - da kann es schon mal passieren, dass es dreizehn schlägt. Genau dafür steht der „Musik-Gordi“. Der Preis, so einer seiner Erfinder, Christian Höppner vom Deutschen Musikrat, sei als „Aufforderung zum Handeln“ gemeint, den „gordischen Knoten zu durchschlagen“. Wie ist das zu verstehen? Ganz einfach: Die SWR-Orchester müssen bleiben! Fehlentscheidungen gibt es in allen gesellschaftlichen Bereichen, in Kirche und Politik, im Sport und in jedem Kaninchenzüchterverein. Was aber als falsch erkannt ist, wird früher oder später korrigiert. Wieso sollte ausgerechnet der öffentlich-rechtliche Rundfunk dazu nicht in der Lage sein?

          Eleonore Büning

          Redakteurin im Feuilleton.

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