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Kölner Videodays : Ich werd’ mal Youtuber

  • -Aktualisiert am

Her mit den Stars: Junge Fans bei den Videodays Bild: Kaufhold, Marcus

Wer heute ein Star werden will, geht zu Youtube. Ein Besuch auf den Videodays, wo sich die Szene trifft und man einiges über Online-Trends unter Jugendlichen lernen kann.

          Am Eingang zu einem Zelt vor der Lanxess-Arena in Köln spielen sich Dramen ab. Fünf Stunden habe sie angestanden, schreit ein Mädchen einen Sicherheitsmann an, der ihr den Weg ins Innere versperrt, fünf Stunden, jetzt hat sie es bis hierhin geschafft, und nun soll plötzlich Schluss sein, jetzt, hier, jetzt?

          Hinter ihr drängen sich noch Dutzende Teenager, ein heftiger Wolkenbruch hat sie gerade alle, wie zum Hohn, noch einmal in Sekundenschnelle durchtränkt. Die Haare der meisten sehen nun nicht mehr so aus, wie sie eigentlich aussehen sollten, auf den Fotos von sich und ihren Stars.

          Die Wachleute lassen sich erweichen, nur ein bisschen, eine Handvoll Mädchen wird doch noch ins Zelt hineingelassen. Sie tun, was Tausende hier vor ihnen getan haben an diesem Tag, in diesem Zelt und den beiden anderen daneben: Sie gehen der Reihe nach zu den Jungs, die hinter einer Tischreihe sitzen, lassen sich ein T-Shirt oder einen Block unterschreiben, machen ein gemeinsames Foto von sich und gehen zum nächsten Typen. Eine große Routine und Effizienz hat das, inmitten eines Meeres aus Hysterie. Von der anderen Seite des Zeltes kreischen Mädchen in Schüben immer wieder „Dner!“, sie wollen endlich, dass er rauskommt, der 20-Jährige, der eigentlich Felix von Laden heißt und im Inneren gerade verzweifelt, weil ihm Leute von der Organisation sagen, er soll jetzt endlich aufhören, Autogramme zu schreiben, was aber gar nicht geht.

          Rasant wachsende Veranstaltung

          Dner ist ein Star. Genau wie Die Lochis, DagiBee oder die Jungs von ApeCrime, die sogar acht Stunden am Stück in einem dieser Zelte sitzen und Autogramme geben. Zeitungsleser und Fernsehzuschauer mögen noch nie von ihnen gehört haben, und Über-20-Jährige überhaupt eigentlich nur, wenn sie Eltern mit Kindern im Teenageralter sind, aber sie sind Stars mit Hunderttausenden Fans, und mehr als zehntausend sind am vergangenen Freitag nach Köln gekommen, um sie zu treffen.

          Die Videodays sind eine rasant wachsende Veranstaltung, bei der junge Menschen ihre Youtube-Stars feiern. Das sind Leute wie LeFloid, ein 26-Jähriger, der zweimal die Woche seine unsortierten Gedanken zum Nachrichtengeschehen in die Kamera spricht („Action News, aber hart“), Daaruum, eine 24-Jährige, die Schmink- und Anziehtipps gibt und Produkte testet, Y-Titty, ein Trio, das Sketche und Musik produziert, oder eben Dner, dem man in seinen Videos beim Computerspielen und beim Leben zugucken kann. Die erfolgreichsten Youtube-Kanäle kommen auf ein, zwei, drei Millionen Abonnenten; ganz vorne liegt im Moment ein 37-jähriger Mann aus Braunschweig, der sich Gronkh nennt und im Video vor allem Computerspiele zockt und gleichzeitig kommentiert.

          „Wachstum, Wachstum, Wachstum!“

          Die Szene boomt, befördert durch Unternehmen, die die einzelnen Videoblogger zu Netzwerken bündeln, sie vermarkten, ihnen Werbedeals oder Product Placements verschaffen, sie technisch unterstützen und sie vor allem beraten, wie sie ihre Abrufzahlen immer weiter in die Höhe treiben können und damit auch das Netzwerk wachsen lassen. „Wachstum, Wachstum, Wachstum!“, lautet das schlichte Mantra von Christoph Krachten. Er ist Präsident der Firma Mediakraft, des größten deutschen Netzwerkes, das auch maßgeblich hinter den Videodays steckt.

          Viel Geld wird auf diesen Markt geworfen; Mediakraft hat gerade bei Investoren 16,5 Millionen Euro eingesammelt. Bei den meisten Videobloggern langt es noch nicht zum Reichtum, aber mehrere Dutzend können schon davon leben, für andere ist es ein schöner Nebenverdienst. Es reicht auf jeden Fall, dass es inzwischen „Youtuber“ als Berufswunsch bei jungen Leuten gibt.

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