http://www.faz.net/-gqz-8e922

Attacke auf AfD : Tortenschlacht

Bitte wählen Sie Ihre Waffen. Bild: dpa

Kaum bekommt die AfD eine Backwerkattacke ab, wird es gefährlich: Zurückgegeben wird mit ganz großen Geschossen. Ein Kommentar.

          Dass die AfD sich auf Eskalation versteht, hat sie schon vielfach bewiesen. Zur Flüchtlingskrise fällt dem führenden Personal der Rechtspartei Schusswaffengebrauch ein, wird eine Fernsehjournalistin von AfD-Sympathisanten niedergerempelt, heißt es, das sei bei der Berichterstattung ja auch kein Wunder, und selbst ein Tortenwurf langt, damit die AfD blank zieht.

          Die Torte landete am vergangenen Sonntag im Gesicht der stellvertretenden Parteichefin Beatrix von Storch, geworfen hatte sie Jean Peters, Gründer der Gruppe „Peng Collective“, die schon mit allerlei Aktionen auf sich aufmerksam gemacht hat und von der Kulturstiftung des Bundes finanziell unterstützt wird. Viel ausgegeben haben die Tortenwerfer für das Wurfgeschoss allerdings nicht. 5,74 Euro hat es gekostet, wie man bei den „Peng“-Leuten nachlesen kann. Die Wurftorte war ein Schnäppchen.

          Freude über die Nazipantorte

          Die Reaktionen allerdings gibt es in ganz großer Münze. In einem „Bekennerschreiben“ teilte „Peng“ mit, man habe „zur Sicherung der moralischen Außengrenze von einer Sahnetorte Gebrauch gemacht.“ Das dazugehörige Stichwort bei Twitter lautet „tortalerkrieg“. Was die AfD-Politikerin Beatrix von Storch sogleich als Nazijargon geißelte. Sie veröffentlichte den Namen des Tortenwerfers samt Bild auf ihrer Facebook-Seite.

          Es dauerte nicht lange, da fanden sich seine Adresse und seine Handynummer im Netz und steigerte sich die bei Twitterschlachten brutalstmögliche Häme – da geben sich AfD-Unterstützer und AfD-Gegner wenig –, zu Morddrohungen gegen Peters. Die einen freuen sich über die „Nazipantorte“, der NRW-Chef der AfD Marcus Pretzell hingegen meinte: „Vielleicht schicken wir mal ein paar Aktivisten zum WDR“ und fragte, wie es denn wäre, „die Pinnocchiopresse“ zu „torten“. Nicht einmal mit einer Backwerkattacke kann diese Rechtspartei angemessen umgehen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Picasso mäht Rasen Video-Seite öffnen

          Vor New Yorks Skyline : Picasso mäht Rasen

          Das Kunstwerk über den Künstler steht im Stadtteil Brooklyn, ist rund drei Meter hoch, und der Künstler Elliott Arkin sagt, wenn Picasso heute lebte, müsste er vielleicht auch Rasen mähen, da sich die Kunstwelt verändert habe.

          Topmeldungen

          Deutschland gegen Schweden : Brennpunkt Abwehr

          Wende oder Ende? Joachim Löw braucht für das erste deutsche WM-Endspiel gegen Schweden einen besseren Plan und neue Leute. Auf Mats Hummels muss er wohl verzichten.

          Sexismus bei der WM : Der Fußball gehört euch nicht

          Durch die WM ist ein erschreckender Sexismus ausgebrochen: Emanzipation, ja ja, aber sobald Fußball läuft, sollen Frauen doch wieder Kuchen backen und die Klappe halten. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.