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Verhaftungen in der Türkei : Asli Erdogan kommt frei, Ahmet Sik wird verhaftet

Sie wurde von der Polizei in ihrer Wohnung verhaftet: Die türkische Schriftstellerin Asli Erdogan. Bild: Frank Röth

Die verhaftete türkische Schriftstellerin Asli Erdogan ist wieder in Freiheit. Doch das ist kein Signal für mehr Lockerung: Fast zeitgleich wurde der Journalist Ahmet Sik verhaftet.

          Am ersten Verhandlungstag im Prozess gegen Mitarbeiter der türkischen Zeitung „Özgür Gündem“ (F.A.Z. vom 29. Dezember) hat ein Istanbuler Gericht gestern die Freilassung der Schriftstellerin Asli Erdogan, der Linguistin Necmiye Alpay und des stellvertretenden Chefredakteurs von „Özgür Gündem“, Zana Kaya, angeordnet. Sie waren im August, kurz nach dem Putschversuch, mit der Begründung inhaftiert worden, mit ihrer Arbeit für die pro-kurdische Zeitung „terroristische Propaganda“ für die PKK betrieben zu haben.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          In ihrer Verteidigungsrede erläuterte Asli Erdogan sämtliche Artikel, die von der Anklage als Beweisstücke vorgelegt worden waren und entkräftete diese als solche. „Man sollte sich schämen, dass eine Schriftstellerin ihre Literatur in einem Gerichtssaal und flankiert von Gendarmen verteidigen muss“, sagte Asli Erdogan. „Özgür Gündem“ sei gegründet worden, um dem unterdrückten kurdischen Volk eine Informationsplattform zu bieten. Sie selbst habe niemals irgendeine Organisation angeführt oder von einer Organisation Anordnungen erhalten: „Ich bin nur eine Schriftstellerin“, sagte Erdogan, die Kolumnen für „Özgür Gündem“ verfasst hatte.

          Dass das Einlenken des Gerichts nicht als Signal eines Sinneswandels der Regierung verstanden werden kann, die seit Monaten massiv gegen kritische Stimmen vorgeht, zeigte gestern die Inhaftierung des türkischen Journalisten Ahmet Sik. Der in Istanbul festgenommene Sik ist einer der bekannteste investigativ arbeitenden Reporter der Türkei und wurde im In- und Ausland mit zahlreichen Preisen geehrt. Sein Buch „Die Armee des Imam“, das schon 2011 die Infiltrierung des türkischen Sicherheitsapparates durch Gülen-Anhänger anprangerte – zu einer Zeit also, als die türkische Regierung noch gemeinsame Sache mit dem mittlerweile zum obersten Staatsfeind erklärten Prediger machte, – wurde noch vor der Veröffentlichung verboten und Sik ein Jahr in Untersuchungshaft gesteckt.

          Zufolge der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu wird Sik nun vorgeworfen, mit Artikeln in der „Cumhuriyet“ und auf Twitter die türkische Republik, die Justiz, und den Militär- und Sicherheitsapparat „beleidigt“ und „Propaganda für eine Terrororganisation“ betrieben zu haben. Einer der angeführten Tweets lautet: „Die Regierung und ihre... die zu beweisen versuchen, dass der Attentäter nicht der al-Nusra angehörte sondern FETÖ \[Fethullah Gülen Organisation\], was werdet ihr dazu sagen, dass der Attentäter ein Polizist gewesen ist?“ Ahmet Sik ist ein Journalist, der die richtigen Fragen stellt. Die türkische Regierung kann das nicht ertragen.

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