31.10.2001 · FAZ.NET hat sich auf der Art Cologne umgehört: Geht es Sammlern beim Kunstkauf um die Geldanlage?
FAZ.NET fragte Sammler auf der Art Cologne, ob sie Kunstwerke als "Aktien" betrachten und lieber Kunst statt Aktien kaufen.
„Können Sie sich vorstellen Kunst statt Aktien zu kaufen?“ Die Frage geht an ein junges sympathisches Paar, Typ Unternehmensberater. „Das kann ich schon. Absolut. Zusätzlich zu, nicht statt Aktien. Ersetzen würde ich die Aktien nicht.“ -
"Denken Sie beim Kunstkauf auch an die langfristige Investition?“ - „Ja, sicher, das ist richtig. Wir interessieren uns vor allem für junge Kunst, die hier auf der Messe im Erdgeschoss angeboten wird. Dabei schauen wir auf frühe Phasen der Künstler, weil es das ist, was wir bezahlen können. Außerdem, weil das, wenn man es richtig macht, eine wirkliche Wertsteigerung ermöglicht.“ - „Lassen Sie sich beim Kunstkauf beraten?“ - „Nein, wir kaufen, was uns gefällt. Ganz nach der eigenen Nase. Und hoffen, dass das dann was wird.“
„In den 60er Jahren haben die mittelständischen Papier- und Textilunternehmer in Wuppertal die Kunst als 'Wandaktie' bezeichnet“, gibt ein Besucher im Rückblick zu. „In einigen Vierteln gab es ein richtiges Konkurrenzverhalten, sich Wandaktien zu kaufen. Das gehörte einfach zum guten Ton. Wer die besseren Aktien hatte, wurde allerdings erst nach Jahren klar.“ Heute kokettiere man weniger offen mit Unwissenheit. In den eigenen vier Wänden brilliere der Sammler als Kenner der Kunst. Kaum einer würde zugeben, ein Stück Risiko, vielleicht noch auf Anraten Dritter, gekauft zu haben.
„Ganz am Anfang haben wir in den 60er Jahren eine Mappe mit Lithographien von Marino Marini erworben,“ erzählt eine Besucherin, „die waren nicht teuer. Teuer waren nur die Rahmen, die ich dazu habe machen lassen. Mein Mann hat damals sehr mit mir geschimpft.“
Seit 40 Jahren freut sich das Paar an einer heute raren Auswahl von Drucken des wohl wichtigsten italienischen Bildhauers der Nachkriegszeit. Dass die Drucke inzwischen ihre Rahmen um ein Vielfaches an Wert übertreffen, ist ein schöner Nebeneffekt, keine Spekulation. „Man sollte sich auf jeden Fall einig sein beim Sammeln“ meint ein Herr, der gestandener Unternehmer zu sein scheint. „Wir kaufen, was uns gefällt, aber wir machen das zusammen, sonst macht es keinen Spaß.“