06.05.2012 · Streikbrecher, Republikaner, Patriot? Bei genauerem Hinsehen kann das Feindbild Arnulf Baring schnell zerspringen. Über die Souveränität und das Tempo eines Professors und leidenschaftlichen Außenseiters.
Von Tobias RütherRichtlinien für Lesermeinungen
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Er gehört zu den wenigen Stimmen in Europa, die sich dem
"immer weiter so" der Brüsseler Zwangsbeglückung widersetzen.
Dafür herzlichen Dank und alles Gute zum Geburtstag!
Da ist aber wohl auch (etwas?) Eigennutz im Spiel.
Würde er diese Sichtweise(n) nicht propagieren, dann würde ihn wohl auch niemand in eine Talkshow einladen. Was zu enormen Entzugserscheinungen führen könnte ...
Fand das Attentat auf Rudi Dutschke nicht an einem Gründonnerstag statt?
Auch von mir herzlichen Glückwunsch
Wenn ich auch zu den Auftritten in besagten Talkshows öfter mal den
Kopf schüttel, möchte ich hier aus dem heutigen Interview mit
der Welt zitieren:
Der Euro war eine Schnapsidee. Ich habe mich relativ früh
gewundert, dass die Deutschen das einzige Volk sind, das die
Europäische Union für den Ersatz der Nation hält. Weil
ich außerhalb Deutschlands immer feststelle, dass die anderen das
nicht so sehen. Europa gibt es in dem Sinne gar nicht. Die Kanzlerin
kann ihre ganzen Rettungspakete und ihren Fiskalpakt einpacken...
Es ist eine meiner Hoffnungen, dass das Scheitern des Euro zu einer
Erneuerung des politischen Lebens führen wird. Da bin ich
optimistischer geworden. Ein Europa der Vaterländer. Ein viel
bescheideneres Gebilde als die ambitiöse Brüsseler Union. Ein
Staatenbund, mit einem gemeinsamen Wirtschaftsraum.
.
Dem muss ich nichts hinzufügen, denn da bin ich mit ihm einer
Meinung.
Herr Schüssler, dass von EINEM VOLK immer noch nicht die Rede sein kann.
Und das soll Europa richten?
Herr Schüssler, die Vereinigten Staaten von Europa
kriegen wir mit dem Fiskalpakt, der nicht verfassungskonform ist. Die
Zentralregierung wird sich dann mit dem ESM ergeben, zwangsläufig.
Und fragen Sie doch mal die jungen Spanier, was sie von dem heutigen
"Europa" halten. Ich glaube nicht, dass Ihre Einschätzung
da richtig ist.
...
Es gibt keine EU-Zwangskollektivierung. Es gibt auch überhaupt
keinen Ansatz für die "United States of Europe" mit einer
Zentralregierung. Es gibt nur einen wirtschaftlich sehr stark
verbundenen Wirtschaftsraum, der auch polititsch (weniger) stark
verbunden sein muß, damit die wirtschaftliche Verbundenheit
weiterhin optimiert werden kann.
Baring geht allerdings das, was schon existiert zu weit. Da mag er sich
zwar einig sein mit den Gauweilers und Hankels dieser Welt, aber
sicherlich nicht mit den 20 bis 45-jährigen in der EU (und auch in
den Ländern, die noch mit dazu wollen). Das ist übrigens die
Generation, die sich nicht mit dem gönnnerhaft-herablassenden
"na seen'se" anmachen läßt.
Baring, Gauweiler, Hankel et al sind Vergangenheit, Europa ist Zukunft.
Na seen'se -Baring hat doch recht !
Genau weil Herr Professor Baring doch die Deutsche Geschichte kennt,mit
der -teilweise sogar gewaltsamen Zusammenfügung - der verschiedenen
deutschen Kleinstaaten etwa und welche Verwerfungen dies in der Historie
der Deutschen gebracht hatte- hat er Recht an seiner Kritik der
EU-Zwangskollektivierung der Kontinents!
.
Professor Baring will,was jeder vernunftbegabte Mensch in Europa wollen
sollte :
.
"Ein Europa der Vaterländer. Ein viel bescheideneres Gebilde
als die ambitiöse Brüsseler Union. Ein Staatenbund, mit einem
gemeinsamen Wirtschaftsraum".
.
Ein europäischer Nationalstaat als "Vaterlandsersatz"
fehlte uns nämlich noch - weil es eben keine "Europäische
Nation" gibt,sondern viele "europäische NationEN" .
...
Solche Baring-Worte, wie von Ihnen dort oben wiedergegeben, sind genau
der Grund, warum meine TV-Fernbedienung quasi wie von selbst auf
"off" geht (oder manchmal auch nur das Programm wechselt),
sobald ich Baring sehe oder seine Stimme höre. Ich kann diese alten
Besserwisser (es gibt ja noch mehr davon) einfach nicht mehr ab.
Und was das Wundern von Baring über den Nationenersatz der
Deutschen anbelangt - er ist doch angeblich Historiker: Deutschland war
bis 1871 eine Sammlung von Klein- und Kleinststaaten, bis 1918 wurde es
nicht viel besser; der letzte bayrische König hat 1918 abgedankt.
Und die Wallungen des 1.000-jährigen Reiches haben mit Sicherheit
mit dafür gesorgt, dass von EINEM VOLK immer noch nicht die Rede
sein kann.
Langer Rede kurzer Sinn: Baring ist ein alter Herr, der mit den
Zeitläuften nicht mehr so richtig mitkommt und der mit seinem
Urteil, wie schon häufiger in den letzten 10 Jahren, ziemlich
daneben liegt.
Trotzdem alles Gute zum Geburtstag - ohne TV.
im vergleich mit arnulf baring ist guido knopp ein solider und seriöser historiker. sollte arnulf baring doch ein historiker sein, dann ist dieter bohlen ein komponist, helmut markwort ein journalist und guido westerwelle ein aussenminister.
Die Meinung von (Quer-) Denkern wie Herrn Baring schätze ich sehr.
Aber zu ÖKONOMISCHEN, historisch einmaligen Themen wie der EURO
Situation, zu der es nicht DIE richtige Meinung geben kann sollte er als
Historiker Zurückhsltung üben.
Wutbürger - in welcher Hinsicht?
Leider eher ein Klassenkämpfer (s. Warren Buffett 2005) denn ein Weltbürger.
Wir haben viel zu wenig Nonkonformisten dieses Schlages!
S.
Tobias Rüther Jahrgang 1973, Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
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