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Arme Autobauer Sie kucken traurig und bedroht

04.12.2008 ·  Die Automobilindustrie soll, wenn wir das richtig verstanden haben, als Weltkulturerbe der Menschheit anerkannt werden. Dabei wurden deren Chefstrategen von Entwicklungen überrascht, die in den siebziger Jahren Thema im Sachkundeunterricht waren.

Von Nils Minkmar
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Die Automobilindustrie soll, wenn ich das richtig verstanden habe, als Weltkulturerbe der Menschheit anerkannt und voll mit Steuergeldern finanziert werden. Die Autochefstrategen wurden von drei Entwicklungen überrascht: Öl ist rar, und es kommt kein neues nach. Das Verbrennen von Öl ist nicht gut für die Umwelt, darum eignet es sich nicht mehr so zum Angeben. Die Weltbevölkerung wächst, und wenn alle im Auto zum Bäcker wollen, ist bald Schluss mit dem Leben auf der Erde.

Lustigerweise weiß ich über diese drei Sachen einigermaßen Bescheid, weil wir sie in den siebziger Jahren im Sachkundeunterricht hatten – aber an dem konnten die Autobosse ja schlecht teilnehmen. Den gab es im Saarland und nicht dort, wo Autobosse herkommen, dem Explaneten Pluto, glaube ich. Die Autoindustrie kann nur noch von Uri Geller und Erich von Däniken begriffen werden. Vor zwei Wochen beispielsweise begaben sich die Chefs von Ford, General Motors und Chrysler in die amerikanische Hauptstadt, um dort Steuergelder zu erbetteln.

Vier Milliarden retten seine Welt

Überraschenderweise hat sich ihre Strategie, sehr teure Privatpanzer zu bauen, die sehr viel Benzin brauchen, nicht als die richtige erwiesen. Da die Herren aber nicht auf dem Planeten Erde wohnen, konnten sie schlecht wissen, dass das schon in ziemlich jeder Zeitung seit gut zwanzig Jahren steht. Jedenfalls wählten alle drei Heroen der amerikanischen Autoindustrie für ihre Betteltour dasselbe Fortbewegungsmittel – nämlich ein privates Düsenflugzeug. Voll logisch, wenn man üblicherweise in Raumschiffen im All unterwegs ist, für Erdlinge aber befremdlich. Die stellten dann auch gemeine Fragen, wollten wissen, was mit den Milliarden geschehen solle und Ähnliches, was doch eh nur auf Erden interessiert. Doch Aliens lernen schnell.

Diesmal sind sie – gut und teuer beraten von ihren Beratern – mit dem Auto von Detroit nach Washington gefahren. Gut bekommen ist ihnen die lange Fahrt allerdings nicht: Bei der Ankunft gab GM-Chef Wagoner an, er sei „müde“ und gehe ins Bett. Da war es fünf Uhr nachmittags. Hoffentlich gibt es ein Foto davon, wie er traurig und bedroht kuckt für die weihnachtlichen Spendensammelplakate: „4 Milliarden retten seine Welt!“ Unsere leider nicht.

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