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Architektur : Die Botschaft der Botschaft

Das neue Gebäude der amerikanischen Botschaft in Berlin soll Anfang Juli eröffnet werden Bild: Christian Thiel - F.A.Z.

Bunker oder Baumarkt: Was will uns Amerika mit seiner neuen Vertretung in Berlin eigentlich sagen? Diese Glasschatullen, die an der Fassade angedockt sind: Solche Materialien verwendet man sonst nur bei südarmenischen Tankstellen zur Befestigung des Kassiererhäuschens. Was ist hier passiert?

          Eine Grundregel für Architekturkritiker lautet: Nie über ein Haus schreiben, das man nicht von innen gesehen hat, es könnte ja sein, dass sich hinter einer scheußlichen Fassade ein großartiger Innenhof verbirgt oder ein revolutionärer Grundriss oder eine überraschend geschmackvoll eingerichtete Chefetage. Bei Botschaftsgebäuden liegt die Sache allerdings ein wenig anders: Hinein kommen die meisten sowieso nicht, und deswegen ist bei ihnen meistens doch schon die Fassade die eigentliche Botschaft.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Das Land zeigt sich dem Gastgeber so, wie es gern gesehen werden möchte, und auch wenn man über die neue amerikanische Botschaft in Berlin, die offiziell erst am vierten Juli eröffnet wird, aus den genannten Gründen noch keine seriöse Architekturkritik schreiben kann, ist immerhin schon jetzt die wesentliche Botschaft des Hauses, die Fassade nämlich, zu besichtigen - und die wirft, mal vorsichtig formuliert, ein paar Fragen auf.

          Noch kritischer als alle anderen

          Die Berliner sind mit der amerikanischen Botschaft noch kritischer als alle anderen, schließlich wurde wegen des schleppend vorangehenden Botschaftsbaus am Pariser Platz und wegen der Sicherheitsbedürfnisse am Ersatzstandort halb Berlin in ein wirres Knäuel von temporären Einbahnstraßen, Sackgassen und Wendehämmern geleitet. Eigentlich sollte die Botschaft, die von der amerikanischen Architektenfirma Moore-Ruble-Yudell entworfen wurde, schon vor neun Jahren eröffnet werden, aber der US-Kongress weigerte sich damals, die Mittel freizugeben, außerdem verlangten die Vereinigten Staaten ursprünglich einen üppigen Sicherheitsabstand um das gesamte Gebäude herum - womit auch ein Teil des Pariser Platzes zum Sperrgebiet geworden wäre. Das ist erst mal abgewendet, dafür musste die Stadt die Behrenstraße im Süden verlegen, um den Abstand der Fahrbahn zum Gebäude zu vergrößern; erst danach konnte mit dem Bau begonnen werden.

          Prominente Nachbarn: das Brandenburger Tor

          Man sollte sich bei der Beurteilung der Botschaft also nicht vom Groll der dauerumgeleiteten und entsprechend herummosernden Berliner leiten lassen und die Fassaden möglichst neutral anschauen. Es gibt drei davon, und weil die Berliner Politik mit ihrem unseligen Hang zu symbolischen Unsinnstaten den Pariser Platz, das Zentrum der neuen Mitte, vor einigen Jahren in eine verkehrsfreie Sackgasse verwandelt hat, werden die meisten von der Botschaft hauptsächlich nur die zum Tiergarten und zur Behrenstraße hin orientierten Fassaden zu sehen bekommen.

          Die grüne Zone von Berlin

          Hier sieht die Botschaft wie eine Festung aus, und zwar wie eine sehr seltsame. Man kann einen Teil dieser Architektur dadurch erklären, dass die Amerikaner ihrem Gastgeber, der Stadt Berlin, gegenüber höflich sein wollten - und die verlangte im Zuge der "kritischen Rekonstruktion" an dieser Stelle irgendetwas, das möglichst nach Berlin vor 1933 aussieht, mehr Stein als Glas hat und eher symmetrisch als modern verschachtelt ist. In diesem Sinn hatte Josef Kleihues zwei Torhäuser ans Brandenburger Tor gebaut, die zumindest aus der Entfernung einigermaßen nachvollziehbar nach altem Berlin aussehen, mit akkurat nachgezogenen Profilen und liebevoll gestalteten Fenstern.

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