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Apple ohne Ron Wayne Seine Angst brachte ihn um dreißig Milliarden Dollar

Wäre er nicht in letzter Sekunde bei Apple ausgestiegen, könnte Ron Wayne heute ein sehr reicher Mann sein. In New York wird jetzt der Gründungsvertrag versteigert.

© Sotheby's Vergrößern Erster Schritt auf dem Weg zu einer der bedeutendsten Firmen weltweit: Die Unterschriften unter den Gründungsvertrag von Apple

Heute wird bei Sotheby’s in New York der Gründungsvertrag der Firma Apple versteigert. Die Taxe liegt bei 100 000 bis 150 000 Dollar. Die Dokumente stammen aus dem Besitz des Apple-Gründers Ron Wayne. Ron Wer? Die Firma, deren Geschichte mit dem begnadeten Konstrukteur Steve Wozniak und dem begnadeten Verkäufer Steve Jobs beginnt, wurde am 1. April 1976 in der Wohnung von Ron Wayne mit einem Partnerschaftsvertrag gegründet.

Wayne arbeitete wie Jobs beim Spielehersteller Atari und sollte als erfahrener vierzigjähriger Ingenieur die Rolle des Schlichters übernehmen, wenn die sehr unterschiedlichen Steves aufeinanderprallten. Im Partnerschaftsvertrag liest es sich erhabener: 45 Prozent für Steve Wozniak, Leiter Electrical Engineering, 45 Prozent für Steve Jobs, Leiter Marketing, und zehn Prozent für Ron Wayne, Mechanical Engineering und Dokumentation. Elf Tage nach Abschluss des Vertrages bekam Wayne kalte Füße und bat um Auflösung, auch dieses Papier wird morgen versteigert. Wayne erhielt 2300 Dollar. Zehn Prozent an Apple sind heute dreißig Milliarden Dollar wert.

Der Erfolg war nicht gerade ausgemacht

In seiner kurzen Zeit bei Apple zeichnete Wayne das erste Logo der Firma: Unter einem Apfelbaum sitzt Isaac Newton und liest ein Buch. Über ihm lockert sich ein Apfel am Ast und wird gleich fallen. „Newton. A mind forever, voyaging through strange seas of thought, alone“ ist das Firmenmotto, das sich um die Zeichnung rankt. Strange things passierten nicht in Gedanken, sondern ganz real in der neuen Firma. Gleich am zweiten Tag nach der Gründung nahm Jobs einen „Wahnsinnskredit“ von 15 000 Dollar auf und verkaufte eine Serie von 50 noch nicht gebauten Apple-Computern an Paul Terrell. Terell war Besitzer des „Byte Shops“, eines Geschäftes für den Fachbedarf der Bastler, die zum „Homebrew Computer Club“ gehörten. In dieser Szene war Terrell als notorisch klammer Händler berüchtigt. Wayne, der vor der Gründung von Apple bereits mit zwei Firmengründungen gescheitert war, zog die Reißleine.

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Was aus heutiger Sicht seltsam erscheint, war damals ein verständlicher Schritt. 1976 war die Szene rund um den „Homebrew Computer Club“ voll mit Leuten, die eine Firma gründen wollten und gründeten unter ihnen erfolgreiche wie „Cromenco“, „Kentucky Fried Computers“. Dass ein schreibmaschinenähnlicher Tischrechner wie der Apple I ein Erfolg werden würde, dass ein Apple II folgen würde, der bis heute eine der erfolgreichsten Computerserien aller Zeiten begründete, war nicht gerade ausgemacht.

Vertrag für ein paar hundert Dollar verkauft

Nach seinem Ausstieg aus dem Apple-Abenteuer arbeitete Wayne bei Thor Electronics und am Lawrence Livermore Laboratory. Im Laufe seiner Karriere erhielt er neunzig Patente zugesprochen, doch keine einzige Erfindung brachte den Durchbruch. Heute lebt Wayne als Autor und Poet in Pertrumph in Nevada. Zweimal in der Woche versucht er sein Glück in den nahe gelegenen Casinos von Las Vegas.

Einen kleinen Erfolg erzielte er mit seinem Buch „Adventures of an Apple Founder“. Die Auktion seines Gründungsvertrages will Wayne nicht kommentieren. Er verkaufte die Dokumente Mitte der neunziger Jahre an einen Autographen-Händler für ein paar hundert Dollar. Die Rolle des Schlichters bei Apple übernahm der Intel-Ingenieur Mike Markkula als „Mitarbeiter Nummer 3“. Er verdiente damit bis zu seinem Abschied 1997 etwa 250 Millionen Dollar.

Quelle: F.A.Z.

 
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