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Antikes Rätsel : Verrate uns deinen Namen, Krieger

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Experimentelle Rekonstruktion des einen Riace-Kriegers, wie sie in der Ausstellung „Zurück zur Klassik“ 2013 im Liebighaus zu sehen war. Bild: Henner Rosenkranz

Die beiden Bronzen von Riace gelten als Meisterwerke der Antike - und als ein großes Rätsel: Wen haben sie dargestellt? Jetzt gibt es eine neue Theorie zu ihrer Bestimmung. Die Spur führt nach Athen.

          Seit ihrer Entdeckung 1972 haben die „Bronzen von Riace“, zwei überlebensgroße Kriegerstatuen, nichts von ihrer Bedeutung und Faszination eingebüßt. Benannt sind sie nach ihrem Fundort vor der Küste des süditalienischen Städtchens Riace in rund acht Meter Meerestiefe. Heute stehen sie auf erdbebensicheren Postamenten im Archäologischen Nationalmuseum von Reggio di Calabria. Seit ihrer Entdeckung rätselt die Wissenschaft immer wieder über Herkunft, Benennung, Zusammengehörigkeit oder Datierung der beiden Bronzekrieger. Jede Möglichkeit scheint durchgespielt worden zu sein, ohne befriedigende Antwort.

          Eine Lösung dieser Fragen könnte aber jetzt gelungen sein, gibt es doch nunmehr triftige Argumente für deren Benennung und Identifizierung im schriftlich überlieferten Denkmälerbestand, genauer: im attischen Mythos des perikleischen Zeitalters, also um die Mitte des fünften vorchristlichen Jahrhunderts, der als griechische Klassik bezeichneten Epoche. Es mag einer jener glücklichen Zufälle sein, die der Wissenschaft immer wieder zum Erkenntnisgewinn verhelfen können, dass mit Unterstützung der zuständigen italienischen Behörden und der Fondazione Prada für eine Untersuchung der Polychromie bei Bronzeskulpturen die Krieger von Riace als Beispiele dienen.

          Ein berühmter Thraker

          Nachdem bereits vor zwei Jahren der Kopf des Kriegers Riace A in Frankfurt in seiner Farbigkeit experimentell rekonstruiert werden konnte, ist es dem italienischen Archäologen Salvatore Settis zu danken, dass nunmehr die gesamte Statue diesem Prozedere unterworfen wurde. Das Ergebnis ist vom 9. Mai bis zum 24. August im Rahmen der Ausstellung „Serial Classic“ im neu eröffneten Museum der Fondazione Prada in Mailand erstmals zu sehen.

          Sonnenbräune ist der wahre Bronzeton: Neuguss der griechischen Plastik Riace B

          Die streng an den Quellen und Fakten orientierte Arbeit genauer zu beschreiben ist hier nicht der Platz, dazu mag die auch schon fertige Rekonstruktion von Riace B einmal Anlass sein, deren akribische Erforschung wie bereits im Fall von Riace A vom Liebieghaus Frankfurt begleitet wird. Der Nachguss des Kriegers Riace A in historischer Legierung mit ergänzten Attributen wie Helm, Schild, Lanze, den aufwendig gearbeiteten Steinaugen, den Kupferbrustwarzen und Kupferlippen sowie mit Silberblech belegten Zähnen verfehlt seine Wirkung auf den Betrachter nicht: durch die frappierend naturalistisch anmutende Lebendigkeit des Inkarnats. Es wurde möglich durch das Aufbringen zahlreicher Schichten eines am Original nachgewiesenen stark verdünnten, mit wenig Rotpigment versetzten Asphaltlacks. Solch von der Sonne gebräunte Haut ist aus der griechischen und römischen Wandmalerei bekannt, und Dion Chrysostomos zieht einmal den Vergleich zwischen sonnengebräunten Athleten und dem Farbton der Bronzeskulpturen.

          Die akribischen Untersuchungen von Riace B, die im Vorfeld der auch dafür anstehenden Rekonstruktion erfolgten, haben Identifizierung und Benennung beider Krieger möglich gemacht. Trägt Riace A über seiner diademartigen Kopfbinde, die ihn als König auszeichnet, einen korinthischen Helm, so Riace B eine Fellkappe; hält A den schweren griechischen Rundschild, so B den leichten, wohl nur geflochtenen Peltaschild zusammen mit Bogen und Pfeil; liegt im Arm von A eine Lanze mit breitem Schaft, so schwingt B eine Doppelaxt - jeweils große und auffallende Gegensätze im Erscheinungsbild. Die Lösung des Problems erbrachte die Kopfbedeckung von B: Genaue Vermessungen und Beobachtungen der Oberfläche sowie Vergleiche mit Darstellungen in der Vasenkunst zeigen, dass diese Bronze ursprünglich die Alopekis trug, eine für die im Norden Griechenlands ansässigen Thraker charakteristische Fuchsfellmütze - als besonders kostbare Ausführung mit dem Fuchskopf. Damit muss der Dargestellte ein prominenter Vertreter dieses Volks gewesen sein. Berühmte Thraker waren der König Lykurg, der Sänger Orpheus oder Eumolpos; Letzterer ein Sohn des Meeresgottes Poseidon und der thrakischen Nymphe des Schnees, Chione.

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