Home
http://www.faz.net/-gqz-13fbe
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Antiker Sensationsfund Gibt es Ross und Reiter zum goldenen Pferdekopf?

24.08.2009 ·  Es gibt nur ein einziges bestens erhaltenes Reiterstandbild aus der Antike: den Marc Aurel in Rom. Der bei Gießen gemachte Sensationsfund eines vergoldeten Pferdekopfs gibt jetzt Anlass zu großen Hoffnungen. Verbirgt sich in Waldgirmes ein einzigartiger antiker Schatz?

Von Dieter Bartetzko
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (2)

Angesichts der umfassenden Staats- und vor allem Kaiserkulte des Imperiums Romanum muss es im römischen Reich unzählige Statuen der Herrscher gegeben haben. Doch von den besonders beliebten und kostbaren Kaiserbildnissen, den lebensgroßen bronzenen Reiterstatuen der Imperatoren, ist nur ein einziges unversehrt auf uns überliefert: der reitende Marc Aurel, der jahrhundertelang auf dem Kapitol in Rom stand. So verwundert es nicht, dass heute morgen das hessische Kultusministerium von einem „Sensationsfund“ sprach, als es den Fund eines römisch antiken lebensgroßen und vergoldeten Pferdekopfs aus Bronze samt dem beschuhten Fuß eines Reiters mitteilte.

Fundort ist ein Brunnen in einer Römersiedlung in Waldgirmes bei Gießen. Seit Jahren wird dort gegraben, und seit längerem kamen unidentifizierbare Fragmente einer Bronzeplastik zum Vorschein. Nun aber sind die Archäologen (fast) hundertprozentig sicher, Ross und Reiter benennen zu können. Sie sind sicher, es mit einer Darstellung des Kaisers Augustus zu tun zu haben.

Von den Römern versenkt

Zudem aber erlaube die Fundlage es, „die Statue auf wenige Jahre genau zu datieren - und einen Zusammenhang (zur) Varusschlacht herzustellen.“ Man vermutet, dass die Bronzestücke von Römern versenkt wurden, die nach der Niederlage aus den rechtsrheinischen Gebieten flüchteten und alles nicht Mitnehmbare den Händen der germanischen „Barbaren“ entziehen wollten. „Einen Fund solcher Qualität und Erhaltung hat es in Deutschland bisher nicht gegeben“, kommentierte das hessische Wissenschaftsministerium weiter. Auch ein vor einiger Zeit in Augsburg entdeckter römischer Pferdekopf reiche nicht an den in Waldgirmes gefundenen heran.

Eines lässt sich mit Sicherheit schon sagen: Sollten noch weitere Fragmente zum Vorschein kommen und es so eventuell sogar möglich werden, aus ihnen das Reiterstandbild zu rekonstruieren, hätte Deutschland ein antikes Kunstwerk aufzuweisen, dass gleichrangig neben dem Marc Aurel in Rom, den weltberühmten „vier Pferden von San Marco“ in Venedig und dem ebenso bekannten Bronzepferd aus der Vesuvstadt Herculaneum stünde.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1949, Redakteur im Feuilleton.

Jüngste Beiträge

Vorletzte Werte

Von Thomas Thiel

Die Welt hat eine neue Religion: „Kopinismus“ nennt sich der offiziell anerkannte Glaube an das Filesharing als höchsten Lebenssinn. Es geht aber nicht um letzte, sondern um strategische Werte. Mehr