09.06.2003 · Die amerikanische Armee hat einen Großteil der verschwundenen antiken Kunstgegenstände aus dem Irak-Museum geborgen, darunter auch den bedeutenden Goldschatz von Nimrud. Gefunden wurde der Schatz in einem gefluteten Tunnel.
Die amerikanische Armee hat in Bagdad einen Großteil der verschwundenen antiken Kunstgegenstände aus dem Irak-Museum geborgen, darunter auch den bedeutenden Goldschatz von Nimrud aus dem 9. vorchristlichen Jahrhundert.
Wie arabische Medien am Montag unter Berufung auf die amerikanische Verwaltung in Bagdad berichteten, sollen aus der Sammlung des von Plünderern heimgesuchten Museums nur noch etwa 3.000 Stücke fehlen. In ersten Schätzungen war von bis zu 170.000 gestohlenen Objekten die Rede gewesen. Nun sieht es so aus, als hätten Museumsleitung und Vertreter des alten Regimes von Saddam Hussein vor dem Krieg mehr archäologische Fundstücke in Sicherheit gebracht als anfangs angenommen.
Der Goldschatz des assyrischen Herrschers Assurnasirpal II. (884- 858 v. Chr.) war in den Jahren 1988 bis 1990 ausgegraben worden. Archäologen vergleichen seine Bedeutung mit den Grabbeigaben des ägyptischen Pharaos Tut-ench-Amun. Nimrud liegt 37 Kilometer südöstlich der nordirakischen Stadt Mosul.
In einem Tunnel gefunden
Beobachter in Bagdad erklärten, irakische Museumsbeamte und Experten von „National Geographic“ hätten der amerikanischen Armee geholfen, den Nimrud-Schatz aus einem überfluteten Tunnel unter der Zentralbank in Bagdad zu bergen. Fachleute hätten aus den unterirdischen Gängen zunächst Wasser abpumpen müssen, da diese nach einem Raketenangriff während des Krieges vollgelaufen seien.
Nach amerikanischen Angaben wurden rund 8.000 weitere Stücke in einem zweiten geheimen unterirdischen Versteck gefunden, das die Museumsbeamten zunächst verschwiegen, später aber doch preisgegeben hätten. Diese Funde von unschätzbarem Wert seien vor dem Krieg in 179 Kisten verpackt und in dem geheimen Gewölbe gelagert worden. In Bagdad hieß es zudem, weitere archäologische Fundstücke seien vor Kriegsbeginn in einem Bunker im Westen der irakischen Hauptstadt versteckt worden.
Öffentliche Ausstellung
Die amerikanische Verwaltung in Bagdad kündigte an, die Schmuckstücke des Nimrud-Schatzes, die bereits in den neunziger Jahren nach ihrer Entdeckung durch die Archäologen in den Tresorräumen eingelagert worden war, sollten demnächst öffentlich ausgestellt werden.
Die Spezialeinheit der amerikanischen Armee, die nach den Plünderungen zur Fahndung nach verlorenen irakischen Altertümern im Irak-Museum eingerichtet worden war, glaubt, daß sie ihre Arbeit in Bagdad demnächst abschließen kann. Der Einheit gehören unter anderem amerikanische Zöllner und Ermittler an. Die Museumsleitung hatte die Soldaten beschuldigt, die Iraker nach ihrem Einmarsch in Bagdad regelrecht zur Plünderung ermutigt zu haben. Außerdem verdächtigten sie europäische Sammler, Räuber gezielt auf „Beutezug“ ins Museum geschickt zu haben.