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„Anti-Islamisierungskongress“ Die Biederbrandstifter

 ·  Der „Anti-Islamisierungskongress“, der an diesem Samstag unter dem Motto „Bürgerbewegung pro Köln“ läuft, spaltet die Kölner in zwei Lager. Die Lokalzeitungen drucken Stellungnahmen örtlicher Prominenz gegen Intoleranz und Rassismus.

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Es ist auch eine Begriffsverwirrung, die die „Bürgerbewegung pro Köln“ mit dem heutigen „Anti-Islamisierungskongress“ veranstaltet. Denn wer „pro Köln“ ist, ist nicht für Köln – ganz im Gegenteil: Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit widersprechen der Geschichte, der Mentalität und dem Selbstverständnis der Stadt. Dass die Organisation, die seit mehreren Jahren unter dem Verdacht einer rechtsextremistischen Bestrebung im NRW-Verfassungsschutzbericht aufgeführt wird, hinter der eher links konnotierten Vorsilbe „anti-“ die gleichsam akademischen Weihen eines „Kongresses“ beansprucht, führt schon in der Sprache vor, wie die Brandstifter, die sich als Biedermänner ausgeben, Bedeutungen verdrehen.

Vielleicht wäre es die souveränste Antwort auf ihre Hauptkundgebung gewesen, sie zu ignorieren, wie das Oberbürgermeister Schramma Anfang der Woche mit dem Vorschlag einer Stilllegung des Heumarkts empfohlen hatte: „Schließen Sie Fenster und Türen, lassen Sie die Rollläden herunter, zeigen Sie den Rechtspopulisten die kalte Schulter.“

Aber auch das widerspricht der Mentalität und dem Mitteilungsdrang der Kölner. Und so drucken die örtlichen Zeitungen seit Tagen Äußerungen lokaler Prominenz, die alle, vom Festkomitee-Präsident bis zum Fußballtrainer, vom Uni-Rektor bis zum Kabarettisten, das Selbstverständliche aussprechen: gegen Intoleranz und Rassismus.

Intolerante Politik gegenüber anderen Glaubensrichtungen

Der Chor der Entrüstung ist stark und vermittelt den Eindruck von Geschlossenheit. Umso mehr müssen in einer Umfrage, die etwas ausführlichere Stellungnahmen zuließ und gestern vom „Kölner Stadt-Anzeiger“ veröffentlicht wurde, zwei Stimmen auffallen, die über den allgemeinen Konsens hinausgehen. Denn es bleibt zwei – ehemaligen? – Ikonen der Linken vorbehalten, eine andere Selbstverständlichkeit anzusprechen: dass auch die Kritik der Intoleranz nicht teilbar ist.

Günter Wallraff weist darauf hin, dass „auch die Ditib als Träger der Moschee in der Türkei eine intolerante Politik gegenüber anderen Glaubensrichtungen betreibt“, und Alice Schwarzer mahnt, es sei „höchste Zeit“, „dass auch die etablierten Parteien die Ängste der Menschen ernst nehmen, statt islamistischen Funktionären nach dem Munde zu reden“, denn „die gemäßigten Musliminnen sind ihre ersten Opfer“. Die Eindeutigkeit, mit der dieser Kongress Köln polarisiert, ist mithin so eindeutig nicht: zumindest solange auf der Gegenseite nicht auch Zwangsverheirater, Ehrenmörder oder Karikaturenschänder ausgemacht werden.

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Jahrgang 1952, Feuilletonkorrespondent in Köln.

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