http://www.faz.net/-gqz-907jt

Anthony Scaramucci : The Würstchen of Wall Street

  • -Aktualisiert am

Die Würde des Amtes simulieren: Trumps neuer Pressechef Anthony Scaramucci. Bild: Reuters

Er hat sich mit rekordverdächtiger Selbstverleugnung bei Trump eingeschleimt. Dass es nicht langweilig wird mit Scaramucci, war sofort klar. Aber der neue Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses übertrifft kühnste Erwartungen.

          Man fragt sich immer wieder, wo Donald Trump die inkompetenten, verlogenen, moralisch verkommenen Gestalten auftreibt, die für ihn arbeiten. Bei Anthony Scaramucci, dem neuen Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses, lief es so: Der ehemalige Goldman-Sachs-Banker hat sich monatelang mit rekordverdächtiger Selbstverleugnung bei Trump eingeschleimt, bis dem nichts anderes übrig blieb, als Scaramucci einen Job im gehobenen Management anzubieten.

          „Trump ist ein Genie, ein Meister der Kommunikation, ein politischer Visionär. Ich liebe Trump und seine Familie und werde ihnen dienen, bis sie ihre Mission vollendet haben.“ So das Mantra, das Scaramucci, 53, seit seiner Berufung vor einer Woche in den Talkshows herunterbetet. Seine Zielgruppe besteht aus einer Person: Donald Trump, der immer manischer die Fernsehnachrichten über sich verfolgt und so paranoid agiert, dass er von Untergebenen keine Qualifikationen mehr verlangt – außer: totale Loyalität.

          Einschleimen für Profis

          An der Wall Street nennen sie Scaramucci „The Mooch“, was man in seinem Fall am besten mit einer Kombination der Worte „Speichellecker“, „Schnorrer“, „Schmarotzer“ übersetzen kann. Er spendete für Barack Obama und gab sich als großer Fan von Hillary Clinton aus, bevor sie fürs Weiße Haus kandidierte.

          Es ist nicht viel länger her als ein Jahr, dass Scaramucci in seiner Rolle als Talkshowgastgeber und Finanzchef für Trumps Kontrahenten Scott Walker im FOX Business Network verkündete: „Trump ist ein politischer Betrüger, ein Rotzlöffel aus Queens County, der Geld geerbt hat. Er ist ein Spalter, sein Benehmen ist antiamerikanisch und ihr könnt Donald sagen, wovon er Präsident sein wird: von der Queens County Vereinigung der Bullies.“

          Na ja. Nachdem Walker aus dem Rennen ausgestiegen war, sammelte Scaramucci ein paar Monate lang für Jeb Bush Spenden und setzte ziemlich spät auf das richtige Pferd, den Rotzlöffel aus Queens County. Eine der ersten Fragen auf seiner ersten Pressekonferenz: Hat Trump Ihnen verziehen? „Er erwähnt meinen Auftritt von damals alle 15 Sekunden. Lieber Mister Präsident, wenn Sie gerade zuhören: Ich entschuldige mich für meine Äußerungen. Zum fünfzigsten Mal.“

          Im Grabenkrieg

          Dass es nicht langweilig werden würde mit Anthony Scaramucci im Weißen Haus war sofort klar. Aber die erste Woche übertraf kühnste Erwartungen. Zunächst fragten sich alle, die die Zustände im Weißen Haus näher kennen, was Trump mit dieser Personalie bezwecken wollte. Es herrscht bereits ein Grabenkrieg zwischen dem parteipolitisch zynischen Chief of Staff Reince Priebus und dem hobbyfaschistischen Chefberater Steve Bannon. Die sind wiederum aufs Blut verfeindet mit Ivanka Trump und Jared Kushner, weil beide mit amateurhaften Vorschlägen bei Trump Gehör finden. Die verheerende Idee, FBI-Chef Comey zu entlassen, soll der Schwiegersohn Trump eingeflüstert haben.

          Neuer Kommunikationschef : Scaramucci beschimpft Priebus und Bannon

          Zwischen den Fronten bewegte sich bislang der allseits verachtete Pressesprecher Sean Spicer, der jedoch so wenig respektiert wurde, dass man sich über ihn nicht weiter ärgerte. Die aggressive und misstrauische Grundstimmung unter den Mitarbeitern im Weißen Haus heizen die einzelnen Fraktionen an, indem sie vertrauliche Informationen durchsickern lassen, die inzwischen den Fortbestand der Regierung bedrohen. Nur einmal waren sich alle einig: Als Scaramucci angekündigt wurde. Bannon sagte: „Nur über meine Leiche.“ Spicer trat zurück. Auftritt „The Mooch“.

          Weitere Themen

          Bannons Krieg gegen die eigene Partei

          Streit bei den Republikanern : Bannons Krieg gegen die eigene Partei

          Trumps ehemaliger Chefstratege Bannon nimmt dessen Versprechen, in Washington „den Sumpf trockenzulegen“, ernst. Dafür will er moderate Republikaner aus dem Kongress werfen und durch Ultrarechte ersetzen.

          Stabschef Kelly verteidigt Trumps Verhalten Video-Seite öffnen

          Umgang mit Hinterbliebenen : Stabschef Kelly verteidigt Trumps Verhalten

          John Kelly, Donald Trumps Stabschef, ist dem amerikanischen Präsidenten im Streit um den Umgang mit der Witwe eines getöteten Soldaten zur Seite gesprungen. Er habe gedacht, wenigstens die Kondolenzanrufe des Präsidenten seien noch heilig. Trump wurde zuvor wegen seiner an die Öffentlichkeit geratenen Aussagen heftig kritisiert.

          Topmeldungen

          Gute Laune bei der britischen Premierministerin Theresa May und EU-Ratspräsident Donald Tusk, doch keine Einigung in Sicht.

          Austrittsverhandlungen : Die positive Brexit-Erzählung

          Einen Durchbruch bei den Verhandlungen gab wieder nicht – aber eine etwas bessere Stimmung. Für alle Fälle gehen die Briten aber schon das „No Deal“-Szenario durch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.