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„Ant-Man“ im Kino : Superheldenkomik statt Superheldencomic

Diese Woche kommt ein begabtes Insekt in die deutschen Kinos: „Ant-Man“ bringt Humor in die Marvel-Filme. Für die immer subtiler vernetzten Superheldenfilmen wird so intelligent geschrieben wie sonst kaum im amerikanischen Kino.

          Als Marvel vor zehn Jahren einen Masterplan für seine Superheldenfilme aufstellte, stand an dessen Ende ein Film mit den Avengers, der 1963 von Stan Lee für die Comics konzipierten Heldentruppe, doch vorher sollte jedes Mitglied seinen eigenen Film bekommen: Iron Man, Thor, Hulk und Captain America. Doch wo blieb der Fünfte im Bunde, wo blieb Ant-Man? Und wo die Sechste, The Wasp, Ant-Mans Freundin und die einzige Frau im Team? Offenbar hielt man ein Superheldenpaar, dessen Kostüme Ameise und Wespe nachempfunden sind und das schon in den Comics ein Flop gewesen war, für wenig kassenträchtig im Kino. Und so wurden der kleine Kerl und das schwirrende Mädchen einfach aus dem Drehbuch für die Avengers herausgeschrieben. Man könnte sagen: mit Recht. Denn die „Avengers“, die Joss Wheedon 2012 in die Kinos brachte, brachen alle Rekorde für Superheldenfilme, und das will angesichts der Konkurrenz schon etwas heißen.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Aber dieser Erfolg bestärkte Marvel darin, einen zweiten Masterplan aufzusetzen, der die Avengers weiterentwickeln sollte. Wheedon brachte kürzlich eine Fortsetzung noch mit dem alten Heldenpersonal heraus, doch nun bekommt auch der zuvor verschmähte Ant-Man seine Solo-Chance – wo heute im Kino Superheld draufsteht, steckt Gold drin, und tatsächlich setzte sich beim amerikanischen Kinostart vor einem Monat selbst der Ameisenmann für eine Woche an die Spitze. Jetzt hat er in Deutschland seine Premiere, wo er noch unbekannter ist als in den Vereinigten Staaten. Doch das Zeug zur Überraschung hat er auch hier, denn dieser Film ist anders als alle anderen in seinem Genre: Er ist eine Komödie.

          Komische Comics auf der Leinwand

          Das sieht man schon am Hauptdarsteller: Paul Rudd, einer der populärsten Hollywood-Comedians, spielt Scott Lang. Moment, wer soll das sein? Ant-Man, das war doch Henry Pym, ein halbwegs durchgedrehter Wissenschaftler, der eine Methode gefunden hatte, um sich selbst aufs Format einer Ameise zu schrumpfen und dabei auch deren verhältnismäßig übergroße Kräfte zu erwerben, die er dann, wieder auf Menschenmaß gebracht, nutzen konnte. Und in der Tat: Pym tritt im Film auf, gespielt von Michael Douglas aber als desillusionierter Ant-Man im Ruhestand, der Angst vor dem Missbrauch seiner Entdeckung hat. Seine Gefährtin Wasp ist am Ende des Kalten Kriegs beim Entschärfen eines Atomraketenirrläufers gestorben, und die gemeinsame Tochter Hope (Evangeline Lilly) hat mit dem Vater gebrochen, als der ihr eine eigene Karriere als Superheldin versagte. Deshalb braucht Pym nun einen anderen Nachfolger als Ant-Man und findet ihn in dem geschickten Einbrecher Scott Lang, der ein ähnlich zerrüttetes Familienleben führt.

          Diese Idee des Drehbuchs, an dem Paul Rudd selbst beteiligt war, ist hübsch, weil sie mehrere Probleme löst, die durch den früheren Verzicht auf Ant-Man und Wasp im Marvel-Filmuniversum entstanden sind. Alsbald geht Lang als Ant-Man des 21.Jahrhunderts mit viel echter Ameisenunterstützung auf Abenteuer im Mikrobereich aus. Zugleich knüpft der aktuelle Ableger des großen Superheldenzyklus aber an jenen schrägen Humor an, den Stan Lee in den sechziger Jahren bisweilen aufblitzen ließ, womit er seinen Hauptzeichner, den großen Jack Kirby, immer zur Weißglut brachte, weil es dem gar nicht pathetisch genug sein konnte. „Ant-Man“ gaben die beiden deshalb bald auf, doch für den heute zweiundneunzigjährigen Lee, der auch im neuen Film seinen obligatorischen Kurzauftritt hat, dürfte es ein privater Triumph sein, dass nun sogar seine komischen Comics als tauglich für die Leinwand befunden werden.

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          Eindeutig der begabtere Krabbler

          Tatsächlich nimmt sich „Ant-Man“ nicht ernst, und gerade das macht ihn zu einem ernstzunehmenden Film. Denn wenn sich jetzt die Superheldenverfilmungen auch noch ausdifferenzieren und Subgenres bilden, dann dürfte bald gar kein Halten mehr sein. Der Erfolg von „Ant-Man“ zeigt, dass selbst Lächerlichkeit, sofern sie bewusst eingesetzt wird, einen Superhelden nicht töten kann. Spätestens, wenn der große Showdown zwischen dem Titelhelden und dem bösen Wissenschaftler Darren Cross, der Pyms Entdeckung zur Superkriegswaffe pervertieren will, auf dem Areal einer Spielzeugeisenbahn stattfindet, zwinkert Hollywood mit beiden Augen. Und wir im Publikum reiben sie, weil da mit so viel Witz ans Werk gegangen wird. Und spitzen die Ohren, wenn der Charakterdarsteller Michael Peña als tölpelhafter Freund von Scott Lang ein Liedchen vor sich hin pfeift, dessen Titel zum Filmgeschehen so genau passt wie Ant-Man ins Schlüsselloch.

          Dass es natürlich auch Anspielungen auf die anderen Marvel-Verfilmungen gibt, ist unvermeidlich: Ant-Man wird hier ja für seinen bevorstehenden Eintritt in die Avengers fit gemacht. Das Gleiche gilt für eine künftige Wasp, obwohl die alte doch tot ist. Dann wäre das Ursprungsteam doch wieder beisammen. Es gibt kaum ein anderes Feld, auf dem derzeit im amerikanischen Kino so intelligent geschrieben wird wie in den untereinander immer subtiler vernetzten Superheldenfilmen. Und gegenüber den in vier Verfilmungen samt und sonders enttäuschenden Spider-Man ist Ant-Man der eindeutig begabtere Krabbler.

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