Jedem Wahltag folgt irgendwann der Zahltag. Nach dem Einzug ins Elysée feierte Nicolas Sarkozy ohne Intellektuelle mit ein paar Stars des Showbusiness und Unternehmerfreunden. Sie bekamen umgehend ein paar Steuergeschenke. Das war noch vor der Krise. Nach der Götterdämmerung der Banker und Manager erinnert man sich im Elysée der Intellektuellen: Sie erscheinen unvermittelt als unverbrauchte Elite. André Glucksmann hatte als Erster zur Wahl von Nicolas Sarkozy aufgerufen und seinen Appell mit seinem tiefen antitotalitären Gewissen begründet. Mit seinem Sohn Raphael zusammen erklärte er dem Staatspräsidenten in einem Buch den Mai 68 - er war eines der großen Wahlkampfthemen.
Den Blitzkrieg im Kaukasus im vergangenen Sommer überließ der Siebzigjährige fast kampflos dem Sohn. Georgien war - nach Jugoslawien, dem Irak und anderen Stationen - die bislang letzte emblematische Etappe der geläuterten Intellektuellen auf dem Rückzug von den Ideologien, die sie einst angebetet hatten. Bernard-Henri Lévy und der Newcomer Jonathan Littell publizierten ihre Reisereportagen - Raphael Glucksmann aber gleich ein Buch. Und das auch noch zusammen mit dem unsäglichen georgischen Präsidenten Saakaschwili: „Ich rede von Freiheit“.
Grenzenlose Verlegenheit
Von ihr und von Georgien war auch die Rede, als Nicolas Sarkozy jetzt im Elysée André Glucksmann zum Ritter der Ehrenlegion schlug. Der einflussreiche Philosoph hatte ein Mädchen aus Tschetschenien, das dank seines mächtigen Freundes in Frankreich bleiben darf, mitgebracht. Ein Präsident und sein Philosoph auf Du und Du. Sarkozy zeichnete zunächst einmal sein Selbstporträt als politisches Alter Ego des antitotalitären Intellektuellen. Glucksmann, dem die Peinlichkeit solcher Situationen durchaus bewusst ist, hat unter Sarkozy viele Kröten geschluckt: das Fraternisieren mit Putin; den Besuch in Peking; Gaddafi in Paris; die Befreiung der Stümper von der „Arche Noah“ in Darfur.
Auch innenpolitisch hat Glucksmann wenig Grund zur Hommage. In seiner grenzenlosen Verlegenheit blieb ihm nicht viel mehr als das Exempel Georgien. Ob er den Feldherrn oder den Freiheitshelden oder beides und sogar ein bisschen ironisch meinte, bleibe dahingestellt. Unerschrocken jedenfalls hob der geadelte Philosoph an: Was „von dir“ und der französischen EU-Präsidentschaft „vielleicht als Einziges bleiben wird, ist die Tatsache, dass du den Vorstoß der russischen Panzer auf Tiflis gestoppt hast“. Mit seiner intellektuellen Schützenhilfe. Aber zum Glück auf diplomatischem Weg.