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Amerikanisches Schusswaffenrecht : Kings Kampf

In Stephen Kings Roman „Amok“ erschießt ein Schüler seinen Mathelehrer. Nun ruft der Autor im Internet zu einer Verschärfung der amerikanischen Waffengesetze auf.

          Stephen King weiß, wovon er spricht. Soeben schrieb er einen Aufruf an seine Mitbürger, in dem er für eine Verschärfung der Waffengesetze wirbt. Statt den Text bei einer Zeitschrift einzureichen und auf die Drucklegung zu warten, lässt er ihn für 99Cent als E-Büchlein bei Amazon verkaufen. Das Geld fließt einem Lobbyverein der Waffengegner zu.

          Der Autor teilt zwei Dinge über sich mit, die zeigen sollen, dass er zu der in „Guns“ bezeichneten Sache etwas beizutragen hat. Erstens besitzt er drei Handfeuerwaffen. Und zweitens veröffentlichte er 1977 einen Roman mit dem Titel „Rage“ (deutsch „Amok“, 1988). Er handelt von einem Jungen, der ein Gewehr in die Schule bringt, seinen Mathelehrer erschießt und seine Mitschüler als Geiseln nimmt. Zwischen 1988 und 1997 geschah es viermal, dass ein Schüler, der das Buch gelesen hatte, eine Tat nach dem Muster des Buchs ins Werk setzte. Der dritte und der vierte Täter töteten je drei Menschen. King zog sein Buch aus dem Verkehr. Er glaubt zwar nicht, dass es der Auslöser der Mordpläne war, stuft es aber als „möglichen Beschleuniger“ ein.

          Vom ersten Verfassungszusatz, der Garantie der Redefreiheit, war sein Recht gedeckt, einen Roman über den Rachemord eines frustrierten Schülers in Umlauf zu bringen, dessen Autor aus eigener Frustrationserfahrung schrieb. Freiwillig trat King von der Ausübung dieses Rechts zurück. Er appelliert an die Waffenliebhaber, in gesetzliche Beschränkungen des Waffenbesitzes einzuwilligen, den der zweite Verfassungszusatz schützt. King will seine Waffen nicht herausgeben. Er kann beurteilen, welche Waffen zur Selbstverteidigung und zum Sport zweckmäßig sind und welche nicht.

          Der Wille zur Empirie ist die Stärke des Aufsatzes. Es geht um nachweisbare Kausalitäten, um Risikofaktoren, die typischerweise zusammenkommen. Die Rede ist von bestimmten Waffenmodellen, Gesetzeslücken, Symptomen gefährlicher Selbstisolierung. King wehrt eine Rhetorik ab, die die Ursachen der Schulmassaker in allgemeinen Phänomenen sucht, dass Prävention sinnlos erscheint. In Schwierigkeiten gerät er, wenn er nicht nur den entlastenden Gebrauch des Topos von der „Kultur der Gewalt in Amerika“ rügt, sondern beweisen will, dass diese Kultur eine Erfindung von Fundamentalisten sei. 1999, nach dem Massaker von Columbine, hatte King in einer Rede noch eine Prüfung des nationalen Phantasiehaushalts gefordert. Jetzt soll die Bestsellerliste belegen, dass die meisten Amerikaner von Gewalt nichts wissen wollen. Hat die Heldin von „Fifty Shades of Grey“ etwa nicht die Waffen gestreckt?

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in München und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

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          Quelle: F.A.Z.

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