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Amerikanischer Wahlkampf Fozzy McCain

14.10.2008 ·  Der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain hat eine eigene Sorte von Humor. Derb und männlich bringt er ihn zu jeder passenden oder unpassenden Situation an. Muss Barack Obama nun wirklich fürchten, dass McCain, wie er sagte, ordentlich die Peitsche herausholen werde?

Von Nils Minkmar
Artikel Lesermeinungen (7)

Wie unterscheide ich einen Anwalt von einem Wels? Na, das eine ist ein in trüben Tiefen lebender Abschaumsauger, und das andere ist ein Fisch.

John McCain, der Maverick-Kandidat, der heuer netterweise das Vakuum an der Spitze der Republikanischen Partei ausfüllt, macht gern mal einen Witz. Stellt sich eine Fragerin als Anwältin vor, kommt der Welsspruch. Geht es um Iran, singt er zur Melodie des Beach-Boys-Hits „Barbara Ann“: „Bomb bomb bomb Iran“. Die erwartete Reaktion ist ein entschiedenes Har Har! John McCain hat Spaß, und zwar von der Art, die man eigentlich mit doppeltem S schreiben soll, damit es noch aufgedrehter zischt: Spass! Es ist jener Zustand, in dem Reisegruppen schon frühmorgens im Zug den Sekt öffnen und Witze erzählen.

McCain holt die Peitsche raus

Spass geht nur in Gesellschaft und auf Reisen, daher liebt McCain seinen Bus, sein Flugzeug und die Nähe von Menschen ganz allgemein. Journalisten begrüßt er fröhlich mit „Hallo Schwachköpfe“ und freut sich, dass wieder alle da sind. Und wenn einer der Geplagten einen klassischen McCain-Joke selbst vollendet, hebt der Senator ertappt die Hände und erklärt mit keckerndem Lachen, es gebe eben nichts Neues auf dieser Erde, und genau dies sei seine wichtigste Botschaft.

In diesen Zeiten trifft das aber nur noch auf Witze zu: Nur dort wartet die Ehefrau in Lockenwicklern auf den torkelnden Ehemann mit einem Nudelholz, nur dort tickt neben jedem Beamten ein Wecker, und Schwule haben ein lockeres Handgelenk. Auch McCains Bemerkung, er werde Obama in der letzten Fernsehdebatte ordentlich „die Peitsche“ geben, passt in die schlechte alte Zeit, in der es einen Master gibt, der weiß, wie man mit aufmüpfigen Sklaven zu verfahren hat.

In einer legendären Folge der Muppet Show musste Fozzy Bear erleben, wie all seine Pointen floppten, da kündigte er spontan an, beim nächsten Witz Rollschuh zu fahren – und zwar rückwärts! McCain hat diese Strategie übernommen: Er hat Spass, auch wenn der Saal kotzt. John McCain wäre bei jedem bunten Abend als Vorprogramm zu Heinz Strunks Tanzkapelle denkbar, ihn für die Präsidentschaft zu nominieren war aber kriminell leichtsinnig. Aber die amerikanischen Republikaner haben schließlich schon ganz andere Brüller gebracht. Und den einen, den hatten sie halt noch. Der musste einfach raus.

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Jahrgang 1966, verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

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